Gregor Hatala
Ein Wiener Tänzer auf neuen Wegen
Wiens Publikumsliebling Gregor HATALA hat zu seiner Karriere als Erster Solotänzer an der Wiener Staatsoper zusätzliche Agenden übernommen. Er organisiert die Gala di Danza im italienischen Spoleto, eine Herausforderung, die ihm sehr gefällt. Vor 6 Jahren war ich eingeladen, dort als Tänzer aufzutreten, erinnert er sich. Dann traf ich einmal zufällig den Veranstalter Herrn Menotti in Wien und er schlug mir vor, nicht nur bei den Galavorstellungen zu tanzen, sondern auch in der künstlerischen Leitung mitzuarbeiten. Gesagt, getan. Somit ist der sympathische junge Mann bereits zum 3.Mal artistic adviser and consultant to the director. Gregor Hatala verhandelt mit den Managern und den Tänzern wegen der Gagen und er organisiert den gesamten Ablauf inklusive Proben der jeweils drei Gala-Tanzabende, die auf der Piazza Duomo vor der Kirche stattfinden. Wegen seines großen Erfolges wurde ihm letztes Jahr sogar eine komplett neue Bühne zur Verfügung gestellt und er hat ein eigenes Team von Mitarbeitern für Beleuchtung, Inspizienz, etc.
Heuer findet das Tanzfestival von 8. bis 10. Juli statt ; zu den Gästen zählen u.a. José Careno (ABT) und Larissa Leshnina (HET National Ballet), Nilas Martin (NYCB) und Monique Meunier (ABT), aus Basel kommen Aijako Nakano und Sergio Bustinduy, aus Rom Gaia Straccamore und Mario Malvezzi. Von Wien ist Elisabeth Golibina als Partnerin von Gregor Hatala mit dabei, die beiden tanzen je einen Pas de deux aus Flammen von Paris und aus Zorba, il Greco. Rudolf Wächter und Gabor Oberegger ebenfalls vom Wiener Staatsopernballett bekamen von Ben Cauwenburgh zwei Pas de deux einstudiert, die ebenfalls in Spoleto zu sehen sein werden.
Diese neue Aufgabe als Ballettevent-Organisator stellt für Hatala eine sehr interessante Erfahrung dar. Ich interessiere mich sehr für Kulturmanagement. Mittlerweile habe ich Verhandlungsgeschick im Umgang mit den Managern gelernt, erhalte Einblick in geschäftliche Abläufe und weiß damit, welcher gigantische Aufwand hinter so einem Projekt steckt, bis alles reibungslos über die Bühne gehen kann, erklärt er seine organisatorischen Ambitionen. Auch in Zukunft wird diese Zusammenarbeit für ihn eine Fortsetzung finden.
Eine frühe Bilderbuchkarriere
Als einziger Österreicher gastierte er weltweit. So war er bereits im Alter von 20 Jahren als Solist ein Jahr lang beim Boston Ballet engagiert, wo er ein vielfältiges Repertoire zu tanzen hatte selbstverständlich inklusive einem kitschigen Nussknacker zu Weihnachten, aber auch Stücke von John Cranko und George Balanchine. Seine Tänzerkarriere begann sehr früh als großes Talent in der Bundestheater-Ballettschule entdeckt, wurde er bereits 1990 an die Wiener Staatsoper engagiert. Die Schule samt Matura absolvierte er nebenher, indem er wegen der zahlreichen Proben und Vorstellungen nur zu den Schularbeiten in die Schule ging. Seine Maturaprüfung erfolgte, während er gerade mitten in den Vorbereitungen für den 5. Eurovisionswettbewerb für junge Tänzer steckte, bei dem er dann auch in Stockholm als bester männlicher Tänzer den 3. Platz errang. Danach ging es mit seiner Laufbahn steil nach oben. Alle seine persönlichen Ziele hatte er früher erreicht, als er es sich insgeheim vorgenommen hatte: mit 18 Jahren Halbsolist in Wien, dann das Jahr in den USA, 7 Jahre später erfolgte die Ernennung zum Ersten Solotänzer im Wiener Staatsopernballett. Seine Fans können beruhigt sein. Auch nach der veränderten Situation durch die Fusion der Compagnien von Staatsoper und Volksoper ab September 2005 wird er in der einen oder anderen Form dem Wiener Ballettpublikum erhalten bleiben.
Ein Tänzer mit internationaler Ausrichtung
Das Reisen liegt ihm sehr. Während er privat gern mit seinem Land Rover oder seiner Harley Davidson einem Souvenir aus der Zeit in Boston unterwegs ist, gastiert er beruflich an vielen Orten. Neben seinen zahlreichen Auftritten an der Budapester Staatsoper in Spartacus, La fille mal gardée oder Sylvia in den vergangenen Jahren, kamen zuletzt noch Gastauftritte am Nationaltheater in Bratislava dazu. Mein Vater Milan ist in Bratislava sehr bekannt, begann er doch dort seine Tänzerkarriere, bevor er vom Direktor des Theaters an der Wien nach Wien engagiert wurde, erzählt Gregor Hatala. Ein loser Kontakt blieb bestehen und so erfolgte jetzt die Einladung an den Junior. Nach seinem glanzvollen Debut anlässlich der Gala zum Jubiläum von 80 Jahren Nationaltheater, stehen jetzt zu den Feierlichkeiten zum 85er eine ganze Reihe von Aufführungen auf dem Programm, in denen der ambitionierte Tänzer zu sehen ist. Nach Giselle im Februar, Bajadere und Schwanensee im März folgt Dornröschen im Mai. Seine Gastabende werden jeweils mit großem medialem Interesse in der Slowakei kommentiert.
Die beinahe abgelaufene Spielzeit war für ihn überhaupt sehr erfolgreich. Nach der Nijinski-Gala in Hamburg und den Gala-Abenden in Spoleto kamen im Sommer noch Aufführungen in Tokyo und Osaka dazu sowie ein China-Gastspiel mit dem Ungarischen Nationalballett im Herbst. Vor kurzem aus Moskau und Jekaterinenburg zurückgekehrt, tanzt Gregor Hatala am 1.Mai in Riga beim Baltic Festival. Danach ist er bei den Romeo und Julia Vorstellungen in Wien alternierend als Romeo und Mercutio zu sehen. Nach dem Spartacus Anfang Juni und der Saisonschluss-Gala an der Wiener Staatsoper ist Gregor Hatala bereits auf dem Sprung nach Spoleto...
Ira Werbowsky
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