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above under inbetween / stage, Tanzquartier Wien, 04.03.2010

Sechs TänzerInnen, die sich immer wieder zu neuen Anordnungen treffen - hockend, kauernd, stehend, liegend bilden sie Flächen, Winkel, Ebenen und lassen ihre Gliedmaßen als Verlängerungen hervorschauen. Dann kommt ein Stuhl, später Tische, Fauteuils. Auf und um sie herum bauen die TänzerInnen ihre Skulpturen. Sie loten verschiedene Möglichkeiten aus, wie sie mit dem Möbel verschmelzen können, wie es sich wohl anfühlt, ein Tisch, ein Stuhl, ein Fauteuil zu sein oder wie sie sich alle mit einem Sessel verschränken können. Hat sich eine Tänzerin mit flachem Rücken als Tisch definiert, wird das Möbel, das ihr als „Vorlage“ diente, weggezogen, ist der Sessel in den Körpern der Tänzer eingraviert, kann das physische Objekt verschwinden.
Der Gegenstand und seine Illusion sind immer gleichzeitig präsent. Während die TänzerInnen selbst zu Möbeln werden, verlieren die Gegenstände ihre eigentliche Funktion. Sie werden präzise in die schiefe Ebene gebracht, umgedreht oder miteinander verbunden, um den TänzerInnen immer wieder neue Schablonen für ihre Aufbauten zu geben oder um sie von einer Position in die andere wechseln zu lassen. Die AkteurInnen quetschen sich in oder zwischen die Objekte, steigen hinauf und rutschen herunter und schon entsteht die nächste Plastik. Ist eine Körperskulptur fertig, ertönt ein Soundcluster wie der Tusch im Zirkus.
Das Tempo steigert sich, der Wechsel von einer Position in die nächste wird schneller, die Bewegungsfolgen immer geschmeidiger und eleganter. Bis sich die Aktionen zum Grand Finale steigern. In dieser Karthasis gewinnt auch der elektronische Klangteppich (Bernhard Lang) an Dringlichkeit und entwickelt sich zu einem durchgehenden Sound.
Die TänzerInnen schieben nun ein Sammelsurium an Wohnungsgegenständen - einen Kasten, ein Bett einen Garderobeständer, eine Matratze, ein Trampolin, eine Leiter und vieles mehr - auf den hinteren Bühnenraum und beginnen einen atemberaubenden Stunt: darauf, darunter, dazwischen, darüber.
Im Dominoeffekt löst eine Aktion die nächste aus, die TänzerInnen turnen auf den Möbeln, hechten darüber hinweg, landen in und auf den Gegenständen, stören mit ihren Bewegungen die labile Ruhe der Objekte, die wiederum in einer Kettenreaktion andere Stücke in Bewegung setzen. Am Ende fällt eine Rolle auf den Boden und die darauf aufgewickelte Stoffbahn bleibt als perfekter Teppich mitten im Raum liegen.
Das alles funktioniert dank eines perfekt eingespielten Tänzerteams (Megan Bridge, Tomas Danielis, Sebastian Gec, Michael O'Connor, Asa Odemark, Anna Reitbauer, Esther Steinkogler), die dieses ausgeklügelte Spiel perfekt umsetzen. Das Resultat ist eine sehr unterhaltsame Performance: originell, clever, witzig, komplex und spannend.
Mit seinem Konzept „Körper und Architektur“ hat Willi Dorner ein Format gefunden, mit dem er international reüssiert. „above under inbetween/stage“ ist aus einer Outdoor-Performance bei LINZ 09 hervorgegangen. Die nächste Station dieser Forschungsarbeit findet im Juli beim Festival Theater der Welt im Rahmen von Ruhr.2010 statt.