Rainer Krenstetter

Österreichischer Ballettexport auf Gastspiel daheim

Der Österreicher Rainer Krenstetter, der zur Zeit als Solist beim Staatssballett Berlin engagiert ist, kehrt für einige Gastspielauftritte in seine Heimat zurück. Als besonderes Ereignis sieht er es an, bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele am 22.7. aufzutreten. Anlässlich des Mozart-Jubiläumsjahres war es den Veranstaltern ein Anliegen, die in der „Idomeneo“-Oper meistens vernachlässigte Ballettmusik aufzuführen, um die Komposition in möglichst kompletter Ursprungsform zu präsentieren.
So erarbeiteten Claudia Jeschke und Sybille Dahms vom österreichischen Tanzarchiv ein etwa 15minütiges Solo das sich vom streng historischen Tanz - basierend auf der Originalvorlage – bis hin zum heutigen „modernen“ Tanz entwickelt.

Historischer Tanz: aller Anfang ist schwer

„Am Anfang fiel es mir sehr schwer. Man darf überhaupt nicht lyrisch sein, sondern der Körper bleibt fixiert und alle Bewegungen sind stark reglementiert – viel mehr als im klassischen Ballett,“ erinnert sich Rainer Krenstetter an die Anfangsphase der Einstudierung. Es war für ihn als Tänzer sehr ungewohnt, sich nicht in die Bewegungen „hineinlehnen“ zu dürfen, sondern stets zurückgenommen und kontrolliert zu bleiben. Für den Gegenwartsbezug hingegen durfte er auch schrittmäßig mitbestimmen. Auch das nach Originalentwürfen nach empfundene Kostüm mit monströsem Kopfputz war gewöhnungsbedürftig. Nach und nach kommt es zu einem Kostümwechsel auf offener Bühne, entsprechend dazu gibt es jeweils Bildprojektionen auf den Bühnenhintergrund.
Bereits am Tag der offenen Tür im neuen Haus für Mozart (dem ehemaligen kleinen Festspielhaus) am 25.6. hat er dieses Solo getanzt. Jetzt wird es noch einmal im festlichen Rahmen in einem zweitteiligen Abend präsentiert. Zuerst liest Sunnyi Melles die Bäsle-Briefe, nach der Pause kommt der Ballettteil.

Heimkehr als Gast

Im September tanzt Rainer Krenstetter bei den beiden Gala-Abenden in der Wiener Volksoper, Termine sind der 21. und 28. So ehrenvoll es für ihn ist, als Gast „zu Hause“ aufzutreten, so lastet doch ein hoher Erwartungsdruck der Kritiker und des Publikums auf ihm. Seine Wiener Fans, die ihm auch nach Berlin treu zu seinen Vorstellungen folgen, hoffen natürlich auf weitere Aufführungen mit ihm in Wien – womöglich sogar an der Staatsoper, jenem Ort, von dem er ausgezogen war, die internationale Ballettwelt zu erobern. Seine Partnerin bei den beiden Galaauftritten ist Kathrin Czerny - mit ihr ist er bereits in Renato Zanellas „Wolfgang Amadé“ gemeinsam als Harlekin und Columbine aufgetreten. Die beiden werden den Pas d´esclaves aus „Le Corsaire“ zeigen. Mit dieser effektvollen Variation hofft Rainer Krenstetter sich bestmöglich zu präsentieren. Beinahe gewohnter Tänzeralltag ist es, wenn die Auftritte knapp beisammen liegen. So muss Rainer bereits tags darauf nach Berlin zurück, um als böse Schwester in Vladimir Malakhovs „Cinderella“-Version auf der Bühne der Staatsoper Unter den Linden zu stehen.. – das Debut als Prinz in diesem Ballett ist für Jänner vorgesehen.

Positives Resümee

Über die vergangenen Spielzeit zieht er für sich ein erfreuliches Resümee, hat er doch in einigen wichtigen Hauptpartien debütiert, wie z.B. als Feuervogel, Blauer Vogel und in „Triple Bill“.
Am meisten hat er sich aber über seinen großen Erfolg als Tschaikowsky in Eifmans Choreografie gefreut. „Die Zuschauer haben vor Begeisterung getobt,“ erinnert er sich an den für ihn so glanzvollen Abend. Mit so viel Euphorie hatte er nicht gerechnet. Es passiert selten, dass er mit seiner eigenen Leistung vollends zufrieden ist, aber nach dieser Vorstellung war er es. Auch seine Mutter, die extra angereist war, bestätigte ihn. Seine Eltern – beide ehemalige Tänzer – waren schon immer seine strengsten Kritiker. Was ihn früher eher geärgert hat, nicht immer von ihnen für seine Tanzdarbietung gelobt worden zu sein, sah er zunehmend als konstruktive Bereicherung an. “Diese Rolle ist ausdrucksmäßig fordernd und konstitutionell sehr schweißtreibend – man befindet sich fast durchwegs auf der Bühne. Kurze Erholung bietet da nur die Pause, in der er sich dann zum Ausgleich mit 4 Liter Apfelsaft gespritzt „gedopt“ hat. Dabei schien es kurzfristig nicht sicher, ob er überhaupt auftreten werde können, da er sich eine Woche vor seinem Debut verletzt hatte und einige Tage Pausieren angesagt war. So befürchtete er nicht gut genug vorbereitet zu sein – aber das Publikum war von seiner Interpretation äußerst angetan.

Neue Rollen und weitere Gastspiele

Das vielfältige Repertoire in Berlin gefällt ihm, da sich immer wieder neue Herausforderungen an Partien anbieten. Den Piecen von George Balanchine gehört seine persönliche Vorliebe. So hat er bereits vor dem Sommer „Stars and Stripes“ einstudiert, das er bei der Berliner Saioneröffnungsgala - und später bei „Malakhov and Friends“ - tanzen wird.
Nach einer Woche Spanienurlaub in Barcelona ist der Tänzer schon etwas erholt von der hinter ihm liegenden anstrengenden Spielzeit. Bereits am Tag nach seinem Auftreten in Salzburg fliegt er nach Japan und von dort weiter nach Australien, wo er ebenfalls gastieren wird. In Osaka tanzt er den Grand Pas classique und einen Pas de deux aus „Le Corsaire“, danach in Brisbane beim Queensland Ballet mit Corinne Verdeil als Partnerin vom Staatsballett Berlin den Pas d´esclaves und eine Variation aus Uwe Scholz´ “Die Schöpfung“.
Nach einigen angehängten Urlaubstagen kehrt er nach Europa zurück und ist bereit für die neue Saison – gemäß seinem Motto „Lerne aus der Vergangenheit, lebe die Gegenwart und freue dich auf die Zukunft!“


Ira Werbowsky

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