messenseebildEine unverwechselbare Künstlerpersönlichkeit, Jürgen Messensee, der sich keiner Modeströmung anpasst, zeigt seine jüngsten Bilder im Bank Austria-Kunstforum. Frauen, Frauen, Frauen, sind sein konsequent behandeltes Thema. Pars pro toto immer – Münder, Augen, Brüste, Schenkel, Schamdreieck – Frauen auf das (für den Mann) Wesentliche reduziert.

Der Individualist Jürgen Messensee, geboren 1936, lebt in Wien. 1973 ist er Mitglied der Secession geworden; 2000 hat er die Künstlervereinigung wieder verlassen. Manchmal reist er nach Paris , dort lebt seine Tochter Caroline, die Kunsthistorikerin ist, mit dem Enkelsohn. Dann fotografiert er die verfliesten Wände der Metro-Stationen. Das Foto wird vergrößert und bemalt. Natürlich mit „Metro-Frauen.

Neue Werke. Obwohl die Wiener Ausstellung keine Retrospektive ist, sondern Werke aus den vergangenen sechs Jahren zeigt, begegnet die Betrachterin auch einigen „Bekannten“ wieder. Etwa den in starkem Blau gemalten „Wasser“-Bildern von Schwimmbecken und Schwimmenden und das "Blauauge". Den immer wieder variierten Katamaran zieht Messensee auch heute übers Wasser. Ist er Segler? Keineswegs. Der Katamaran mit seinen zwei Rümpfen (Schenkel, darf man sagen) ist eine Metapher. Nicht schwer zu erraten wofür. In einem der letzten großformatigen Bilder taucht er überdeutlich auf. „Design vor easy living" (2013) zeigt in der linken Hälfte eine in einen schwarzen Kapuzenmantel gehüllte zierliche Frau vor einer kahlen weißen Fliesenwand, rechts ist gut erkennbar ein Frauenrumpf mit kleinen Brüsten zu sehen. Messensee hat das Plakat einer italienischen Modefirma vergrößert und bemalt.

Das passende Material, für jede Kreation. 2011 ist das aufregende Bild „Spalt der Wirklichkeit“ entstanden – auch das spricht darüber, was Messensee beschäftigt. Der Riss in der Wirklichkeit oder auch, was ist Wirklichkeit? Was ist Real? Und wessen Realität ist es? Messensees Bilder kann man durchaus als abstrakt bezeichnen, doch das Abstrakte ist konkret. Auch wenn er zeitgemäße Materialien wie den Inkjet-Print verwendet, nimmt er das Medium nicht so wichtig: „Das Materialangebot hat sich vergrößert, also verwende ich es auch. Die Kreation entsteht im Inneren, im Geist.“ Jürgen Messensee ist meist in Gesprächslaune, spricht gern über seine Bilder, über Zeit und Raum und die Wahrnehmung, das Beschreiben der Wirklichkeit durch die Kunst und das Erzeugen einer neuen durch eben diese. Nur über das „Eigentliche“, über das, was denn Kunst im Innersten ist, kann er nicht sprechen: „Das lässt sich nicht verbalisieren.“ Am Ende des Gesprächs, das Jürgen Messensee mit Caroline Messensee, geführt hat, fragt die Interviewerin den Künstler – auch wenn er sich nicht unbedingt als solcher bezeichnen möchte, denn „jeder Friseur, jeder Koch ist heute ein Künstler“ – was er einem jungen Menschen, der „sich für die Malerei entschlossen hat“ sagen würde. Die Antwort ist lapidar: „Man entschließt sich ja nicht, man wird entschlossen.!“

Nicht versäumen:

Jürgen Messensee im BA-Kunstform, 101 Wien, Freyung, täglich von 10–19 Uh, Freitag bis 21 Uhr. Bis 6. Oktober.

Katalog: Messensee Design for Easy Living, hersg. v. Ingried Brugger und Florian Steininger), Bank Austria Kunstforum, Wien, Ostfildern/Ruit 2013. Mit Beiträgen von Fritz Koreny, Florian Steininger, Reinhold Sturm und Reto Thüring. Verlag Hatje Cantz, 136 Seiten, 93 Abbildungen.

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