chineseUrsprünglich war die Aufführung für die Wiener Kammeroper geplant gewesen. Dann änderte sich dort das Management und die Produktion konnte nicht realisiert werden. Daher kam Raymond Yius Oper „The Original Chinese Conjurer“ nun im Metallenen Saal des Musikvereins in einer konzertanten Fassung zur österreichischen Erstaufführung. Dass Produzent/Regisseur Bernd Bienert mit der Entdeckung des Werkes einen wahren Fund gelandet hat, war dennoch sicht- und hörbar.

Der Plot ist faszinierend: Der Engländer William Robinson stahl die Identität des in den USA überaus erfolgreichen Magiers Ching Ling Foo. Infolge machte er als chinesische Zauberer Chung Ling Soo in den Vaudeville-Theatern im London der Jahrhundertwende eine sagenhafte Karriere, obwohl er kein Wort Chinesisch sprach. Sein sensationellster Zaubertrick war eine Gewehrnummer, in der der Zauberer die abgefeuerte Kugel fängt. Eines Tages ging bei den präparierten Waffen etwas schief und Robinson wurde während einer Vorstellung erschossen. Seine letzten Worte waren die ersten die Chung Ling Soo/William Robinson öffentlich auf Englisch äußerte: „Something happened. Lower the curtain.“ Und damit flog auch der Schwindel  seiner Identität auf.

Der in Hong Kong geborene und in London lebende Komponist und Jazzmusiker Raymond Yiu hat seine Oper sehr stark am Musical orientiert und auch direkte Referenzen an „Cabaret“ nicht gescheut. Wenn Robinson die Verwandlung in Chung Ling Soo macht, klingt auch immer wieder chinesische Pentatonik an. „The Original Chinese Conjurer“ ist eine sehr rhythmische Partitur mit mitreißenden Melodien, Yiu nennt sie „A Musical Diversion Suggested by the Lives of Chung Ling Soo“.   

Das Libretto von Warren Lee erzählt die Geschichte vom Standpunkt von Robinsons Lehrer Alexander Herrmann (Bariton Andreas Maurer) und vollzieht glaubhaft die Wandlung Robinsons vom eifrigen Lehrling zum egomanischen Magier – dank der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau und seines „Übersetzers“ ging der Betrug jahrelang gut.. Alle SängerInnen interpretierten ihre Rollen dabei so lebendig wie bei einer Bühnenaufführung, allen voran Bryan Benner (Bass) als Robinson, die Sopranistin Anne Wieben als seine Frau Dot. Die Rolle des Übesetzers Chai Ping war mit dem Countertenor Friedolin Obersteiner besetzt. Klaus Paar (Tenor) brachte sich in unterschiedlichsten kleinen Rollen ein. Nur die Visuals von Walter Mirtl erreichten im kleinen Saal nicht ihre Wirkung, da sie zu weit entfernt von den Sängern projiziert und nur peripher wahrgenommen wurden.

Die wunderbaren Stimmen und das hervorragend musizierende Ensemble „die reihe“ unter der künstlerischen Leitung von Vasilis Tsiatsianis machten diese unterhaltsame Oper jedoch auch in Wien zu einem vollen Erfolg.

Raymond Yiu: „The Original Chinese Conjurer“ am 19. April im Musikverein / Metallener Saal. Eine Produktion des Teatro Barocco / Bernd Bienert