seida.rovnyDer eine ist schon seit einigen Jahren Pensionist, der andere auch nicht mehr der Jüngste. Und doch springen und drehen, steppen, singen und blödeln Michael Seida und Christian Rovny, dass so manchen jungen Tänzer der Neid an der Gurgel packt. Zehn Jahre ist die Show „Ballet meets Tap“ schon alt und doch immer wieder neu und eine Garantie für beste Unterhaltung.

Schon der Begrüßungsjubel zeigt, dass treue Fans ins Etablissement Metropol geeilt sind. Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und drückende Schwüle in Wien konnten selbst Kolleginnen des ehemaligen Solotänzers an der Wiener Staatsoper nicht abhalten, sich in der Vorstadt aufs Großartigste zu amüsieren.

Rovny und Seida sind zwar überaus komisch, meinen es aber ganz ernst mit ihrer Kunst, die sie zum Gaudium des Publikums in gegenseitigem Wettbewerb zeigen. Wenn Rovny den Grand Coupé jeté en tournant vorzeigt, dann wird die Bühne zu klein und der Gedanke, dass Tänzer und Tänzerinnen viel zu früh von der Bühne geschickt werden, geht nicht mehr aus dem Kopf. Seida, rank und schlank wie Fred Astaire, kann dagegen in filmreifer Rasanz mit Shuffle, Brush und Pull back aufwarten. Dazwischen wird wienerisch geblödelt und der Mann am Klavier, Sascha Peres, fröhlich auf die Schaufel genommen, wird Ballett und Modern Dance parodiert und manch spitzer Pfeil mit Charme gegen KollegInnen geschossen. Und gleich wird wieder in die Luft geflogen und mit den Beinen gewirbelt. Was den Abend so besonders entspannt und unterhaltsam macht, ist nicht nur die körperliche Präsenz der beiden Tänzer, sondern auch ihre Freude am „Hüpfen“, wie Rovny mit lockerem Understatement seine Sprünge und Pirouetten nennt. Dabei zeigt das komische Paar – Rovny ist gut einen Kopf kleiner als sein Partner – durchaus auch Selbstdistanz, verbirgt nicht, dass nach einer Tour de Force quer über die Bühne, der Atem schwer geht und der Schweiß nicht rinnt, sondern sprüht.

Mit ihrer einmaligen Form des Kabaretts unterhalten Rovny und Seida nicht nur aufs Köstlichste, sondern tragen auch ihr gar nicht bescheidenes Scherflein zur Verbreitung von Tanz und Ballett bei. Natürlich wird dem Publikum gegeben, was des Publikums ist, und so tritt Rovny als nicht wirklich zierliche Prinzessin auf und Seida darf hoheitsvoll den Prinzen machen, aber sie erzählen auch von der schweren Arbeit des täglichen Trainings und manchem Stern am Ballett- und Stephimmel. Zum Dessert des prickelnden Mals gibt es Damenbesuch: Maria Balzano darf im jazzigen Duo mit Christian Rovny ihre langen Beine schwingen und Daniela Schnell, macht ihrem Namen als Steptänzerin alle Ehre.

Einer an dieser Show wesentlich Beteiligter, konnte Blumen und Applaus nicht mehr entgegennehmen. Regisseur Götz Kauffmann ist heuer im Jänner 61jährig gestorben.

„Ballet meets Tap“, Metropol, 11. Juni 2010

Nächste Vorstellung: 18. Juni 2010