Breakdancer trifft auf Tänzerin

Michaela Pein und Àkos Hargitay, Cie. Two in One über ihre Erfahrung mit Extrem- und Funsportlern im zeitgenössischen Tanz

Was passiert wenn Extrem- bzw. Funsportarten auf zeitgenössischen Tanz treffen? Eine Frage, die sich das österreichisch-ungarische Künstlerpaar Michaela Pein und Àkos Hargitay, Cie. Two in One stellte. Beim letzten szene bunte wähne Tanzfestival für ein junges Publikum gab es die Performance „Free Fall“ in Verbindung mit einem Workshop. Darin unterrichteten sie hauptsächlich Fertigkeiten, wie Falltechniken, Spiralbewegungen, Rollen, Kopfstand. Aus der Anzahl der TeilnehmerInnen wurden drei ausgewählt, die mit ihnen und den drei Extremsportlern aus Ungarn eine vierzigminütige Performance erarbeiteten.

Auf der Suche nach Neuem

Doch für Pein und Hargitay hatte alles bereits vor circa einem Jahr angefangen, als sie begannen, sich für Extremsportarten in Ungarn zu interessieren. In ihrer Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Tanz, meint Michaela Pein, die in Deutschland und New York Tanz studierte, und seit einigen Jahren in Budapest lebt, stieß sie auf Grenzen. Auf der Suche nach Neuem entdeckte sie diese Bewegungsarten, die aufgrund ihrer Dynamik spannend waren. Bei den ersten Events waren sie, fasziniert von den neuen Bewegungsformen und –arten, dabei. Die Palette reichte von BMX über Inlineskating bis hin zu Skateboarding, Breakdancing und Footbagging. Es entstand die Idee für ein Projekt, das zeitgenössischen Tanz mit diesen Bewegungsformen verbinden sollte. Sie fanden aber nicht nur neue Partner, sondern stießen auf eine Welt mit eigenen Gesetzen, die es kennen zu lernen und zu respektieren galt.Die Auswahl der Leute trafen sie nach Kriterien, wie Performancepräsenz oder Nutzung des Raumes „Pori, der Breakdancer, nutzte zum Beispiel Raum. Normalerweise wird im Breakdance ein kleiner Raum genützt, kreisförmig ähnlich dem Capoeira. Außerdem baute er im Unterschied zu allen anderen viele Sprünge ein.“ Die Proben selbst entwickelten sich anders als bis dato gewohnt: Es formierten sich kleinere Jams, bzw. Art Clubs, an denen nicht nur die „Künstler“ teilnahmen, sondern auch alle, die Lust dazu hatten. Anders als im zeitgenössischen Tanz geht es in diesem Bereich um soziale Kontakte, meint Pein im Rückblick.

Vorbehalte und andere Herausforderungen

Zum Breakdancer Pori, gesellte sich Meszi der Allroundkünstler, Footbagger wie Skateboarder sowie BMX-Star Peta und nach dem Workshop in Wien drei TänzerInnen. Die Zusammenarbeit gestaltete sich interessant. Póri wurde ins kalte Wasser gestoßen. „Er zog sich bei der ersten Probe die Schuhe und die Socken aus. Das war ein guter Anfang, denn für einen Breakdancer ist es ein Tabubruch die Schuhe auszuziehen, es ist zu gefährlich.“ Mit Partnering und geschlossenen Augen ging es hinein in die ersten Berührungen: unmöglich für einen Breaker, vor allem in Kontakt mit einem Mann. Jedoch im Laufe der Probenarbeit legten sich die Vorbehalte, und Àkos und Pori entwickelten für die Performance ein Duett. Eine ähnliche Herausforderung war für den Footbag-Spieler Peta ohne Ball zu spielen. „Für ihn ist die Erinnerung anders als bei einem Tänzer, nicht formal sondern funktional.“ Das heißt, der Spieler erklärte dem Tänzer mit dem Ball in der Hand den Flug des Balles und wie die Fußbewegungen sich danach zu richten haben. „Das war bereits der Anfang eines weiteren Duetts“ erzählt Michaela lächelnd.

Fehler und Zufälle

Die Performance entwickelte sich aus einer Reihe von Zufällen und Experimenten, deren Ausgangspunkt in der Auseinandersetzung mit Fehlern lag. Im Zeitgenössischen Tanz wird versucht, den Fehler möglichst zu verhindern, „wegzuschneiden“ so Pein. Hier jedoch heißt ein Fehler, dass „solange gespielt wird, bis der Ball herunterfällt, und dann der nächste beginnt, oder man eben von vorne startet.“ Im Spiel miteinander wurden verschiedene Möglichkeiten gefunden, mit dem Fehler umzugehen, sie einzubauen und sich „herauszurollen“. Mittels Improvisationen bzw. Freestyle, ähnlich wie im zeitgenössischen Tanz werden bekannte Elemente blitzschnell aneinandergereiht, wurde experimentiert. „Auch hier spielt der Fehler eine große Rolle, fällt der Ball anders als vorausberechnet, muss möglichst schnell reagiert werden. Ähnlich im Breakdance, gelingt eine Balance nicht, geht es darum blitzschnell auf eine andere Balance auszuweichen.“ Unterschiedlich ist auch der Umgang mit Geschwindigkeit: Alles was langsam ist, zählt nicht, denn „dann ist es nicht toll genug.“ Und Ausdauer: „Tänzer sind es gewohnt vier bis fünf Stunden am Stück zu arbeiten, Footbagger können den ganzen Tag spielen, Breaker hingegen sind 20 bis 30 Minuten voll da, dann brauchen sie Rast. Sie können nicht markieren, und eigentlich auch nicht warten, da sie sonst wieder auskühlen und sich aufs Neue aufwärmen müssen. Jedoch, wenn man ein Stück baut, dann muss man warten, es gibt Einzelproben. Es war interessant, das zusammenzuflechten.“ Eine Erfahrung, die das Duo Pein und Hargitay auch nach Ungarn mitnimmt.

Gabriele Haselberger

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