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Tänzerinnen und Tänzer zeichnen mit jeder Bewegung der Füße Linien auf den Boden, die meist kaum sichtbar und vor allem nicht bleibend sind. Luis Casanova Sorolla, bildender Künstler aus Peru, hat eine Methode entwickelt, diese unsichtbaren Linien einer Choreografie sichtbar zu machen und das Ergebnis des Projekts „Signapura“ als Diplomarbeit präsentiert.

Tanzen oder malen, war die bange Frage, der sich Luis Casanova Sorolla schon als Achtjähriger stellen musste. Er blieb beim Tanzen und entschied sich, Malerei zu studieren. Zuerst in Lima bei Teresa Mestres, dann in Wien bei Gunter Damisch. Getanzt hat er weiterhin, anfangs in der heimatlichen Folkloregruppe, später gehörte er in Lima einer preisgekrönten Capoeira-Gruppe an und hat auch in Wien einen Capoeira-Verein gegründet. Nicht erstaunlich, dass auch Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts zum engen und engsten Freundeskreis des mit einem „Sehr gut“ Diplomierten zählen. Im Probensaal als Zuseher sitzend fielen Luis die Striche und Linien auf, die die TänzerInnen auf dem Linoleumboden hinterließen. Die Idee, diese Abdrücke der Bewegungen auf Dauer sichtbar zu machen, begann zu reifen. Anfangs versuchte Luis die wilden Bewegungen des Capoeira auf einem mit Farbpigmenten beschichtetes Papier festzuhalten. Ein sehr dunkles Bild mit einem dichten Zentrum entstand, Linien und Kurven waren kaum sichtbar. Selbst zu tanzen, war auch nicht seine Absicht. Mit seinem Freund Alexis Forabosco (Halbsolist im Wiener Staatsballett) machte Casanova Sorolla die ersten Experimente. Die Farbpigmente sind zwar feiner Staub, doch durch die Bewegung der Tänzer, durch Wärme und Schweiß, werden sie automatisch auf den papierenen Tanzboden gebunden.

Alexis Forabosco war es auch, der den Kontakt zu anderen Tänzerinnen und Tänzern des Staatsballetts herstellte, als Model für Luis zu tanzen und sich selbst in der Bewegung darzustellen. Nicht alle waren gleich begeistert, sind doch klassisch ausgebildete TänzerInnen nicht gewohnt frei zu improvisieren. Doch genau das wollte Casanova Sorolla von ihnen, die Bewegungen sollten ein Porträt der Tanzenden auf dem farbig pigmentierten Papier erzeugen.

Erst später wurde das Ergebnis dann fixiert. Obwohl sich die meisten zur gleichen Musik – „Opening“ aus Glassworks von Philip Glass – bewegt haben, sind ganz unterschiedliche „Bilder“ entstanden.

An dem Experiment, das nun durch die Prüfungskommission zum Werk geadelt worden ist, haben neben Alexis Forabosco und Erika Kovácová auch Gregor Hatala, Kiyoka Hashimoto, Masayu Kimoto, Kirill Kourlaev, Karina Sarkissova und Richard Szabo mitgewirkt. Auch die Staatsballetttänzerinnen Anna Mendakiewicz und Rafaella Sant'Anna sowie Balázs Delbó, der als ehemaliger Tänzer nun für die Videobetreuung des Staatsballetts verantwortlich ist, "haben die Arbeit liebevoll unterstützt, betont der frisch gebackene Meister.  Tänzerinnen und Tänzer sollten nicht ein Bild produzieren, sondern sich selbst ausdrücken, eine Signatur ihrer tänzerischen Persönlichkeit hinterlassen. Luis Casanova Sorolla hat dann gemeinsam mit den Tanzenden festgestellt, dass sich im getanzten Bild auch ästhetische Formen lesen lassen. Daher ist er auch dazu übergegangen den Mitwirkenden Anweisungen zu geben, um die Intensität der Farbe und die Richtung der Spuren zu bestimmen. Dennoch meint er, dass „diese Kurven, Punkte und Linien nicht nur Aus- und Abdruck der Bewegung der TänzerInnen sind, sondern der Prozess der Entstehung selbst, der Imagination und Kreativität porträtiert.“

Die Ausstellung der Diplomarbeit ist nicht das Ende von „Signapura“. Nach einer Präsentation am 6. Mai im project space Karlsplatz der Kunsthalle will Luis Casanova Sorolla „Signapura“ als Performance im Semperdepot zeigen. Dann darf das Publikum dabei sein, wenn durch den Tanz auf Papier ein Bild entsteht, das zugleich Ausdruck einer Tänzerin / eines Tänzers und eines Malers ist.

Luis Casanova Sorolla „Signapura“ wird noch bis 23. April von 16 bis 20 Uhr mit einer Videopräsentation in der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien gezeigt.