Hoch hinaus

Ab 2010 öffnet sich das Odeon-Theater regelmäßig für Tanzvorstellungen. Rose Breuss betreut die neue Schiene „Odeon.Tanz“

Im Odeon werden bald auch regelmäßig Tanzproduktionen zu sehen sein.
In ihrem neuen Konzept setzen Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann nicht nur auf die Arbeit des eigenen (Serpions-)Ensembles sondern ziehen zwei weitere Schienen - Odeon.Musik und Odeon.Tanz - ein. Als Artists in Residence werden Rose Breuss und Hannes Löschel die neuen Ebenen betreuen. Maximal sechs Wochen stehen den KuratorInnen jeweils für Aufführungen zur Verfügung. Für das kommende Jahr sind jeweils zwei Perioden geplant. Möglich sind auch Verflechtungen miteinander und natürlich mit dem Serapions-Ensemble.
Rose Breuss hat bereits einen Programmplan erstellt, der unter dem Motto „Hoch hinaus“ Stücke enthält, die explizit der Verbindung zwischen Text und Tanz gewidmet sind oder die Dynamiken und Transformationen zwischen literarischen Texten und Tanz betonen.
Mit der Eröffnungsvorstellung auf der neuen Schiene im Odeon soll ein Bezug zur Tanzhistorie hergestellt werden und der 200. Todestag von Jean Georges Noverre (Oktober 2010) gefeiert werden. In einer Lecture-Demonstration (konzipiert von Claudia Jeschke und Rainer Krenstetter) werden Noverres Überlegungen aus seinen „Briefen über die Tanzkunst“ untersucht. Als Beispiel dient die Rolle des Albrecht in „Giselle“. Mit Tänzerinnen aus Linz und Wien und Krenstetter als Solisten wird gezeigt, wie Noverre die dramatische Handlung im Tanz konstruiert hat.
Weiters auf dem Programm steht eine Tanzperformance von und mit Juan Dante Murillo Bobadilla und Arnulfo Pardo Ravagli: „Hate“ ist von Andres Caicedo, einem kolumbianischen Autor, inspiriert. Lina Maria Venegas zeigt ihre Choreografie „Auswärtsspiel“, eine für „Österreich tanzt 2009“ in der Betreuungsstelle Traiskirchen entwickelte Aufführung mit MigrantInnen und AsylwerberInnen. Bernd Bienert wird mit Boris Nebyla das Solo „SCHRIFTzeichnen“ entwickeln. Bienert hat vor, die Transformation vom Text zum Tanz klar zu machen. „Text wird mittels Bewegungen der Gebärdensprache zu Tanz“, ist seine These.
Ebenfalls auf dem Programm von Rose Breuss steht „Ordinary Events“ von Rui Horta. Das Stück, eine Geometrie der Bilder, die in Ordnung und Chaos, zur Musik von Les Tambours du Bronx die ganz gewöhnlichen Geschichten erzählt, wurde um ersten Mal 1991 aufgeführt und seitdem in 22 Ländern gezeigt.
Ein Solo von Julia Mach nach dem Roman „Solaris“ von Stanislaw Lem und der Abend „Sichtbare Lieder“ mit den Musikern Franz Hautzinger, Bernhard Bär und dem Ensemble Linz runden das ambitionierte Tanzprogramm im Odeon ab.
Breuss sieht in der neuen Ebene im Odeon nicht nur eine Erweiterung der Spielmöglichkeiten für Wiener Tänzerinnen und Tänzer, sondern auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Wiener MusikerInnen und der Nachwuchsförderung. Odeon.Tanz ist ein Projekt der Stadt Wien und vorläufig auf zwei Jahre ausgelegt. Breuss plant jeweils zwei Ausgaben des Tanzschwerpunktes im Odeon.

Odeon-Theater, Taborstrasse 10, 1020 Wien , www.odeon-theater.at/

Ditta Rudle

Submit am 04.11.2009

 

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