sensationIn lauer Sommernacht outdoor getanzte Mode. Choreografin Lucia Glass ließ in ihrer Produktion „Sensation“  im Fürstenhof/Museumsquartier internationale Laufsteg-Models auf einer blauen Bühne tanzen und posieren. Die Mode - aus Kollektionen von internationalen ModedesignerInnen - bekam die Hauptrolle.

Im Kontext des diesjährigen MQ-Schwerpunkts Summer of Fashion (noch bis 16.9. ) wurden zunächst drei Models in Jeans und T-Shirt präsentiert, die den Blick auf ihre langen Beine und die gut geschnittenen Hosen und den sich darunter abzeichnenden wohlgeformten Körper lenkten. Es war – vielleicht zu ausgiebig – Zeit den makellosen Körpern und ebensolchen Gesichtern zuzuschauen, die leider die einstudierten Posen kaum zu Leben erweckten. Tanzfreunde begannen sich nach den Überraschungen zu sehnen, mit denen die Körper von TänzerInnen aufwarten, deren Physis auch von Ideen und Gedanken maßgeblich geformt wird und nicht nur von inhaltsleeren Bildern, die gestellter Fotografie ähneln.

Choreografin Lucia Glass ist bekannt dafür, dass sie sich ihre Inspirationen aus tanzfernen Disziplinen holt: Film, Fotografie, bildende Kunst oder wie bei dieser Produktion – von der Mode. Gerne arbeitet sie dabei auch mit Kunstschaffenden aus diesen anderen Bereichen. Nur diesmal fügte sie dem typischen Laufsteg-Bewegungsrepertoire und den Modell-Posen wenig hinzu. Sie beschäftigte sich damit, wie das Outfit die Bewegung beeinflusst und blieb dabei oft an Gemeinplätzen hängen. Es überraschte wenig, dass die überbordenden Schulterpolster der Designerin Matha Binkowski den Körper unbeweglich und steif machen, ebenso wie die Neopren-Kollektion von Mahar Shakar die Bewegung zäh machen.

Spannend war die Choreografie, die die Mode des bulgarischen Designers Vladimir Karaleev begleitete. Er verwendet weiche, fließende Stoffe, die den Körper umspielen und die Kleider haben große Volants - die einladen, darin zu versinken. Mit ihren Bewegungen loteten die Performerinnen das Innenleben dieser Kleidungsstücke aus, die zu einem Kokon wurden, da die Köpfe darunter verschwanden. 

Belohnt wurde man in der zweiten, dynamischeren Hälfte, in der in der Performance endlich ein starker Wind „aufkam“. Kurze Tanz-Solos, in denen einzelnen Models die Zweidimensionalität des Ausdrucks wohltuend entglitt und Gesichter und Körper im Raum aufgingen und das Publikum erreichten.

 29. Juni 2012, 19.30 im Museumsquartier /Fürstenhof

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