Tanz und mehr über Tanz über Bewegung über Theater über Tanzgeschichte über Community Dance über Ausstellungen über Film über Tanzaufführungen über Performance über Musik über Tanzvermittlung über Tänzer über Tänzerinnen über Tanztraining über Tanzkritiken über Tanzevents über Kultur über Körper über Spitzentanz über Modern Tanz über zeitgenössischen Tanz über afrikanischen Tanz über Flamenco über Cirque nouveau über Rhythmus über Urban Dances über Hip Hop

szene bunte wähne 13. Tanzfestival für junges Publikum

 

Ein wesentlicher von Müttern und deren Jüngsten heiß geliebter Teil des Tanzfestivals sind alljährlich die Vorstellungen für Kindergartenkinder (und ihre jüngeren Geschwister). Für die zielgruppenferne Zuschauerin ein doppeltes Vergnügen:  Performance auf der Bühne und ungehemmte, durch keine Konvention behinderte Performance im Zuschauerrum. 

„Wann kommen die Farben“ fragte daher auch der kaum dreijährige Djamal, wenn Paolo Cardona (Association SKAPPA! Aus Marseille) im Stück „Halbe Halbe“ eine Weile im schwarz weißen Raum arbeitet. Endlich aber findet Paolo den Regenbogen und lässt einen Schmetterling auffliegen. Djamal beißt zufrieden in seinen Apfel. Auf einer schrägen Fläche tanzt Paolo, unterstützt von Fabrizio Cenci, der für Musik und (Video)Technik verantwortlich ist, wie ein ziemlich tollpatschiger Zauberer auf und nieder und erzählt den Kindern von sich und dem Licht, das die Farben verändert. Beachtlich die Leistung des Performers, der kaum Deutsch spricht und dennoch, was er zu sagen hat, in verständliche Worte fassen kann. Mit seinem feinen Humor und der Distanz zu sich selbst, erinnert der in Frankreich arbeitende Italiener an seinen Landsmann, den wunderbar feinsinnigen Clown Dario Fo. Mit Musik und Videoeinspielungen entsteht in „Halbe Halbe“ eine warme, poetische Atmosphäre, die schon bei Beginn durch die mit viel Empathie organisierte Sitzordnung spürbar war.

Durch das perfekte Konzept und die einfühlsame Regie von Hanni Westphal (Mezzanin Theater, Graz) geriet auch die Badezimmerperformance „Schwapp“ zu einem sehenswerten Ereignis. Alltag zu Hause: Das Kind muss gebadet werden, aber es will lieber spielen und Blödsinn machen, die Mutter arbeitet wie Sisyphos. Christine Scherzer und Elisabeth Cartellieri sind zwei begabte Tänzerinnen, die auch das Ausziehen der Strumpfhose in einen herrlichen Pas de deux verwandeln können und 45 Minuten lang die Körperspannung behalten. Die akrobatische Leistung in einer Badewanne zu zweit als nur ein Wesen zu erscheinen und mit Armen und Beinen koordiniert zu tanzen, hat auch die Kinder begeistert. Höhepunkt dieses fein zwischen fröhlicher Rasanz und entspannter Ruhe abgestimmten Badewannentanzes ist natürlich die Pritschlerei im Schaumbad zum fröhlichen Abschluss. Zur Recht ist „Schwapp“, uraufgeführt im Februar 2010, ein Dauerbrenner im Grazer Orpheum.

Wenn die Schöne auf das Monster trifft, dann muss das nicht immer zum Gruseln sein. Die niederländische TheatergroupMAX zeigt für Fünfjährige „Belle“, wie sich das Mädchen mit dem Monster allmählich anfreundet. Abgesehen von der Geschichte, die vielschichtig über das Fremde und die Angst, über Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Grenzüberschreitung sinniert, gefiel die tänzerische Leistung von Saskia Driessen und Roel Swanenberg. Swanenberg, als keineswegs erschreckendes Monster, steht nahezu 60 Minuten lang auf den Zehen und auch Driessen, als gar nicht nur schönes und liebes Mädchen, verblüfft ebenfalls mit akrobatischer Rasanz. Regisseur Jef Van Gestel verzichtet auf gruselige Theatermusik und dunkle Schatten. Er will den Kindern keine Angst einjagen, sondern sie statt dessen mit Effekten (aufspringende Laden, bewegte Puppen) überraschen und zeigen, dass man dem Unbekannten und auch den eigenen Ängsten ruhig in die Augen sehen kann. Wie Belle und das Monster auf einander zugehen, sich fürchten, bekämpfen, aneinander messen und immer wilder werden, um schließlich Hand in Hand einzuschlafen, ergibt eine ebenso erlebnisreiche wie unterhaltsame Stunde. Eine feine und differenziert gearbeitete Vorstellung, die jede Menge Stoff zum Nachdenken und Darüberreden enthält und dennoch ganz leichtfüßig dahertanzt.
Für die Kleinsten ab 2 Jahren ist „Überraschung“ konzipiert. Das Stück ist eine lose Aneinanderreihung von Spielen, die die Akteure in Luftballons, Raubtiere, Vögel, Schlangen und anderes Getier verwandeln. Die Allerkleinsten im Zuschauerraum sind fasziniert von dem bunten Treiben, den größeren Kindern ist aber bald fad, da sie keinen roten Faden finden. Jedenfalls hat sich das sympathische Team (die TänzerInnen Adriana Cubides und Raul Maia sowie der Musiker Mathias Jakisic, Regie: Stephan Rabl) auf der ganzen Welt in die Herzen der Zuschauer getanzt und musiziert und beendete ihre Reise nun in Wien.

szene bunte wähne 13. Tanzfestival für junges Publikum, Tanzquartier, brut, Dschungel, WUK Wien, 26.02.2010 bis 07.03.2010