Margaret Illmann im Interview
Man weiß nie, was das Leben noch bringen wird.
Auf die Erste Solotänzerin des Wiener Staatsopernballetts warten neue interessante Aufgaben. Nach 2 Jahren Engagement in Wien übernimmt Margaret ILLMANN einen Direktorsposten in Perth. Die gebürtige Australierin wird die Leitung des Departments W(estern) A(ustralian) A(cademy of) P(erforming) A(rts) der Edith Cowan University übernehmen. Diese Hochschule ist berühmt für ihre Tanzausbildung. Nach Lucette Aldous, die u.a. mit Rudolf Nurejew getanzt hat, und Marylin Jones wird Frau Illmann ab Mitte Juli diese Funktion ausüben. Als Wunschkandidatin für diesen Direktorsposten nahm sie das Angebot gern an, lässt es ihr auch Raum und Zeit neben ihrer Unterrichtstätigkeit auch weiterhin als Tänzerin zu gastieren. Aber allein schon wegen ihrer Ballettstudenten will Frau Illmann in guter körperlicher Form bleiben. Ich will ihnen zeigen, dass ich mich bewegen kann, ist sie entschlossen, ihren Unterricht sehr anschaulich zu gestalten.
Gyula Harangozó, der designierte Direktor des Balletts der Wiener Staats- und Volksoper bot ihr einen Vertrag als Gastsolistin an. Daher sollte sie eigentlich ab Herbst wieder in Wien auftreten. Aber ich kann nicht im Juli einen derart verantwortungsvollen Job annehmen und im September schon wieder fort sein, erläutert sie ihre Tanzpläne für Wien. Ich werde daher erst später im Laufe der Saison auftreten. Damit kann sie leider auch nicht in Ivan Cavallari´s Tschaikowsky Impressionen eine Rolle kreieren, wie es ursprünglich vorgesehen war. Es wäre wunderbar gewesen, aber ich muss Prioritäten setzen, meint sie.
Ihre Familie ist sehr begeistert, dass sie nach Australien zurückkehrt. Innerhalb des Kontinents sind große Entfernungen normal; So gesehen liegt Perth um die Ecke von Adelaide, wo ihre Mutter, Tante, Bruder und der kleine Neffe leben.
Ursprünglich hatte sie sich nicht vorstellen können, zu unterrichten und sie hatte auch nie daran gedacht, je zu choreographieren. Nun, mein erstes Solo habe ich bereits kreiert, also sag niemals nie!, lacht sie über ihr Umdenken. Man weiß nie, was das Leben noch bringen wird. Ganz eine entscheidende Erfahrung in ihrem persönlichen Umgang mit der körperlichen Vorbereitung durchlebte sie nach ihrem Kreuzbandriss im April vor mehr als 2 Jahren. Ihre Eindrücke hat sie damals auch in Christoph Winklers Stück Lebenslang im Rahmen von ImPulsTanz im Sommer 2003 eingearbeitet. Der Choreograph hatte im Jahr davor in Berlin nach langen, intensiven Gesprächen mit den Ballerinen Bettina THIEL und Margaret ILLMANN ein performanceartiges Stück für die beiden konzipiert, das als bestes Tanzstück ausgezeichnet worden war. Die damalige Knieverletzung von Frau Illmann erlaubte jedoch noch keinen Tanz, das Werk wurde geändert: die Operation und die Rehabilitationsphase als Teil der Performance. Eingebaut ins vorhandene Rahmengerüst sprach sie in selbstverfassten, witzig formulierten Texten mit leichter Selbstironie von ihren Ängsten, ihren Hoffnungen und den derzeit eingeschränkten, sozusagen unplugged tänzerischen Möglichkeiten.
Dieses sorgsame Wieder-Erarbeiten von Bewegungen, die von Kindheit an problemlos funktioniert hatten, wurde in der schwierigen Phase der Rehabilitation am eigenen Körper erspürt. Das hat Margaret Illmann nicht nur nachhaltig geprägt, es ist auch eine Erfahrung, die sie für ihre Unterrichtvorbereitung reicher gemacht hat, wie sie sagt. Seither versteht sie den menschlichen Körper als Tanzinstrument besser mit all seinen vorgegebenen Limits bzw. antrainierten Freiheiten.
Als gute Vorbereitung für ihre neue Tätigkeit sieht sie auch das Coaching von Iliana Chivarova. Die junge Kollegin aus dem Corps de ballet bereitete sich ganz alleine in einem Ballettsaal für ihren ersten internationalen Ballettwettbewerb vor, als Frau Illmann zufällig vorbeikam und ihre Unterstützung anbot. Es war vor allem wichtig, ihr Selbstvertrauen zu geben, erzählt Frau Illmann über ihre gemeinsame Vorbereitungszeit, die sie als symbiotische Beziehung sah. Ich lernte, wann es wichtig ist zu pushen und wann ich mich zurückhalten muss, und Iliana war froh über meine Tipps und Korrekturen. Für den Concours in Biarritz hat Margaret Illmann sogar eine kleine Choreographie für die in Bulgarien geborene Jungtänzerin geschaffen. Leider musste ihr Schützling alleine nach Frankreich fliegen (ermöglicht durch eine unbürokratische finanzielle Unterstützung durch den Verein der Freunde der Wiener Staatsoper), da Frau Illmann am selben Abend eine Vorstellung in Wien hatte. Aber vorher und nachher betreute sie Iliana am Telefon und per sms. Der Einsatz wurde belohnt, denn Iliana gewann den Ballettwettbewerb! Für Frau Illmann eine schöne Bestätigung der gemeinsamen Arbeit.
Ballettkorrepetitor Jiri Novak ist sie dankbar, dass er sich viel Zeit nahm, sie in der Erarbeitung von Gast-Trainingsstunden an einer privaten Ballettschule zu unterstützen. Alle diese Erfahrungswerte werden ihr in Perth sehr nützlich sein.
Derzeit probt sie in Südafrika für eine La Traviata-Ballettfassung von Veronica Paeper, der ehemaligen Direktorin des Cape Town Ballet. Ihr Partner ist Andrei Weidemann. Leider kam es nie dazu, dass ich John Neumeiers Kameliendame tanzen konnte; so ist das für mich eine schöne Alternative, resümiert sie über das Vorhaben, in Johannesburg zu gastieren.
Aus Wien nimmt sie viele schöne Erinnerungen nach Australien mit. In den vergangenen 2 Jahren hat Frau Illmann hier nicht nur viele gute Freunde gefunden, es gab ihr auch durch die Reflexion ihrer bisherigen Tänzerlaufbahn und die durch Renato Zanella gebotenen Auftrittsmöglichkeiten die Gelegenheit, ihre weitere Karriere zu überdenken und neu zu ordnen.
Durch die Umstrukturierung der Wiener Compagnie hofft sie auf mehr Vorstellungen für das Ensemble und zur Findung einer eigenständigen Identität sowie günstigere Eintrittskarten, damit viele Menschen die Vorstellungen anschauen kommen und dadurch die Compagnie unterstützen.
Nach der Saisonschluss-Gala Ende Juni reist sie gleich nach Perth ab. Sie freut sich schon sehr auf ihren neuen Tätigkeitsbereich, ist aber auch glücklich, dann wieder in Wien tanzen zu dürfen. Sie ist offen und bereit für ihre neuen Herausforderungen: Was ich mache, mache ich bestmöglich!
Ira Werbowsky
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