thecomingstormSie wollten eine epische Saga, die zu groß für die Bühne ist, zum Erliegen bringen. Als Nebeneffekt erlag das Publikum, mehr aus Erschöpfung als aus Euphorie. Zwei Stunden lang arbeiteten sich drei Performer und drei Performerinnen bei „The Coming Storm“ mit konsequentem Understatement an zahlreichen zusammenhangslosen Geschichten ab und buhlten dabei um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

Fast schon drei Jahrzehnte lang beschäftigen sich Forced Entertainment mit der Kunst des Geschichten-Erzählens, jetzt wissen sie, wie es geht. Zum Einstieg erklärt uns eine der Darstellerinnen, Terry O´Connor, was eine gute Story braucht: einen klaren Anfang, zentrale Charaktere, Überraschung, Beziehungen, Schwierigkeiten und  Mysteriöses, Spannung, Dramatik und Geheimnisse. Viele dieser Komponenten hätten die zahlreichen Geschichten, die nun die sechs PerformerInnen auf der Bühne erzählen, gebraucht. Nur, kaum eine der Geschichte wird bis zum Ende geführt. Oft nimmt am oder vor dem Höhepunkt der Spannung eine(r) der MitspielerInnen das Mikro an sich, um die Erzählung durch eine neue zu unterbrechen. Oder sie geben Ratschläge, die aus Drehbuch-Handbüchern für Hollywood-Mainstream-Filme stammen könnten: Der Erzähler solle die Background-Informationen aussparen und nur das „Aufregendste“ erzählen und direkt zur „Action“ weiterführen. Oder die Hauptakteure der Geschichte sollen bekannten Hollywood-Schauspielern zugeordnet werden.

Die Performance unter der Regie von Tim Etchells zeigt eine anarchische Gruppe: Jede(r) der SchauspielerInnen möchte das Wort an sich reißen, um seine/ihre Geschichten zum Besten zu geben und die Aufmerksamkeit an sich zu ziehen. Sie illustrieren diese Geschichten mit gewollt dilettantischem Tanz, mit spärlicher Bühnenausstattung wie einer „Windmaschine“ und mit halb-offenen Kostümen und mit Live-Musik, die an den falschen Stellen und mit unpassender Lautstärke, eingesetzt wird. Die Teile der Performance – Musik, Tanz, Erzählung – klaffen systematisch auseinander und alles läuft aus dem Ruder.

Das sollte wohl medienkritisch sein, ist jedoch leider mittlerweile – nach Jahrzehnten postdramatischer Theatertradition – doch auch schon sehr im Kanon des allzu Gewohnten angelangt. Aus den Konventionen auszubrechen, um zu sehen was passiert, kann sehr erhellend sein. So begeistert manch hartgesottene Fans im Publikum aber auch jubelten, die Rezensentin blieb von dem gleichförmigen Durcheinander der Performance unberührt und frei von neuen Erkenntnissen.

Forced Entertainment: The Coming Storm, 5. Oktober 2012, Tanzquartier, Halle G Museumsquartier