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arendpinoyDas 14. Szene Bunte Wähne Tanzfestival für junges Publikum schlug heuer ungewohnt leise Töne an. Das Festivalmotto „Neuentdeckungen / Newcomer“ machte die Programmauswahl nicht einfach. Der große Coup fehlte, aber unter den NachwuchskünstlerInnen war mit Arend Pinoy auch ein großes Talent zu entdecken.

Um sich die Zeit zu vertreiben führt Kevin Selbstgespräche. Drei Tonbänder hängen von der Decke, die er nun als Omi, als seine Freundin und als Entdecker seines Musiktalents bespricht. Die Omi erzählt auf dem Anrufbeantworter, dass sie beim Friseur war und was sie gerade vorhat. Jeder Anruf endet damit, dass Rückrufe sie wahrscheinlich nicht erreichen werden, denn Omi hat ein volles Programm.

Seine Freundin ist ganz versessen auf Sex mit ihm. Sie bedrängt Kevin, es doch bitte noch einmal zu tun. Zwischen diesen Selbstgesprächen stellt Kevin die Qualen des Alleinseins tänzerisch zur Schau – er verkrümmt sich in sich selbst, liegt zitternd und bebend da, ein armes Häuflein Elend, einsam, verwirrt und gebrochen. Doch nur kurz, dann rafft er sich wieder auf und folgt seinen Fantasien, deren Katharsis in einem Dialog mit dem Band der Freundin erreicht wird, in dem sich die beiden liebevoll mit deftigen Kosenamen eindecken. Ja, in dem Moment glaubt man tatsächlich, dass diese Freundin kein Hirngespinst, sondern sehr real ist.

Arend Pinoy beherrscht die Mittel seiner Performance – Sprache und Tanz. Er benützt die Sprache (in fließendem Deutsch mit Genter Akzent), um eine Geschichte zu erzählen. Der Tanz geht eine Ebene tiefer und erkundet das verletzliche Seelenleben eines Halbwüchsigen. Das Ergebnis geht unter die Haut und macht betroffen. Auch die anwesenden Teenager waren gebannt vom jungen Belgier, der 60 Minuten lang souverän und authentisch agierte, die feine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor hielt und auf dem schmalen Grat zwischen Fantasie und Verrücktheit balancierte.

Der niederländische Choreograf und Designer Andreas Denk war schon mehrmals beim Szene Bunte Wähne Festival zu Gast. Mit seiner Compagnie Plan – D und der Produktion „Santa Sangre und das Schwert des Damokles“ eröffnete er heuer das Festival. „Santa Sangre“ (ab 6 Jahren) spielt hinter den Kulissen eines Wanderzirkus. Wir beobachten die Mitglieder der Truppe zwischen zwei Auftritten, bei den Proben und beim gemeinsamen Leben. Die vier DarstellerInnen proben den Seiltanz mit zitternden Knien, üben sich in Entfesselungskünsten, tanzen Tango, spielen Diva und üben sich in Flugversuchen. Der Illusionist (Woedy Woet) zaubert dazwischen Blumen- und Karten und Bälle aus dem Nichts. Das Scheitern gehört zu ihrem Metier. Und wenn es noch so ausweglos erscheint, versuchen sie es erneut – und sie schaffen es. Am Ende bündeln die vier ihre Kräfte zu einem gloriosen Finale. „Santa Sangre“ will keinen Zirkus nachstellen, vielmehr ist es ein nachdenklich stimmendes Stück über zwischenmenschliche Beziehungen, die zwischen Freundschaft, Vertrauen, Eitelkeiten, Eifersucht und Rivalität changieren.

Dass selbst ganz kleine Kinder die Magie des Theaters genießen zeigte das Duo Åben Dans aus Dänemark mit „Ich Du Wir“ (ab 6 Monate). Mit Musik, Tanz, Objekten und Lichtspielen stimulieren sie alle Sinne und lenken gezielt die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine windbewegte Feder oder auf Lichtbälle, die auf der als Spielfläche aufgebauten Installation, schweben. Die darin stattfindenden tänzerischen Aktionen vermitteln eine sanft-meditative Stimmung. Am Ende der 30minütigen Vorstellung werden die Kinder eingeladen, die Objekte der Installation unter der Anleitung des Tänzers und der Tänzerin selbst zu erforschen. Bezaubernd!

Für Kinder ab 2 Jahren war „Sand“ in der Regie von Stephan Rable konzipiert. Mit vielen Kübeln und noch mehr Sand, mit Tanz und Musik versuchen der Tänzer Future Sibanda, und der Musiker Matthias Jakisic, die Illusion von Urlaub und Sandstrand zu kreieren. Sie bauen Sandburgen, zerstören sie wieder und stülpen sich die Kübel über Füße, Hände und Kopf und kreieren damit Skulpturen. Warum die beiden erwachsenen Darsteller dabei Dreijährige gebärden, verstanden wohl auch die anwesenden Kinder dieses Alters nicht. Dafür durften sie nach der Vorstellung nach Herzenslust im Sand spielen.

Auch bei „Parade“, bei der drei junge TänzerInnen minutenlang zum Radetzkymarsch marschieren, blieb die Stück-Aussage ein Rätsel. Denn obwohl eine der TänzerInnen immer wieder aus dem Gleichschritt ausbrach und ihren eigenen Weg verfolgte, wurde dieses Thema lediglich angerissen und nicht entwickelt. Die Befreiung von der Ratlosigkeit auf der Bühne und im Publikum kam am Ende durch eine Schwammschlacht mit dem Publikum.

szene bunte wähne Tanzfestival für junges Publikum, 25. Februar bis 5. März 2011 im Dschungel Wien, brut im Künstlerhaus und WUK