janfabrethepowerTheatergeschichte Live. Jan Fabres Frühwerk „The Power of Theatrical Madness“ aus dem Jahre 1984 erhitzt die Gemüter bei seiner Wiederaufführung in Wien auch 30 Jahre später noch so weit, dass einige Zuschauer das Theater erzürnt verlassen. Malerei in Bezug gesetzt zu Theater, zwei nackte Könige, die ihr Amt nur mit Zepter und Krone „bekleiden“, Theater-Fake und Theater-Kunststücke, Pathos, Gewalt, Schönheit, Erotik und Tanz, das sind die Ingredienzien der Aufführung im Wiener Burgtheater.

Die Uraufführung 1984 bei der Biennale in Venedig des damals 26-jährigen Jan Fabre gilt als Meilenstein in der Geschichte des postdramatischen Theaters. In „The Power of Theatrical Madness“ geht es um die Beziehung zwischen klassischer Malerei und klassischem Schauspiel. An die Wand projiziert sind Meisterwerke der Malerei die dramatische Momente zeigen: Werke von Michelangelo, Ingres, David oder Fragonard. Auf der Bühne 15 außergewöhnliche TänzerInnen in schwarzen Hosenanzügen, die viereinhalb Stunden lang viele großartige Momente und wunderbare Bilder erzeugen und dabei Theatergeschichte à la Jan Fabre erzählen und die großen Künstler der neueren Theatergeschichte würdigen.

Allerdings stellen zuweilen nicht enden wollende Wiederholungen das Publikum auf eine harte Probe: Wenn eine der Schauspielerinnen verzweifelt versucht vom Zuschauerraum auf die Bühne zu gelangen und ein Schauspieler sie wieder und wieder gewaltsam von der Rampe wirft. Sie sträubt sich lange die Frage zu beantworten, was denn 1876 historisch Bedeutsames aufgeführt worden sei. Bis sie dem Jahr die Uraufführung von Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ in Bayreuth zuordnet, dem ersten „Gesamtkunstwerk“ auf der Bühne. Sie erlöst damit sich – und das Publikum aus der Wiederholungsschleife. Die Situationen entbehren nicht eines gewissen Humors, vor allem als Fabre sein Stück selbst in die bedeutenden Werke der Theatergeschichte einschreibt: Eine nackte Schauspielerin wird so lange übers Knie gelegt, bis sie Jan Fabres 1982 in Brüssel uraufgeführtes „This ist theatre like it was to be expected and foreseen“ auch in die Theatergeschichte einreiht.

Jan Fabre sieht die Neuaufführung seiner Frühwerke aus den 80-er Jahren als Kontrapunkt-Setzung zur Beschleunigung in unserer Zeit. Er zeigt Theater in Echtzeit „real actions in real time“. Als Schulung des Publikums für ein 24-Stunden Projekt, das 2014 herauskommen soll: „Mount Olympus“.

Die noch folgenden Marathon-Aufführungen am 21. und 22. Juli der Produktion „This is theatre like it was to be expected and foreseen“ werden acht Stunden dauern und 18 Aktionen eines Jan Fabre-Theater-Arbeitstags zeigen und in sein künstlerisches Universum einführen. Seine wiederkehrenden Themen: Disziplin, Macht, Wiederholung, Tod, Gewalt, Schönheit. Man darf gespannt sein.

Bis 14. September gibt es der Galerie Mario Mauroner Contemporary Art, in der Weihburggasse 26 auch eine Ausstellung mit Werkzeichnungen zu den Stücken von Jan Fabre und Szenen-Fotos von Robert Mapplethorpe.

„The Power of Theatrical Madness“ Troubleyn/Jan Fabre, Impuls Tanz, 18. Juli 2012, Burgtheater

“This is theatre like it was to be expected and foreseen” Troubleyn/Jan Fabre, Impuls Tanz, 21. Juli 2012, 21.00 bis 05.00 Uhr und 22. Juli 2012, 19.00 bis 03.00 Uhr, Museumsquartier Halle G

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