ganesh_01Worüber lacht ihr denn jetzt? Wer sich kuscheliges „Wir-haben-uns-alle-lieb-Theater“ erwartet, muss sich warm einpacken:  „Ganesh Versus the Third Reich“ des australischen Back to Back Theatre ist ein Abend, der Erwartungen auf den Kopf stellt, und zwar gründlich.

Gebrauch oder Missbrauch von Symbolen? Die Swastika, ein hinduistisches Symbol für Glück, wurde von Hitler entwendet. Ganesh, der elefantenköpfige Hindugott, der als Überwinder von Hindernissen gilt, reist nach Nazideutschland und soll das Symbol zurückholen. So der Plot, an dem eine wahrhaft außergewöhnliche Theatergruppe arbeitete. Die Ensemblemitglieder, die auch die Autoren des Stücks sind, sind Menschen mit Behinderungen. Fragen, die im Probenprozess auftraten, wurden in die Aufführung aufgenommen, sodass in das Ergebnis Diskussionen und Diskurse einfließen, die an Tabus rühren. Aber vor Tabus schreckt diese Gruppe nicht zurück, die sagt: „Hey, gerade weil wir glauben, dass wir diese Geschichte nicht erzählen können, sollten wir genau das tun.“

In Strick-Uniformen, die aussehen sollten, „als wären sie von der Mutter genäht worden“, so Bruce Gladwin, der Regisseur der Gruppe, übt ein von der Darstellung eines Juden nun zur Darstellung von Hitler „beförderter“ Schauspieler seinen Tod durch Erschießung und treibt damit den Regisseur zum Amoklauf. Was von dem, was wir an diesem Abend sehen, ist „real“ und was „gestellt“? Können die Darsteller zwischen Realität und Fiktion überhaupt unterscheiden? Sollten Darsteller zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? Provoziert man uns oder provozieren sich die Darsteller gegenseitig? Wer ist eigentlich jetzt der Gelackmeierte?

Das Back to Back Theatre wurde für diese Produktion beim Melbourne Festival 2011 mit „The Age Critics Award” für die beste Arbeit ausgezeichnet. Wenn man die Wiener Aufführung gesehen hat: sehr nachvollziehbar!

Europa-Premiere bei den Wiener Festwochen am 24.5.2012, gesehen am 25.5.2012.

Weitere Vorstellung 27.5.2012, 19.30 Uhr, Halle G im Museumsquartier

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