blaschkeSynchronizität und präzises Ineinanderfließen. Im Palais Kabelwerk fand von 18. bis 21. Dezember 2012 die erste Ausgabe des von Kanako Sako gegründeten fifoo-Tanzfestivals statt. Der Name steht für Fade In and Fade Out Orchestra, für gemeinschaftliches Arbeiten von KünstlerInnen und Vernetzung. Etwas, das künstlerische Arbeit – vor allem für jüngere Künstler - oft erst möglich macht. Mit „figure 5“ von Georg Blaschke und „Hetero“ von Teita Iwabuchi und Kaori Seki aus Japan waren zwei Produktionen von großer Stimmigkeit zu sehen.

Georg Blaschke choreografiert drei Tänzerinnen und zwei Tänzer (Leonie Bockelmann, Nikoletta Korkos, Kanako Sako, Pawel Dudus, Hygin Delimat) in immer komplexer werdende Muster und Konstellationen zueinander. Aus zahlreichen Wiederholungen, zuerst schlicht und pur, entwickelt sich zwischen den Tänzern stetig mehr Intimität und dichtere Körperlichkeit. Es entstehen bewegliche Skulpturen, Menschen, die immer wieder von Neuem jede mögliche Bewegung um ihre eigene Achse ausloten. Bilder von komplexer Körperlichkeit, die in steter Veränderung in einem Raum von Licht und Klang begriffen sind.

Die Bühne im Kabelwerk ist von zwei Zuschauertribünen gesäumt, in deren Mitte ein in Längsbahnen verlegter schwarzer Tanzboden liegt. Auf zwei Seiten der Bühne sind in sich gebrochene Farbstreifen ausgelegt. Diese Streifen umgrenzen das dreidimensionale Gemälde und strukturieren gleichsam die inhaltliche Ebene. Wenn ein „Kapitel“ der dreiteiligen Choreographie abgeschlossen ist, werden die Bahnen umgedreht und machen ein neues Muster sichtbar (Graphik und Bühnendesign: Thomas Rhyner). Bewegungen um die eigene Achse werden im ersten Teil ausgelotet. Im zweiten Teil erfolgt eine Ausweitung auf den Raum, die Tänzer und Tänzerinnen beginnen wie Werkzeuge ineinanderzugreifen. Im letzten Teil fließen alle Teile zusammen, werden flüssiger, komplexer zueinander in Beziehung gesetzt, raumübergreifender und dynamischer.

Auch musikalisch findet eine Entwicklung statt, korrespondierend zu Bühne und Tanz. Ulrich Troyers Sound beruht auf gebrochenen rhythmischen Bässen, die im Verlauf der dreiteiligen Struktur immer komplexer werden und ihren vollen musikalischen Klang im letzten Teil entwickeln.

Im zweiten Teil des Abends zeigen Teita Iwabuchi und Kaori Seki „Hetero“ ein wunderbares Duett von intensiver, kraftvoller Klarheit und Präzision. Es ist ein Stück, das ohne Sound aber vervollständigt durch  wunderbares Lichtdesign (Yuichi Kageyama) auskommt und von einem außergewöhnlichen Tänzer und einer ebenso außergewöhnlichen Tänzerin getanzt wird.

Wie eineiige Zwillinge bewegen sie sich, beide in ein eng anliegendes weißes Trikot gekleidet (Kostüm Yoko Takeuchi), welches ihre optischen Ähnlichkeiten verstärkt. Manchmal wachsen sie wie zu Siamesischen Zwillingen zusammen und vollbringen gemeinsam tänzerische Höchstleistungen: Hebefiguren, bei denen das gestreckte Bein der Tänzerin den Raum wie ein Speer durchschneidet. Oder - am Kopf stehend - schlingt die Tänzerin ihre Beine um den Hals des Tänzers und wird von ihm um die eigene Achse gedreht. Eingezwirbelt ineinander vollbringen sie Bewegungen von unglaublicher Präzision.

Die Tanzperformance beginnt in einem stillen, dunklen Raum, nur zwei einzelne Scheinwerfer werfen einen Lichtstrahl von oben auf die beiden TänzerInnen, die mit kraftvoller Ruhe die Blicke der ZuseherInnen an sich fesseln. Später kommt das Licht von zwei seitliche Scheinwerfern, sodass sich die TänzerInnen mit Hilfe ihrer Schatten verdoppeln und an den Wänden weitere Bilder entstehen. Manchmal färbt sich das Licht, sodass sich die Bühne in weicher Dämmerung befindet und die – trotzdem kraftvolle – Weichheit der Bewegungen verstärkt.

Ein gelungener Abend! Termin für das fifoo-Programm in seiner zweiten Ausgabe wird vom 5. bis zum 9. Juni 2013 sein.

Fifoo.programm „das erste“, Palais Kabelwerk 19. Dezember 2012, www.palaiskabelwerk.at