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tanzkosmosIhr politisches Engagement fließt immer in ihre Arbeit ein und auch als Kuratorin von TanzKosmos verleiht Editta Braun ihrem Anspruch, dass Kunst im Allgemeinen und der Tanz  im Besonderen der krisengeschüttelten Welt neue Ideen geben könnte, Nachdruck – durch das Konzept ebenso wie durch ihre Begrüßungsworte am Anfang des dreitägigen Festivals.

 

Die „neue Utopie“, die Braun im Programmheft zu ihrem neuen Stück „König Artus“, in dem sie verschiedene Texte miteinander verwebt, einfordert, kann ich allerdings dort nicht entdecken. Im Mittelpunkt steht Merlin, hervorragend gespielt von Markus Kofler, der sich mit der Geschicklichkeit eines Zirkusartisten von Trapez zu Schwingseil hantelt und dabei die Aktionen von Artus (Tomaz Simatovic) und Morgaine (Viviana Escalé) manipuliert sowie seinen Überdruss über die Menschheitsgeschichte zynisch kommentiert. Vieles wird aufgeworfen, aber das Resultat ist eine Aufzählung und zynische Abrechnung mit einer korrupten Welt.

Isolation und Ratlosigkeit sind vordergründig, wenn Steffi Wieser in ihrem Solo „There is no me in the I“ eine Bewegungsphrase mehrmals mit Variationen wiederholt, gewürzt mit einem Schnaufen und einem Grunzen.

The guinea pig collective verbreitet in „Blackbox“ das Gefühl des Ausgeliefertseins. Das Kollektiv hat eine sehr konzise Performance kreiert, in der Tanz (Iris Heitzinger), Musik (Christine Hinterkörner) sowie Video- und Computeranimationen (Dietmar Suoch) perfekt aufeinander abgestimmt sind. Auf dem mit einer weißen Leinwand umspannten Kubus nimmt man die Tänzerin zuerst nur über die Videoprojektionen wahr. Details des Körpers werden sichtbar, in verzerrten und verfremdeten Bildern werden die Bewegungen, die sie am Boden ausführt, in die Luft gekippt, sie wird gehoben, sie fliegt. Bis eine Flut von aktuellen Nachrichtentiteln an den Leinwänden herunterrieselt und die Tänzerin den Weg aus der Box herausfindet. Die Exponiertheit macht sie unsicher, sie zieht sich das Kleid über den Kopf, bleibt darin stecken, verharrt darin. Doch dann richtet sie sich wieder auf und versucht sich mit einer verlegenen Geste – in Unterwäsche – dem Publikum zu stellen.

Einen humoristischeren Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen verfolgen Ulrike Hager und @tendance/C. Medina. Hager steckt zuerst ihren Aktionsraum mit einer Unzahl von Kopftüchern ab, die sie dann nach und nach zu Kleidungsstücken umfunktioniert. So wird sie zur Trägerin von multiplen Kopftüchern – und zu einem Statement.

Christina Medina hat sich in ihrem Stück „2 Scan Deep, Too“ der Frage des Schönheitswahns zugewandt, die die beiden außergewöhnlich wendigen Tänzerinnen Lindsay Alford und Koto Aoki mit Gusto untersuchen. Sie vermessen ihre Körperproportionen, spielen eine absurde TV-Show mit Beauty-Tipps und legen im Tanz die emotionale Eben frei, die dieser Anspruch an Perfektion mit sich bringt. Das Voice Design von Mary Ronayne unterstreicht die Gratwanderung zwischen Klamauk und Tiefgang kongenial. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass gesellschaftspolitische Kommentare am besten wirken, wenn sie auch unterhaltsam sind.

TanzKosmos, eine Koproduktion von tanz_house Salzburg und KosmosTheater Wien. Gesehene Vorstellungen am 22. und 26. November im  KosmosTheater Wien