kikiMit „Kiki – die Vermessung einer Frau“ von Günther Grollitsch präsentierte das Center for Choreography Bleiburg / Pliberk (CCB) seine erste Eigenproduktion, bei der die in Bleiburg geborene Künstlerin Kiki Kogelnik im Mittelpunkt steht. Durch den thematischen Bezug zur – durch eine Reihe von Künstlerpersönlichkeiten sehr interessanten – Region positioniert sich das junge CCB auch national und international als einzigartige Initiative.

Der 44-jährige Günther Grollitsch ist in seiner Formensprache dem Tanztheater verhaftet. Stellenweise erinnert er in seiner Bildgebung und seinem tänzerischen Stilmix an Johann Kresnik, Bleiburger Urgestein und Ideengeber des CCB. Dabei agiert Grollitsch aber nicht als Imitator, sondern findet durchaus seinen eigenen Weg. Seine Themen sind nicht politisch motiviert, vielmehr vermisst der gebürtige Klagenfurter Kiki Kogelnik aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Aus einer Kredenz im Stil der 1950er Jahren tönt es, sobald Kiki die Schubladen aufmacht: zu hören sind ein Kärntner Volkslied, ein deutscher Schlager, eine Passage aus dem Film „Krambambuli“ und der Donauwalzer. Schnell macht sie die laden wieder zu. Eine Cellistin (Alexandra Petscharnig) nimmt die akustischen Themen auf und verfremdet sie, während die auf drei Tänzerinnen verteilte Kiki vorsichtig ihren Bewegungsradius auslotet und ihn allmählich vergrößert.

Den insgesamt zehn Frauen, die auf der Bühne unterschiedliche Aspekte der feministischen Popkünstlerin repräsentieren, stellt Grollitsch die Figur des Andy Warhol (Katrin Ackerl Konstantin) gegenüber, der wie Kogelnik selbst einem prominent besetzten New Yorker Künstlerkreis der 1960er Jahre angehörte. Wenn Kiki (Anna Hein) ihm die Marionettenfäden kappt und er am Ende k.o. am Boden liegen bleibt, kommt das einer Befreiung von den Ikonen der Pop Art gleich, von denen sich Kogelnik inhaltlich immer distanziert hat. Denn obwohl sie stark von deren Farben und Materialien beeinflusst war, grenzte sie sich inhaltlich deutlich von ihr ab und agierte nach ihrem Postulat: „Kunst kommt von Künstlichkeit“.

Überlieferte Texte sowie ein Tondokument der Künstlerin fließen ebenso in die Performance ein, wie Referenzen an die musikalische Pop-Kultur der Zeit. Popsongs unterbrechen immer wieder den elektronischen Sound und evozieren jeweils eine eigene Tanzsprache. Der Donauwalzer wird von rhythmischem und Funken sprühendem Metallschleifen begleitet – ein stimmiges Bild für Kogelniks Herkunft, ihre Entwicklung und die Zeit im Filmbann von „2001“.

Die Mondlandung ist nicht nur ein einschneidendes Zeitereignis, sondern steht auch für Kikis „Moonhappening“ in der Galerie St. Stephan, bei der die Künstlerin während der Live-Übertragung ein Reihe von Silkscreens zum Thema Mond produzierte – auf der Bühne wird dabei David Bowies „Major Tom“ tänzerisch umgesetzt.

Im Hintergrund malt die Bühnenbildnerin Andrea Rust ein Bild, ihre „Hommage KIKI“. Aus der Naturlandschaft schält sie am Ende einen fragmentierten Frauentorso heraus. Parallel dazu ragen aus einer schwarzen Wand einzelne, grellbunte Arme und Beinen heraus – auch sie Referenz an Kogelnik-Werke.

Insgesamt ist Grollitsch mit dieser Choreografie ein interessanter Einblick in die künstlerische Arbeit von Kiki Kogelnik gelungen, deren Biografie anhand von zeitgeschichtlichen Personen und Themen nachvollzogen wird. Bei der Umsetzung konnte Grollitsch auf einen sehr engagiertes Team bauen, wobei vor allem die Tänzerinnen  Irene Bauer, Jenny Eckel und Anna Hein sowie Andrea Rust als Bühnenbildnerin und Malerin überzeugten.

Günther Grollitsch: „Kiki – die Vermessung einer Frau“, eine Produktion des Center for Choreography Bleiburg / Pliberk. Premiere am 2. August 2012 im Kulturni Dom Bleiburg. Weitere Vorstellungen: 9., 10. und 11. August 2012