thepuzzledwife.knebelWann wird aus Gebärden Tanz? Wie setzt man Lautsprache in Gebärdensprache um? Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Choreograf Bernd R. Bienert mit solchen Fragen und hat in seiner Choreografie „Signings“ eine erste Antwort gefunden. In „The Puzzled Wife“ ist wieder ein Text der Ausgangspunkt für die Choreografie, ein Text, der aus drei (vergötterten) Frauen eine macht.

Textfragmente flimmern über die Videowand. Zu schnell um sie vollständig lesen zu können. „Ikone, Ausdauer, Liebe, Parkverbot.“ Quasi eine Ouvertüre.

Nicht wirklich, denn es gibt noch kein Stück, keine Oper, kein Theater, keinen Tanzabend. Dennoch öffnet sich die Tür im Hintergrund des ehemaligen Tresors der Bank im Keller des BA~CA Kunstforums, ein Beamter mit Aktentasche eilt herein, holt kleine aufziehbare Blechfiguren hervor und lässt sie zum Vergnügen der Zuschauerinnen hampeln und kreisen. Noch eine Einleitung. Noch immer kein Stück. Die Figuren dienen lediglich dazu, auf die Zuspätkommenden zu warten. Aber dann. Die Figuren sind weggepackt, der Schauspieler Hans Dieter Knebel (alles andere als ein Beamter mit Aktentasche) ergreift das Wort und gibt es erst nach gut 35 Minuten wieder ab.

Ein aus assoziativen Textfetzen zusammengesetzter Monolog entrollt sich, der erst nach und nach sein Ziel preisgibt. Drei Frauen – Kaiserin Sisi, Romy Schneider und Elfriede Jelinek – werden zitiert und paraphrasiert, beleuchtet und exponiert, auch malträtiert, bis ich nicht mehr weiß, wer wer ist und wer da gemeint ist, die drei Ikonen eben zu einer einzigen „puzzled wife“ werden.

Knebel geht virtuos mit dem von Bienert geschriebenen Text um, ist Frau und Mann, Clown und Kommentator, traurig und komisch, ironisch und dann wieder ganz nüchtern. Nicht nur die Stimme auch der ganze Körper ist in vollem Einsatz, Knebel gebärdet sich.

Und doch ist es kein Stück, was da spannend und geistreich, unterhaltend und voll der lustvollen Aha-Erlebnisse aufgeführt wird, sondern nur der erste Teil eines Prozesses, der mit einer Tanzperformance in der Choreografie Bienerts vollendet sein wird.

Dazwischen muss noch eine Übertragung gemacht werden: Die Sätze, Wörter, Silben, Laute werden in Gebärdensprache übersetzt, erst dann beginnt die Arbeit des Choreografen und seiner Tänzerinnen. Geplant ist, den dritten Teil des Prozesses, das Tanzstück, im Mai zu zeigen.

Um die Arbeit Bienerts besser zu verstehen, ist die Teilnahme an dieser ersten Stufe des Prozesses hilfreich und sinnvoll. Abgesehen davon, dass die Performance Knebels auch ohne Fortsetzung eine erlebnisreiche halbe Stunde geschenkt hat.

„The Puzzled wife“, Station 1, Ba~CA Kunstforum, Atelier, 18.Februar 2011.

"h Station 3", 27.Mai bis 4.Juni 2011, Kosmos Theater Wien.