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Die Compagnie Luna tastet sich an den Begriff Heimat heran

Weltmaschine Österreich, garage X, Theater am Petersplatz, 18.02.2010

„Heimat“, das ist für jeden und jede etwas anderes. Und manche haben keine. Eine eindeutige Definition von Heimat gibt es kaum, existiert doch der Begriff in seinem Kern nur in der deutschen Sprache. Der Versuch der Compagnie Luna den Begriff „Heimat Österreich“ einzukreisen, ist deshalb weniger als endgültige Aussage, denn als Unterhaltung mit Aha-Effekt zu verstehen. Ohne irgendwelche Zeigefinger zu erheben oder Fähnchen zu schwingen, ist der Compagnie Luna ein kurzweiliger Abend gelungen. Dem Publikum ist erlaubt zu lachen, aber nicht verboten zu denken.
Dramaturgisch klug aufgeteilt wird die „Weltmaschine Österreich“ musikalisch, theatralisch und tänzerisch eingekreist: Ein Abend, drei Stücke.
Markus Fischer befasst sich dirigierend, notierend und singend mit den Hymnen der Bundesländer. Dabei kommt er nur auf acht wunderbar schmalzige Gedichte. Wien hat keine Hymne. So haben sich die BewohnerInnen der Bundeshauptstadt für nichts zu genieren. Konzept und Inszenierung des Abends „Weltmaschine Österreich“ stammen von Josef Maria Krasanovsky und der hat mit viel Gespür darauf geachtet, dass die Darbietung nicht zum Klamauk ausartet. Dirigent Fischer braucht kein Podest um das unsichtbare Orchester zu leiten und darf so zwischen den klappbaren Notenständern umhertanzen als wäre er Maestro Karajan persönlich.
Die Notenständer dienen danach Sara Joana Müller als Dummies für eine Auslese des österreichischen Dichtervolks. Die sitzen unsichtbar im Caféhaus und unterhalten sich mit Eigenzitaten über den Heimatbegriff. Peter Turrini ist da und Reinhard P. Gruber, Gert Jonke und Gerhard Rühm werden zitiert. Dass Rühm, ein Wiener der seit ewigen Zeiten in Berlin lebt, ein sonderbares Stoansteirisch redet, ist ebenso irritierend, wie die Gestaltung der ebenfalls anwesenden Autorin Lilian Faschinger. Die darf wenig anderes zum Diskurs beitragen als perlendes Lachen.
Der Titel des Abends leitet sich vom letzten Teil ab, in dem sich der Tänzer Akos Hargitay in den oststeirischen Bauern Franz Gsellmann, den Erbauer der Weltmaschine, hineinversetzt und die an Wahnsinn grenzende Besessenheit, das brennende Feuer im Tanz wirklich werden lässt. Hargitay muss nur einen Hut aufsetzen und ihn wieder lüften, schon hat er das Gesicht eines nur für seinen unmöglichen Traum lebenden Bauern. In der ersten Hälfte benötigt der Tänzer keinerlei Gerät, macht Idee und die nimmermüde Arbeit daran allein mit seinem Körper und der Mimik sichtbar. Im zweiten Teil, nach einem kleinen Video vom realen Ort des Geschehens samt einem Blick auf die bunte Maschine (Christoph Parzer & David Zuderstorfer), wird das Ungetüm dann real. Eine Schubkarre, vier Autoreifen genügen, um den Eindruck des zweckfreien Monstrums und auch den Kampf des Erfinders mit ihm, sichtbar zu machen. Erst am Ende sind sie in Liebe und Freundschaft vereint, der Erfinder und sein Kind. Dann ist klar, dieser Franz Gsellmann hat in seiner „Maschin“ eine Heimat gefunden. Hymne braucht er keine.

Vorstellungen im März: 22., 23., 25., 27., 28., 20.15 Uhr.