nchungerMit ihrer Produktion „X Gebote“ spannen Harriet Maria und Peter Meining (norton. commander. productions) einen zitatgespickten Bogen zwischen Mythen der Schöpfungsgeschichte und dem Heute - in dem die Abwesenheit einer göttlichen Instanz wohl auch für manch einen verunsichernd wirken könnte.

Und laden uns im zweiten Teil höchst musikalisch eingängig ein, sich doch eine John-Lennon`sche-Utopie vorzustellen.

Die George Tabori Preisträger 2010 erschaffen die Welt vor den Augen der Zuschauer neu. „Die Erde“ wird von nackten „Engeln“ in Windelhosen mit Tieren bevölkert, denen „der Atem des Lebens“ – geräuschvoll durch allerhand technisches Gerät wie der Schöpfer es  möglicherweise benutzt haben mag – eingehaucht wird. Ländliche Idylle mit Schafen, Ziegen, Pferden, Einhörnern und Bäumen aus Plastik in schrillen Farben. Alles Natur in „Gottes Garten“. Die Erschaffung von Adam geht folgendermaßen vonstatten: Gott haucht den Atem des Lebens in einen Schlauch, worauf sich ein unförmiger Plastik-Erdhügel aufzublähen und lebendig zu werden scheint. Decke weg und – Adam, wie er leibt und lebt. Aufs Wesentliche gerafft: Weil ihm fad ist, wird Eva auf den Plan gerufen und schon reift ein großer, verhängnisvoller Plastik-Apfel auf einer Plastik-Palme heran. Es folgt die Zerstörung der Eintracht durch das aufblasbare Plastik-Schwert.

In dem auf drei Jahre angelegten Theater-Performance-Projekt werden diesmal das 1. Gebot: „Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ , das 5. Gebot: „Du sollst nicht töten“ und das 7. Gebot: “Du sollst nicht stehlen“ behandelt.  Ersteres als Performance, im zweiten Teil folgt ein Film, der in einem stylischen Einkaufszentrum spielt. Hier werden die „Jünger“ in „historischen“ Kostümen und bloßen Fußes, vom „Vater“ gedrillt, während sie über Sofas robben oder durch die Parkgarage im Laufschritt marschieren und Psalmen rezitieren müssen. Es werden Anleihen genommen aus Stanley Kubricks Film „Full Metal Jacket“. Es kommt, wie es kommen muss: Die gesamte christliche Urfamilie der Apostel sitzt bei der Psychotherapeutin und bespricht ihr Vaterproblem. Auf der Suche nach der eigenen Identität kündigt sie aber dem „Vater“ den Chefposten, woraufhin dieser sich einfach auflöst und probt daraufhin - ausgeprägt musikalisch - gottlose Anarchie.

Wenn Gott tot ist, wird es Zeit, die Vorstellungskraft zu bemühen und Gedanken zu spinnen. Norton.Commander genügt dazu ein Song, mit dem die Zuschauer zum Träumen angehalten werden. Es wird quer durch den musikalischen Gemüsegarten der letzten Jahrzehnte gerockt, „ge-popt“, geflötet oder gegrölt. Sie schlachten den John Lennon-Klassiker „Imagine“ aus, der die Utopie plastisch macht. Wir sollen uns eine Welt ohne Himmel und Hölle vorstellen, Menschen, die nur fürs Heute leben. Keine Länder, nichts, wofür es sich lohnte zu töten oder zu sterben und vor allem: keine Religon. Stellt euch all die Menschen vor, die ein Leben in Frieden leben. Wer würde da nicht sagen, dass wir Träumer sind! Schönes „copy and paste“ auf allen Ebenen.

norton.commander.productions "X GEbote" am 12. Jänner 2012 im WUK

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