Montse Sanchez

Nuovo flamenco aus Katalonien

Montse Sanchez wurde 1964 in Barcelona geboren und studierte Tanz am Theaterinstitut in Barcelona. In ihrer Eigenschaft als Flamencotänzerin arbeitete sie mit Paco Romero, Ciro, Antonio Alonso und Guito. Sie ist zweimalige Gewinnerin eines Choreographenwettbewerbes in Madrid. Sie war vergangenes Jahr Lehrerin bei den Wiener Tanzwochen, wo sie auch heuer Flamenco unterrichten wird.

tanz.at: Wann und wo war Deine erste Bekanntschaft mit dem Tanz ?
Sanchez: Wie es in einer katalanischen Familie üblich ist, bin ich als kleines Mädchen im Alter von vier Jahren in die Ballettschule gegangen. Meine erste Flamencostunde hatte ich dann mit dreizehn Jahren und ich spürte, das wollte ich machen.
tanz.at: Was hat Dich am Flamenco fasziniert ?
Sanchez: Der Rhythmus, diese innere Kraft, die Möglichkeit des Ausdrucks aller menschlichen Gefühle. Ich habe von Anfang an die Folklore vom Flamenco getrennt. Die typischen schönen Kleider, die "bata de cola", das hat mich nie interessiert.
tanz.at: Wo hast Du Deine Tanzausbildung absolviert ?
Sanchez: Ich habe mit dreizehn Jahren am Theaterinstitut in Barcelona mit der Tanzausbildung begonnen und sieben Jahre lang Unterricht gehabt. Das Studium bestand aus klassischem Tanz, zeitgenössischem Tanz, Boleroschule mit Kastagnetten, klassisch spanischem Tanz und Flamenco im Vordergrund.
tanz.at: Du mischt den zeitgenössischen Tanz mit Flamenco. Wie ist es dazu gekommen ?
Sanchez: Ich habe mit Flamenco angefangen und dann Ramon Baeza kennengelernt. Er wollte Flamenco lernen und ich zeitgenössischen Tanz. So ist es dazu gekommen , daß wir beide Stile zu "nuovo Flamenco " vermischt haben. Wir haben zuerst mit unserer Gruppe eine Choreographie von fünf Minuten erarbeitet und damit in Madrid einen zweiten Preis bei einem Choreographiewettbewerb gewonnen. Ich komme aus Katalonien und für mich war es sehr wichtig, in Madrid einen Preis zu gewinnen, anerkannt und akzeptiert zu werden. Ich hatte vorher Angst, denn in Madrid sind die Flamencopuristen, und es gab zwei Möglichkeiten, entweder ausgebuht und mit Tomaten und Steinen beworfen oder akzeptiert zu werden. Wir arbeiten nun seit sieben Jahren zusammen. Wir haben bereits vier Produktionen auf die Füsse gestellt. Zwei davon "Wad Ras" und "F.G.L.(Oidos de Lorca)" haben Preise für die Choreographie erhalten. Der Grund für den Erfolg unserer Gruppe Increpación Danza ist, daß wir wirklich gute Tänzer in der Gruppe haben, die über gute Ausdrucksmöglichkeiten verfügen, die auch sehr motiviert sind und an sich glauben.
tanz.at: Was glaubst Du in welche Richtung sich der Flamenco entwickeln wird?
Sanchez: Die Grundlage des Flamenco ist das Klassische und das Traditionelle, aber abgesehen davon muß man so offen sein, Anderes aus verschiedenen anderen Richtungen aufzunehmen, damit sich der Flamenco weiter entwickeln kann und etwas Neues entsteht.
tanz.at: Woher nimmst Du die Themen für Deine Choreographien ?
Sanchez: Ramon und ich stellen eine spezielle choreographische Situation dar, und dann entwickeln wir gemeinsam mit allen Tänzern durch Improvisation eine Choreographie. Also die choreographischen Themen kommen nie von mir oder Ramon allein.
tanz.at: Wie wichtig ist die Musik für Dich ?
Sanchez: Also die Musik ist für mich ganz entscheidend, ohne Musik gibt es für mich keinen Tanz! Im Flamenco ist die Musik und der Rhythmus ganz wichtig. Je nachdem welche Themen im Vordergrund stehen, bei "Was Rad" war der Rhythmus das Entscheidende, unterstrich er eher das was ich ausdrücken wollte, bei "Oidos de Lorca" wählte ich die Melodie als Ausdrucksmöglichkeit. Es kommt also darauf an wie du die Aufführung aufbaust und gestaltest.
tanz.at: Welche neuen Projekte gibt es für Dich und Deine Gruppe ?
Sanchez: Wir haben Kontakt mit Künstlern aus Japan und mit Tänzern aus Indien aufgenommen. Die Japaner sind Schauspieler, die sich mit einem Projekt rund um Don Quixotte beschäftigt haben. Die Zusammenarbeit mit den Inderinnen ergibt sich für mich, da bei den Zigeunern in Indien der Ursprung des Flamenco liegt. Wobei sie in Indien keine Zwölfer -Takte wie im Flamenco, sondern Sechzehner - Takte haben.
tanz.at: Du unterrichtest bei den Tanzwochen in Wien und auch in Spanien.Was ist Dir dabei wichtig ?
Sanchez: Im Prinzip unterrichte ich die Technik, das ist die Basis für jeden Tanz. Sehr wichtig für mich ist die Persönlichkeit des Tänzers oder der Tänzerin. Die darf vor lauter Technik nicht in den Hintergrund gedrängt werden, und es muß Raum für persönliche Entwicklungen geben.

Elisabeth Pein

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