lawineMaschinen bitten zum Tanz – Bergbaumaschinen, um genau zu sein; und zwar alle, die die VA Erzberg GmbH zur Verfügung hat, um ganz genau zu sein. Uraufführung des halbstündigen „Tänzchens“, pardon: der „Montanistischen Performance am Erzberg“, war bei Kaiserwetter am 22.September. „Gangart“ lautet der treffende Name dieser Produktion von Lawine Torrèn, einem offenen Tänzernetzwerk, an das von der VA Erzberg für eisenerZ*ART 2012 der Auftrag dafür erteilt worden war.

Ihr Choreograph, Hubert Lepka, empfindet diese Tatsache so, „… als wenn das New York City Ballet …“ angerufen hätte. Er habe seit Jahren schon darüber nachgedacht, „wie diese Riesen vom Berg sich bewegen, in welcher Beziehung sie zu Tänzern stehen.“ Und dann sei er plötzlich um eben diese Umsetzung gefragt worden.

Nicht ganz überraschend im Grunde: Denn wie ebenfalls dem Programmheft (in dem 10 Seiten der Choreographie so wie den Künstlern und 16 Seiten den maschinellen Protagonisten gewidmet sind) zu entnehmen ist, arbeitet die multimedial zusammengesetzte Gruppe immer wieder in und an Performances in großen, offenen Räumen, deren Realitäten den Künstlern als Partner an die Seite gestellt werden: Die jeweiligen Gegebenheiten liefern dann den Input für das, was vor Ort „gemeinsam“ er- und weiter gearbeitet wird.

Diese Herausforderung ist für einen Künstler-Wissenschaftler-Denker wie Lepka und für sein Team wohl eine ebenso große und spannende wie entdeckungsreich-vergnügliche. Das Handwerkzeug, das System der viewpoints, das von Mary Overlie stammt, und das den „artgerechten“ Umgang mit extrem divergierenden Größen sowie konträren „Materialien“ erleichtern soll, mag nicht nur Sicherheit im Vorgehen vermitteln, sondern auch verborgene Perspektiven eröffnen.

Allein: All dies teilt sich im Zusammenspiel zwischen Tänzern und gegebenem technischen und natürlichen Material dem Betrachter nicht in der intendierten und vom Rezipienten erhofften Nachdrücklichkeit oder Schlüssigkeit oder gar begeisternd mit: Die in diesen räumlichen Dimensionen notwendigen großen Gesten der Tänzer verlaufen sich vielmehr bald im Sand respektive in der Erde. Sie wirken nicht aus der Entfernung, sind banal, um ein wenig wahrnehmbar zu sein. Der faszinierende Größenvergleich zwischen Mensch, Maschinen und Berg tut zwar für einige Zeit seine Wirkung, doch bald schon „übersieht“ man die Künstler zwischen den (ebenfalls) erstaunlich beweglichen und größtenteils gelenkigen, fremdartigen Riesen. Da helfen auch die Musikbeiträge nicht - live die der Knappen, die zugespielte, unter anderen von John Cage, und der inszenierte „Sound“ der Natur nicht - um ein überzeugendes Ganzes zu geben; doch am allerwenigsten durch den Versuch eines Plots: zu Beginn werden die TänzerInnen vom „Bösen mit der Peitsche“ zur Arbeit getrieben; am Ende bewerfen sie ihn, der in einer Blechhütte Schutz sucht, mit Steinen.

Die Bilder, die bleiben, sind die der „Riesen vom Berg“: Bei ihnen stimmte die solistische und gemeinsame Gangart - authentisch im Maschinen-Takt. Diese Konzeption verdient Anerkennung.

Lawine Torrèn "Gangart", eisenerZ*ART 2012 am 22. September 2012