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LepapeNatürlich beschäftigen sich in der Hamburger Ausstellung „Bilder der Mode. Meisterwerke aus 100 Jahren“ alle mit Kleidung, Stil, Schnitten und Outfits. Und doch lohnt sich der Besuch nicht nur für Modefans. Dem Museum für Kunst und Gewerbe ist eine hervorragende Schau zum komplexen Thema Zeichnung und Illustration gelungen.

Es sind Auftragsarbeiten, die wir sehen, kein Zweifel. Ihre Intention besteht darin, die Mode der großen Häuser und Designer zu vermarkten. Und doch gehen diese Bilder über das hinaus, was man vielleicht von einem skizzierten Entwurf oder von einer klassischen Modefotografie erwarten mag. Hier geht es nicht um Abbildung und konkrete Wiedergabe, sondern um verschiedene Lesarten. Modezeichnungen sind, wie Kurator Jürgen Döring betont, eine ganz eigene Gattung. Sie interpretieren die aktuelle Mode, bilden sie aber nicht ab. Mitunter erkenne man sie kaum. Und tatsächlich: Je länger der Betrachter in diese Welt der Zeichnungen eintaucht, desto flüchtiger wird sein Blick auf die Mode. Ins Zentrum rücken künstlerische Aspekte, das Spiel mit Materialien, Formen und Farben.Antonio

Das Genre der Modezeichnung entstand in den Jahren um 1910, als die ersten Haute Couturiers ihre neuen Kollektionen in aufwendigen Publikationen vorstellten. Mit teuren Schablonendrucken etablierten sich Zeitschriften wie die Gazette du Bon Ton, gegründet von Georges Lepape und anderen Vertretern des Art Déco. Eine künstlerische Spielart der Modedarstellung kam auf. Eine spannende Alternative zum Foto. Und das gilt heute noch genauso. Parallel zur Entwicklung der Digitalfotografie hat die Modezeichnung, die in den 60er Jahren nahezu aus den Magazinen verschwunden war, erneut an Bedeutung gewonnen. Aus der Flut von Fotos sticht eine Zeichnung heraus, weckt Interesse und Aufmerksamkeit. Die Zeichner können frei auswählen, sie können reduzieren, übertreiben, hervorheben und das Wesentliche einer Kollektion herausfiltern. Auftraggeber sind dabei die großen Magazine, vor allem Harper`s Bazaar und Vogue. Mitunter aber veröffentlichen auch die Modehäuser selbst ihre Modelle in gezeichneter Form. Viele Künstler arbeiten für die führenden Modehäuser. Und so zeigt auch die Hamburger Schau Kreationen von Poiret und Chanel über Dior bis zu Lacroix, Yamamoto und Comme des Garcons.

EvangelistaAlle Exponate sind Leihgaben der Galeristin Joelle Chariau. Die in München lebende Französin sammelt seit 30 Jahren Modezeichnungen. Wie gut für das Museum für Kunst und Gewerbe, dass sich nun die Möglichkeit ergeben hat, 170 ihrer Werke zu zeigen. Eine große Schau mit ihren Modezeichnungen hat es zuvor nur im Londoner Design Museum gegeben. Die Ausstellung ist relativ offen konzipiert. Der Besucher kann einer chronologischen Anordnung folgen, beginnend mit den 10er und 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Vom extravaganten Art Déco, über die grelle Pop Art bis zu abstrahierenden Formen. Oder aber er kann sich treiben lassen durch die großen Räume, die einzelnen Künstlern gewidmet sind. Darunter drei Protagonisten der heutigen Szene: Der in New York lebende Schwede Mats Gustafson (geboren 1951), der Schweizer Francois Berthoud (1961) und die Französin Aurore de La Morinerie (1962). Ihnen ist gemeinsam, dass sie Modezeichnungen nutzen, um verschiedene Techniken auszuprobieren. So erarbeitet Gustafson seine wunderbar zarten Linien mittels schwarzer Tinte und auch seine Aquarelle sind von transparenter Eleganz. Gustafsons reduzierten Bilder spielen mit der Bewegung des Körpers, manifestiert immer wieder vor dem Hintergrund von großen Lettern und Handschriften. Aurore de La Morinerie wiederum arbeitet gern mit Gold, außerdem lässt sie sich von der Kalligraphie inspirieren. Ihre bevorzugte Technik ist die Monotypie, dem einmaligen Abdruck einer zuvor in allen Details bearbeiteten Platte. Für die Künstlerin ist die Papierqualität entscheidend. Sie verwendet sehr weiches Japanpapier, das ihren Arbeiten einen geradezu durchscheinenden Charakter verleiht. Auch einige Werke von Francois Berthoud sind mittels Monotypie entstanden. Da Berthoud dabei jedoch Ölfarben benutzt, erzielt er einen ganz anderen Effekt. Bei ihm besticht vor allem die Darstellung der textilen Struktur. Seine Kleider vor schwarzem Hintergrund entfalten ihre Wirkung nur bei sehr viel Licht. Und werden in Hamburg entsprechend gut ausgeleuchtet.LaMorinerie

Überhaupt sind Konzept und Gestaltung der Ausstellung überaus gelungen. Leicht, kunstvoll und elegant. Es macht Spaß, sich mit diesem kreativen und vielseitigen Aspekt der Modebranche zu beschäftigen. Mit seiner dritten Mode-Ausstellung innerhalb von zwei Jahren erweist sich das Museum für Kunst und Gewerbe erneut als Kenner mit Stil.

„Bilder der Mode“ noch bis zum 3.5.2015 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Katalog ist der bereits 2011 erschienene Band: „Bilder der Mode. Meisterwerke der Modezeichnung aus 100 Jahren“ Hg. von Joelle Chariau, mit Beiträgen von Colin McDowell und Holly Brubach. Prestel Verlag, 252 Seiten, 361 farbige Abb.

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Bilder der Mode: Meisterwerke der Modezeichnung aus 100 Jahren