Steelwork
Österreich tanzt mit einer Uraufführung des Linzer Ballettchefs Robert Poole, der mit Ende der Spielzeit das Land verlässt.
Mimi Wunderer erfand vor sechs Jahren das Festival Österreich Tanzt. Heuer präsentiert das Festspielhaus St. Pölten eine Uraufführung des Linzer Ballettchefs Robert Poole, der mit Ende der Spielzeit das Land verlässt
Eine Frau, ein Wort. Dieses abgewandelte Bonmot trifft auf Mimi Wunderer unumschränkt zu. Wenn die künstlerische Leiterin der Bühne im Hof und ehemalige Intendantin des Festspielhaus St. Pölten etwas ankündigt, kann man sicher sein, dass den Worten Taten folgen. Im Kulturschaffen Niederösterreich hat sie Pionierarbeit geleistet und mit der Bühne im Hof das erste kulturelle Hauptstadtprojekt realisiert, das heuer bereits zum zweiten Mal seit seiner Gründung 1994 erweitert wird. Als Intendantin des Festspielhauses setzte sie in ihrer Programmation in erster Linie auf Tanz. Damit hob sich das Festspielhaus St. Pölten deutlich von den Landestheatern ab, wo Tanz als dritte Sparte meist das fünfte Rad am Wagen ist. Heute ist das Festspielhaus eines der wichtigsten Tanzhäuser in Österreich, das mit hochkarätigen Gastspielen das Publikum anzieht. Nicht zufällig ist mit Michael Birkmeyer eine Tanzperson ihr Nachfolger geworden, der mit der Etablierung der abcdancecompany im Festspielhaus St. Pölten einen weiteren Meilenstein setzte. Für die Förderung heimischer Choreografen erfand Mimi Wunderer den Österreichischen Tanzproduktionspreis (ursprünglich zusammen mit Christian Strasser, dem ehemaligen Leiter des Posthof Linz und Norbert Ehrlich von der Szene Wien). Im Festspielhaus St. Pölten etablierte sie die jährliche Veranstaltung Österreich Tanzt übrigens das einzige ausschließlich den heimischen Gruppen gewidmete Festival im Land und führt es auch nach ihrem Abgang in Zusammenarbeit mit Michael Birkmeyer weiter. Wenn Mimi Wunderer ab nächstem Jahr eine Tanzbörse, also eine zweitägige Werkschau des österreichischen Tanzschaffens einer Saison, ankündigt, kann man das getrost schon als bare Münze nehmen. Institution im Wandel Österreich Tanzt ist mittlerweile eine Institution geworden, auch wenn das Festival seit seiner Erstauflage vor sechs Jahren einige Veränderungen erfahren und sich den Publikumsgegebenheiten angepasst hat. In den ersten Jahren wurde dafür der Große Saal des Festspielhauses geöffnet, in dessen Dimensionen sich die meist kleinformatigen Produktionen verloren. Also verlegte man die Aufführungen auf der Hinterbühne, wo die Arbeiten viel besser zur Geltung kommen. Seit letztem Jahr findet das Festival sowohl in der Bühne im Hof, wo Mimi Wunderer heuer drei Vorstellungen für ein junges Publikum anbietet, als auch im Festspielhaus mit Abendveranstaltungen statt. Eine der Abendveranstaltungen auf der Hinterbühne im Festspielhaus St. Pölten wird von der Österreichische Tanzproduktionspreisträgerin 2002 Saskia Hölbling mit ihrer Gruppe Dans.Kias bestritten. Teil des Preises ist je ein Auftritt bei den Preisstiftern (Bühne im Hof bzw. Festspielhaus, Posthof Linz und dietheater Wien). other feature ist eine skulpturale Anordnung der vier Tänzerinnenkörper, die in der zeitlupenhaften Bewegung und im Zusammenspiel mit Licht (Krisha Piplits) und Sound (Heinz Ditsch) zu eigenartigen Körperlandschaften mutieren eine Abstraktion des menschlichen Körpers, der sich in der Fantasie des Betrachters in neue Wesen verwandelt. Abschiedschoreografie Mit der Uraufführung von Steelwork präsentiert Robert Poole seine vorerst letzte Arbeit in Österreich, denn im Juni endet sein Vertrag als Ballettchef am Linzer Landestheater. Alles, was ich jetzt mache, gehört zur freien Szene, sagt er. Daher hat er auch den Namen Moving Words Company wieder aufleben lassen. So hat meine Gruppe in Berlin geheißen. Moving Words (bewegende Worte), weil ich oft mit Text arbeite und meine Choreografien sehr oft auf Text und nicht auf Musik basieren. Steelwork hat jedoch eine musikalische Grundlage und zwar Phil Glass Heroes Symphony, die wiederum von David Bowies Heroes-Album inspiriert wurde. Mitarbeiter dieses Projektes ist Eliot Kaplan, der ehemalige Tanzvideo-Macher von Merce Cunningham: Wir haben an der Umsetzung dieser Musik in einem Video gearbeitet und dazu Szenen aus dem Studio integriert. Im Videomaterial geht es um industrielle Landschaften wie Stahlwerke, daher auch der Titel, sagt Poole. Der zweite Teil des Abends ist eine Wiederaufnahme von Stairwell, einer Kreation der ersten Saison von Robert Poole am Landestheater zu Musik von Gavin Bryers, Benjamin Britten und dem Wiener Glasharmonika Duo. Das Stück für drei Tänzerinnen thematisiert Geburt und Wiedergeburt - eine Wendeltreppe auf der Bühne evoziert einen DNS-Strang. Mit welchen Gefühlen geht Robert Poole aus Linz weg? Ich habe das Gefühl, wir haben sehr, sehr gute Arbeit hier geleistet und sehr gute Produktionen gemacht. Einerseits bin ich dankbar, dass ich diese Möglichkeiten hatte, Produktionen mit einer guten Ausstattung, Kostümen, Licht, Musik und fast immer auf der großen Bühne zu machen. Auch dass ich die Freiheit hatte, meinen eigenen Weg zu gehen mit meiner Arbeit. Es war nicht begrenzt, der Intendant Michael Klügl hat mir wirklich Carte Blanche gegeben. Und es die Möglichkeit, eine ständige Compagnie zu haben, war sehr wertvoll. Auf der Negativseite war es immer ein Kampf genug Vorstellungen und Bühnenproben zu bekommen. Mit so wenigen Auftritten ist es schwer, die Motivation der Gruppe zu erhalten. Das liegt natürlich auch an der Struktur eines Landestheaters, dass wir nur eine kleine Teil einer großen Geschichte sind. Wir haben das vor allem im Marketing und Werbebereich gespürt, wo wir nicht genügend Unterstützung speziell für unsere Projekte hatten, um ein neues Publikum zu schaffen. Auch die Gastspieltätigkeit in den ersten Jahren bei der Bühnenwerkstatt Graz, im Posthof Linz und im WUK in Wien, konnte nicht weiter ausgebaut werden. Wie so oft hatte auch der Ballettchef in Linz keine organisatorische Unterstützung. Das war das Problem, es wurde zuviel für mich, alles selbst zu organisieren. Am Anfang war ich ganz allein, ich habe Training gegeben, Choreografie gemacht und war Ballettdirektor. Damit muss man am Anfang rechnen, doch nach ein paar Jahren war ich einfach erschöpft. Ich wurde ziemlich krank und habe mich damals entschieden, einen Schritt zurückzustecken, weil es meiner Gesundheit zu sehr schadet. Es war dann eine Organisationsfrage, wieviel man alleine machen kann. Erst in den letzten zwei Jahren, haben wir einen Ballettdramaturgen gehabt.
Edith M. Wolf Perez
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