wienerabendAm 30.April hatte die neueste Kreation von Ballettchef Peter Breuer Premiere: der „Wiener Abend“. Und wer den Meister des Tanzes kennt, weiß, dass es sich dabei nicht (nur) um Wein- oder Walzerseligkeit handeln kann. Der gebürtige Bayer – von ihm stammen Idee und Choreografie –  erklärt also den Salzburgern, wie die Wiener so sind:

raunzig, zwider, morbid, grantelnd und dabei trotz allem liebenswert. Immer wieder wird man aus der Traurigkeit mit originellen Einfällen an Humor und Schmäh herausgeholt. In einem bunten Kaleidoskop an Szenen spannt er den Bogen, um die Vielgestaltigkeit der Wiener Seele und des Lebensgefühls einer Großstadt zu beleuchten.
Dabei bleibt er nicht an oberflächlichen Klischees hängen, denn dieses Stück ist vor allem eine Hommage an einige bedeutende Künstler dieser Metropole. Ausgehend von Komponisten und Musikern, die in Wien tätig waren, entstanden sehr verschiedene Einblicke in die Wiener Seele von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen: von der Wahl des Aufführungsortes bis zur Reihenfolge der aufgeführten Sequenzen ergibt alles ein perfektes Ganzes (Dramaturgie: Juliane Stahlknecht).
Die Probebühne im Rainberg mit dem gruftartigen Charakter erweist sich als die ideale Spielstätte. Auf der leeren Bühne sieht man am Bühnenhintergrund sieben Türen mit diversen Bedeutungen wie Grabkammertor, Nachtlokaleingänge oder Wohnungstüren (Bühne: Manuela Weilguni). Mittels seitlich angeordneter Stufen spielen die einzelnen Blöcke zu ebener Erde oder im „ersten Stock“. Live-Musik wechselt mit Ton-Konserve ab (musikalische Assistenz/pianistische Begleitung: Stephen Barczay). Unter den Musikstücken finden sich Kostbarkeiten wie „Gesang der Geister über den Wassern“ von Franz Schubert, „Der Tod und das Mädchen“ von Gerhard Schedl, aber auch Wienerlieder (Hermann Leopoldis “Alois“; Georg Kreislers “Tauben vergiften im Park“) oder Hits (Georg Danzers “Vorstadtcasanova“, Wolfgang Ambros’ “Es lebe der Zentralfriedhof“, Falcos “Jeannie“). Ein zentraler musikalischer Schwerpunkt sind Ausschnitte aus Kompositionen von Friedrich Gulda („Light my Fire“, „G´schichten aus dem Golowinerwald“). Auch das „Harry-Lime-Thema vom Dritten.Mann (Anton Karas) darf nicht fehlen. Sprache und Gesang sind ebenso eingebunden wie Tanz in verschiedenen Stilrichtungen von Jazz bis Pop, von Klassik bis Zeitgenössisch.
Die Kostüme und das Licht stammen ebenfalls von Peter Breuer. In der Bühnenrückwand gibt es außerdem Projektionen kurzer Einblendungen von erläuternden Texten – so wird der Bezug zur jeweiligen Musikwahl hergestellt, wenn z.B. kommentierte Sterbedaten von Mozart, Schedl, Gulda oder Falco zu lesen sind.
Als Rahmenhandlung wird ein alterndes Paar eingeführt – großartig verkörpert von den beiden singenden (und tanzenden) Schauspielern Susanne Szameit und Werner Friedl. Vor allem letzterer gibt eine äußerst treffende Charakterisierung verschiedener Wiener Typen vom Strizzi bis zum Vorstadtcasanova. Um die Stimmung gegen Ende nicht zu trübsinnig werden zu lassen, heitert eine (nicht unbedingt notwendige) Parodie von „Wir sind Kaiser“ mit den (toten) Gästen Mozart, Gulda und Falco auf und entlässt das Publikum mit der Apotheose „Amadonau“ in Beschwingtheit.
Das homogene Ballettensemble (inklusive des Mädchens aus der SIBA-Ballettschule) zeigt starke Präsenz und Vielseitigkeit im Tanz und im Ausdruck – von flott-witzig bis fast makaber und zutiefst berührend. Stellvertretend seien Anna Yanchuk, Marian Meszaros und Alexander Korobko genannt. Wieder ein Erfolg! Viel Applaus, große Begeisterung bei den Zuschauern.

Ballett am Salzburger Landestheater: Wiener Abend, gesehene Vorstellung am 21. Mai 2010 in der Probebühne am Rainberg