images/tanzlogov1.png
giselle

Schöner als je zuvor geistern die Wilis wieder durch die Wiener Staatsoper. Die Wiederaufnahme von „Giselle“ wurde zum Triumph für das Wiener Staatsballett. Irina Tsymbal, Eno Peci und Olga Esina gelang es mit ihren Rolleninterpretation bisher unbemerkte Details dieser, ach, so altmodischen Geschichte zu Tage zu fördern.

Théophile Gautier hat das Libretto über Giselle und die Wilis nach einer Erzählung von Heinrich Heine verfasst, in der Giselle übrigens eine illegitime Halbschwester von Bathilde ist.  Diese Pikanterie wird im Ballett zur Musik von Adophe Adam unterschlagen. Dort ist Giselle einfach ein Landmädchen mit einer Herzschwäche, das sich – im wahren Wortsinn - unsterblich in Herzog Albrecht verliebt, der sich als Bauer ausgibt. Sein Rivale Hilarion (Gregor Hatala) enttarnt ihn, Albrechts adelige Verlobte Bathilde taucht auf, Giselle fällt dem Wahnsinn anheim und stirbt an gebrochenem Herzen. Zuvor hatte sie die Mutter schon gewarnt, dass das viele Tanzen sie überanstrengen würde und wenn Mädchen vor ihrer Hochzeit sterben, dann werden sie zu Wilis und diese seien zum ewigen Tanzen verdammt. Im zweiten Akt erweisen sich diese Wilis als wahre Furien, die jedes männliche Wesen, das ihnen in der Geisterstunde über den Weg läuft, in den Tod treiben. So auch Hilarion, der zur mitternächtlichen Stunde das Grab seiner Geliebten besucht. Auch Albrecht droht das gleiche Schicksal, doch Giselles Liebe rettet ihn vor den schönen, bösen Geistern.

In der Wiener Staatsoper wird die Version von Elena Tschernischova getanzt, die sich grosso modo an die historischen Überlieferungen von Jean Coralli, Jules Perrot und Marius Petipa hält. Die Ausstattung ist jedoch eigenwillig, denn die ländliche Idylle ist vorwiegend in Grautönen gehalten, zu denen Bathildes leuchtend rotes Kleid in fahlem Kontrast steht.

Irina Tsymbal legt ihre Giselle im ersten Akt sehr bodenständig an und ist ganz die einfältige und lebenslustige Landpomeranze. Dadurch schafft sie einen überzeugenden Kontrast zu Bathilde (Dagmar Kronberger), die als Dame nie die Contenance verliert. Im zweiten Akt mutiert Tsymbal zu einem überirdisches Wesen, und scheint tatsächlich die Schwerkraft außer Kraft gesetzt zu haben. Dieses für ihren Geliebten kämpfende Geisterwesen, das sich erfolgreich dem Bann der Königin der Wilis entgegenstellt, ist einfach berührend. Auch Olga Esina gelingt es in der Rolle der Myrtha emotionale Bandbreite zu entfalten. Sie ist nicht nur die starre Strenge, sondern wird sichtlich wütend, als ihr Myrthenzweig angesichts von Giselles Hingabe an Albrecht seine magische Kraft verliert.

Auch Eno Peci hat sich sehr detailliert mit seiner Rolle auseinander gesetzt. Sein Albrecht ist ein Werbender, der sich nie in den Vordergrund spielt. Dieser Albrecht ist tatsächlich verliebt und sucht nicht nur das schnelle Abenteuer mit einem naiven Landmädchen. Am Ende überlebt er zwar, doch er bleibt als gebrochener Mann zurück. Gänsehaut pur beim Adagio Pas de deux, in dem Tsymbal und Peci das Publikum in ätherische Dimesionen versetzen.

Eine Hauptrolle spielt das Corps de ballet, das sowohl im ersten Akt als Bauernvolk, und vor allem als Wilis perfekt synchron tanzt. Die Haltung der Wilis ist ganz dem romantischen Original nachempfunden, die klassisch strenge Linie, durch etwas vorgezogene Schultern und schwebende Arme gemildert, prägt diesen zweiten, weißen Akt dieses romantischsten aller Ballette.

Nach anfänglichen Tempi-Schwankungen fügt sich auch das Orchester unter Guillermo García Calvo in diese Ballettharmonie.

Wiener Staatsballett: „Giselle“ (Wiederaufnahme) am 8. Juni 2011 in der Wiener Staatsoper

Weitere Aufführungen: 14., 16., 18., 24. und 26. Juni