umeda

Man könnte seine Arbeit musikalisch nennen, doch Hiroaki Umedas Geräuschkulisse ist schwerlich als Musik zu bezeichnen. Dennoch sind die Bewegungen seiner Choreografien mit der elektronisch erzeugten Tönen und visuellen Elementen in harmonischer Eintracht und bilden mit ihnen eine untrennbare Einheit.

Die drei schwarz gekleideten Tänzer treten mit lässiger Haltung auf die weiß ausgekleidete Bühne und nehmen ihren Platz in einer Dreiecksposition auf. Sie schwanken, kleine Bewegungen beginnen sich in einem Arm, im Kopf, im Rumpf zu manifestieren, synchron mit dem Sound, der zunehmen differenzierter wird. Die Geräusche steigern sich allmählich in Intensität und Tempo und nehmen Besitz von den Körpern. Die Tänzer bewegen sich nun ganzkörperlich mit Hip Hop Moves auf ihren Plätzen, tauschen diese und nur in einem Moment treffen sie in der Mitte des Raums aufeinander. Da wechselt die weiß gleißende Beleuchtung zu farbigen und stroboskopischen Lichtspielen, während die Tänzer wieder ihre angestammten Positionen einnehmen. Sie wirken wie ferngesteuert, roboterhaft, auch wenn ihre Bewegungen weiche Wellen beschreiben, sich rund fließend durch den Körper ausbreiten.

„2. repulsion“, das Umeda 2010 kreiert hat, unterscheidet sich grundsätzlich nicht von dem Solo „while going to a condition“ aus dem Jahr 2003, das sich der Choreograf aus Japan auf den eigenen Leib geschrieben hat und das im zweiten Teil des Abends zu sehen war. Der Tänzer steht im Halbdunkel vor einer Leinwand, auf der sich schwarze geometrische Muster à la Mondrian immer wieder und doch leicht variiert wiederholen. Umeda beginnt mit kleinen Bewegungen der Füße und Beine, die sich schließlich auf den ganzen Körper ausbreiten – ganz im Einklang mit den Geräuschen. In einem Moment verändert sich die Farbe des Tänzer in einen warmen Rotton, am Ende übernehmen blaue Wellen die Leinwand, die sich schließlich zu einem blauen Meer vereinen.

So einfach und vorhersehbar Umedas Arbeiten auch sind, sie faszinieren und bannen die Aufmerksamkeit. Der Grund dafür ist nicht nur das stringente Konzept und die coole, in ihrer Schlichtheit asiatische Ästhetik, sondern vor allem die perfekte Umsetzung. Jede noch so kleine Geste ist hier präzise eingesetzt und durch und durch geprobt. Wie sich die Tänzer (außer Umeda sind das Sofiane Belkebir, Yvener Guillaume und Soufiane Tiet) an der „Musik“ orientieren, ist nicht durchschaubar und verleiht dem Ganzen eine geheimnisvolle Aura. Eine höchst spannende Arbeit, die allerdings auch die Frage aufwirft, wie lange diese Reduktion die Aufmerksamkeit des Publikums wird halten können.

Hiroaki Umeda „2. repulsion“, „while going to a condition“ am 26. März im Tanzquartier Wien