images/tanzlogov1.png

gods„Wenn du nicht weißt, was du willst, ist es auch egal, was du tust“, meint das Kollektiv God’s Entertainment in seiner neuen Show gleichen Titels. Lewis Carolls „Alice im Wunderland“ wird als Inspirationsquelle angegeben. Diese Referenz ist aber ebenso beliebig wie die Recherche der Gruppe nach „unentdeckten Theaterräumen, sowie nach virtuellen Räumen“.

Das Bühnenbild mit richtigen Bäumen evoziert einen wilden, geheimnisvollen Wald. Ein viel versprechender Anfang. Die erste Szene, in der die Schauspieler inklusive einem Hund wie zum Schlussapplaus antreten, ist zwar dreist, aber immerhin noch interessant. Gleich danach und bis zum Ende der Show stellt sich allerdings die Frage nach der Nachhaltigkeit …

Nach einem ethnischen Spektakel mit einem terrorisierten, lebendigen Huhn und gespickt mit literarischen Überlegungen über „das Theater“, frage ich mich, von welcher Schauspielschule die Darsteller kommen – in einem verzweifelten Versuch eine Art von Referenzrahmen zu finden für die Abfolge von Sketches, die ich nun über mich ergehen lasse. Wahrscheinlich ist es aber besser, sich dieser Art von Absurdität auszuliefern, die zwischen langweiligen Kabarettnummern, Voodoo-Zauber und ständigen Wiederholungen von Pseudo-Theater, Pseudo-Text, Pseudo-Schauspielerei hin und herpendelt. Die Schauspieler scheinen zwar alt genug zu sein, aber sie haben wohl ihre Schule nicht fertig gemacht … (Jaja, wir kennen ihren Background, ist die Gruppe doch in den letzten Jahren ganz schön gehypt worden.)

Die Absurdität, die sie offensichtlich portraitieren wollen, gleicht immer mehr einer adoleszenten Konfrontation, einer milden, von gut erzogenen Kindern. Ein bisschen radikal, ein paar nackte Männer, um die Großmutter zu erschrecken, ein Pornovideo, bei der die Tante nachdenken muss, was sie dazu sagt. Und dann natürlich müssen auch die Zuschauer mit einbezogen werden. Ein bisschen von oben herab: „Lass sie spüren, wie doof sie sind“.

Und, in der Tat, wir sind ziemlich doof. Schließlich sitzen wir fast eineinhalb Stunden da und verschwenden unsere Zeit und Ressourcen in einer unproduktiven Produktion. Denn hier erleben wir weder den erhellende Moment, „das Absurde“ aufzudecken, wie es die Dadaisten einst taten, noch einen erdrückenden Beckett und seinen nackten Nonsense von Godots Warten. God’s Entertainment hinterlässt lediglich ein anämisch-depressives Gefühl, meine Zeit zu verschwenden.

God’s Entertainment: „Wenn du nicht weißt, was du willst, ist es auch egal, was du tust“, Premiere am 6. November 2012 im WuK. Letzte Vorstellungen: 9. Und 10. November 2012