jung_talenteZurecht strahlend lächelte Manuel Legris als er sich inmitten der jungen Talente des Wiener Staatsballetts unter donnerndem Applaus verneigte. Die Vorstellung des Tanznachwuchses in der Volksoper geriet zu einem Triumpf des neuen Ballettdirektors und seines erneuerten Ensembles. Der Abend unter dem Titel „Junge Talente“ zeigte, das Wien wieder zur Ballettstadt werden kann.

Es wäre ungerecht einzelne Namen hervorzuheben, waren es doch zu viele, die in Solos, Pas de deux und Ensembleszenen ihr Talent (und ihre harte Arbeit) gezeigt haben. Die Talentspitzen sind ohnehin bereits auf der Staatsopernbühne aufgefallen und wurden / werden immer wieder an anderer Stelle genannt. Legris bewies in der Zusammenstellung der Ballettperlen – den größten Teil davon hat er persönlich mit seinem Ensemble einstudiert – ein feines Gespür für Abwechslung, sodass trotz der Länge des Abends – es sind eben wirklich viele „Junge Talente“ zu präsentieren – keine Langeweile aufkam. Einer Gala (aber auch einem harten Wettbewerb) gleich, huldigte das Programm sowohl dem romantischen Ballett des 19. Jahrhunderts (darunter ein Gustostückerl aus Auguste Bournonvilles zauberhafter Choreografie „La Sylphide“) und gab den TänzerInnen auch Gelegenheit, in  zeitgenössische Kreationen („Mopey“ von Marco Goecke etwa, ein Pas de Deux zu Gaetanos Ballettmusik im 2. Akt der Oper „La Favorite“, geschaffen von Legris oder einen Pas de deux aus Uwe Scholzs Mozart-Ballett „Jeunehomme“) ihre Technik und Ausdruckskraft zu zeigen. Den Abschluss bildete George Balanchines atemberaubendes Ballett „Who Cares?“ zu Liedern von George Gershwin (in der autorisierten „concert version). Selbst der tiefste Schlaf wurde da wieder beendet.

Ein besonders junges Talent muss aber jetzt doch noch vor den Vorhang:  Prisca Zeisel ist erst 15 Jahre alt und von der Ballettschule der Wiener Staatsoper weg im Jänner an das Wiener Staatsballett verpflichtet worden. Die Wienerin hat ihr Bühnendebüt in Aufführungen von Gyula Harangozós Choreografie „Der Nussknacker“ gefeiert und zeigte als blutjunges Talent in „Delibes Suite“, einem von José Martinez (Étoile der Pariser Oper) kreierten „klassischen“ Pas de deux ihre technischen Möglichkeiten.  Ihr Partner war der erfahrene Masayu Kimoto, der bereits seit 2008 Mitglieder des Wiener Ensembles ist. Einige der an diesem Abend mit Applaus bedankten Talente, sind erst in dieser Saison von Legris ins Ensemble geholt worden, die Mehrzahl jedoch ist schon seit einigen Jahren an der Staatsoper. Legris hat das Kunststück zusammengebracht, sie alle zu einem Ensemble zusammen zu schweißen. Dieser „Abend für die Zukunft“ (Untertitel) ist vor allem ihm und seiner unermüdlichen Arbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern zu verdanken. Die Zukunftsfarbe ist Rosa.

Bravourös im musikalischen Stilgemisch schlug sich auch das Orchester der Volksoper unter Elisabeth Attl. Und nicht zuletzt muss auch die Gestaltung des Abends gelobt werden: Vor jedem Stück wurde auf einem schmalen Streifen oberhalb des Bühnenportals ein kurzer Blick auf die Probenarbeit samt Stücktitel und die Namen der Mitwirkenden gewährt. Das ersparte das Blättern im Programmheft.

"Junge Talente des Wiener Staatsballetts – Ein Abend für die Zukunft", Volksoper, 29. Jänner 2011

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