azzoniriabkoLiebespiele, galant und rasant. Unter dem Titel eines Pas de deux von Jiri Kylián, „Il faut qu’une porte / Es ist nur eine Tür nötig“ gestaltete Manuel Legris für das ImPulsTanz Festival einen Abend mit erlesenen Gästen. Der Direktor des Wiener Staatsballetts ließ es sich nicht nehmen auch selbst aufzutreten.

Kylián hat sich für seinen für das Pariser Ballett geschaffenem Pas de deux von einem Bild aus dem 18. Jahrhundert (Jean-Honoré Fragonard „Le Verrou / Der Riegel“ ) inspirieren lassen. Ein leicht bekleidetes Liebespaar, kann sich kaum noch beherrschen, der Mann versucht die Tür des Boudoirs zuzusperren. Kylian setzt das erotische Bild in Bewegung und zeigt mit seinem eigenen Humor das Liebesspiel in allen Fasen des Begehrens, von der kindlichen Neckerei bis zur innigen Verschlingung und Verschmelzung der Körper. Am Ende ist das große Bett zerwühlt, doch das Paar, getanzt von Legris selbst und dem Étoile der Pariser Oper Aurélie Dupont, ruht sittsam auf den Stühlchen, und verspeist den Apfel, der bei Fragonard als Symbol für Verführung und Begehren auf einem Tischchen leuchtet.

Legris will mit dem Titel seines Abends aber nicht an Fragonard und die zu schließende Tür anknüpfen, sondern eher an die leicht ironische Paraphrase Kyliáns, der die Türe immer wieder öffnet, den Mann hinausschlüpfen und wieder kommen lässt. Die Tür steht für Legris zwischen dem klassischen Spitzentanz und dem zeitgenössischen Ballett, verbunden durch eine ununterbrochene Linie. So wählte er gemeinsam als Pendant zu Kyliáns bezauberndem Rokoko-Ballett einen Pas de deux aus Angelin Preljocajs Ballett „Le Parc“ (Musik Wolfgang Amadeus Mozart, Adagio aus dem Klavierkonzert Nr. 23, KV 488), ebenfalls getanzt von Dupont und ihm selbst zum Abschluss des Abends. Auch Preljocaj hat sein Ballett für das Ballett der Opéra Garnier in Paris geschaffen.

Zwischen die beiden innig-galanten Pole platzierte Legris gemeinsam mit den geladenen Tänzerinnen und Tänzern (Silvia Azzoni & Alexandre Riabko vom Hamburg Ballett; Patrick de Bana mit der spanischen Flamenca Helena Martin, Tamako Akiyama und Dino Kirilov Milev aus Madrid). Bewusst hat Legris weltberühmte klassische TänzerInnen eingeladen, die im Laufe ihrer Karriere immer wieder die Brücke zum zeitgenössischen Tanz geschlagen haben zugleich auch Tänzerpersönlichkeiten sind, die wissen, was sie tanzen, sich auf ihre Technik verlassen können und sich ganz auf die Vermittlung der getanzten Gefühle – Liebe in allen Spielarten – konzentrieren können.

So begeisterten Azzoni / Riabko nicht nur in einem Ausschnitt aus John Neumeiers Ballett „Dritte Sinfonie von Gustav Mahler“ sondern auch mit dem frechen Pas de deux „ Not Without My Head“ der jungen Choreografin Natalia Horecna. Sie war nahezu zehn Jahre Kollegin der beiden Stars und verabschiedete sich aus Hamburg als Solistin. Zur Zeit ist die Mittdreißigerin aus Bratislava beim Nederlands Dans Theater engagiert.

Akiyama und Milev, von der spanischen Compañia Nacional de Danza, Madrid, haben schon unter deren ehemaligem Chef Nacho Duato getanzt. (Duato ist nach 20 Jahren ans Moskauer Mikhailovsky Theater als Ballettdirektor gegangen.) In einem Ausschnitt aus seinem Ballett „Arcangelo“ (Musik Arcangelo Corelli) erinnerten seine Tänzerin und sein Tänzer an ihn. Akiyama und Milev waren außerdem in Patrick de Banus Pas de deux „Créatures“ zu sehen. De Bana selbst zeigte sich spanisch mit Helena Martin in seiner eigenen Kreation „Factum“ (eine Uraufführung) und solistisch in seiner Bach-Choreografie „Silent Cry“.

Manuel Legris möchte gern den von ImPulsTanz in den Titel des Abends – der übrigens so schnell ausverkauft war, dass zwei Vorstellungen angehängt werden mussten und die Künstlerinnen insgesamt vier Mal im Burgtheater auftreten – gehievten Begriff „Gala“ nicht betonen. „Es ist keine Gala im üblichen Sinn. Ich habe mir thematisch und auch was die Choreografen-Persönlichkeiten und die Tanzenden betrifft etwas überlegt. Da lassen sich Linien und Verbindungen legen und wir sind alle nicht mehr blutjung, aber wir haben gelebt und etwas erlebt und so können wir Gefühle tanzen. Das, und dass dieses Programm sehr gut ins ImPulsTanz Festival passt, wollte ich zeigen“.

Das Publikum, bunt gemischt aus Wiener Prominenz und Schickeria und den jungen ImPulsTanz-TeilnehmerInnen, bedankte sich mit Jubel für Idee und Ausführung.

„Manuel Legris & Gäste: „Il faut qu’une porte …“, Gala des zeitgenössischen Balletts, 24. Juli 2012, Burgtheater im Rahmen von ImPulsTanz. www.impulstanz.at

Weitere Vorstellungen, 25., 26., 27. Juli