Vier Wochen vor dem Startevent im Museumsquartier haben Karl Regensburger und sein Team samt KünstlerInnen und Sponsoren am 16. Juni das Programm des diesjährigen ImPulsTanz Festivals vorgestellt.
Vieles ist beim alten geblieben, etwa die üblichen Spielorte und ein Gutteil der auftretenden Künstlerinnen, manches ist neu. Brandneu sogar, wie das Novomatic Forum zwischen Kunsthalle Wien - project space und dem Theater an der Wien. Der Wiener Glücksspielkonzern Novomatic hat das ehemalige Verkehrsbüro auf der Insel zwischen Friedrichsstraße, Operngasse und Naschmarkt, gekauft, um das 1922 von Schülern Otto Wagners erbaute Haus kulturellen Veranstaltungen widmen. eingeweiht wird es während des Festivals durch die Festival Lounge, die sich heuer indisch gibt. In Bollywood. der indischen Insel im Novomatic Forum, dürfen sich Festivalgäste täglich ab 22 Uhr wie auf einem fernen Kontinent fühlen, Musik hören, essen und trinken. Der Eintritt ist frei. Neu ist auch die Kooperation mit dem Filmarchiv Austria und der Cinématèque de la Danse (Paris) so wie dem Institut Français de Vienne, die thematische Filmabende in der Lounge ermöglichen. So können auch manche Gäste, die live auf der Bühne tanzen, auf der Leinwand bewundert werden, wie beispielsweise Anne Teresa de Keersmaeker, die als Rosa von Peter Greenaway porträtiert worden ist (am 8. 7. in der Festival Lounge). Das Programm ist dicht und vielfältig, wird jedoch von allzu viel bekannten Namen dominiert. So kann es nur einige subjektive Empfehlungen geben, die weder Anspruch auf Vollständigkeit erheben noch eine Hierarchie der Qualität widerspiegeln. Was ich mir angekreuzt habe: The Song von und mit Anne Teresa de Keersmaeker und ihrem Ensemble Rosas am 17. und 19. Juli im Volkstheater. Auch Georg Blaschke will ich sehen, der für Petr Ochvat ein Solo des Tanzexpressionisten Andrei Jerschik rekonstruiert hat. Aus Mensch im Wahn (Jerschik) ist nun Jetzt bist du dran geworden und am 29. Juli im Kasino am Schwarzenbergplatz zu sehen. Zu meinem Leidwesen erst um 23 Uhr. Klar, dass Ji_ì Kylián und Sabine Kufperberg auf dem Programm stehen. Die ehemaligen Mitglieder des NDT haben gemeinsam mit dem Performer Michael Schumacher ein Sextett geschaffen, die einerseits an das legendäre NDT III (die Senioren-Compagnie) erinnert, andererseits der Beweis, dass Jugend nicht allein das Recht hat auf der Bühne zu tanzen. (31. Juli, 2. August, Akademietheater). Magy Marin und ihre Compagnie bringen ein neues Stück mit, das sich schlicht Creation 09 nennt und sich mit der alten und Marin vertrauten Frage nach den Möglichkeiten des menschlichen Zusammenlebens befasst. Keine leichte Kost am 3. August im Mqu, Halle E, aber sicher nicht unverdaulich. Ob ich es, wie vorgesehen, viele Stunden in der Lovely Liquid Lounge von Christ Haring aushalte, weiß ich noch nicht. Hingehen werde ich auf jeden Fall, am 13. oder 15. August, um 19 Uhr ins Kasino am Schwarzenbergplatz. Schon allein um Stephanie Cumming Solo zu sehen, in dem sie die literarische Figur Orlando (Virginia Woolf) sein wird. Aber auch die Erzählung der Chinesin (ehemals Soldat und dekorierter Tänzer) Jin Xing und den Tanz ihrer Kompanie und die Modenschau von Jakob Lena Knebl und, und, und - in der Lieblichen Lounge werden Grenzen überschritten und Körper geformt (vielleicht auch verformt) und in einer angenehmen, lockeren Atmosphäre über das Leben als Kunst oder die Kunst als Leben gesprochen. Und weil der Mensch auch ein sommerliches Privatleben hat, nur noch einen Punkt in den Kalender eingetragen: 3. August, Kunsthalle Wien - project space. Michikazu Matsune & David Subal wollen eine Stunde wie eingefroren stehen. In einer Installation versteht sich, die sich, wie immer bei Matsune & Subal leicht erschließt und bis 8. August zu sehen ist. Empfehlungen abzugeben ist schwierig. Wer kennt schon Appetit und Geschmack der anderen? Rosas tanzt Rosas wäre so eine Empfehlung (27., 29. Juli, MQ), oder die wilden Kerle und Maiden unter Wim Vandekeybus, die 24. und 25. Juli im MQ auftreten und für Unerschrockene (oder auch Lüsterne) die Cie. Anne Live Young, die am 25. und 26. Juli im Schauspielhaus auftritt. Aufgrund pornografischer Szenen ist der Zutritt nur Personen ab dem 18. Lebensjahr gestattet. Doch das Stück, The Bagwell in me ist hochpolitisch und richtet sich gegen Amerika. Politisch ist auch die Uraufführung von Investment (Cie. Random Scream & Davis Freeman). Der Titel lässt es ahnen, die Performer untersuchen den Zusammenhang der Welt aus der Sicht des Investors. Tanztheater zum Mitdenken. Der Auszug aus dem vierwöchigen Programm könnte beliebig erweitert werden, zum Beispiel um die beliebte Nachreihe [8 : Tension] für und von jungen ChoreografInnen , die diesmal im MQ, Halle G und im Schauspielhaus Asyl gefunden hat. Oder um die nahezu unübersehbare Zahl von Workshops und Kursen oder die Aktivitäten von TURBO - plattform junger tanz in wien wie auch danceWEB. Sei's drum, das Programm kann jederzeit auf der Seite von ImPulsTanz (www.impulstanz.com) angesehen werden und nach der Gustation funktioniert die Kartenbestellung per Telefonanruf.
Weitblickend wie ImPulsTanz -Chef nun mal ist, kündigte er auch Extra-Veranstaltungen für den Oktober an und enthüllte damit noch einen Kooperationspartner. Der neue Leiter des Tanzquartiers, Walter Heun, will ImPulsTanz nicht als Konkurrenten sondern als Partner sehen und immer wieder gemeinsame Veranstaltungen planen. Diesmal, am 2. und 3. Oktober ist des die Trisha Brown Dance Company, die eine Auswahl aus ihrer Zusammenarbeit mit Robert Rauschenberg zeigen wird.
PS: Das Startevent mit dem Stepptänzer Savion Glover mit zwei Freunden samt Livemusik im Hof des Museumsquartiers soll richtig Lust auf Tanz machen und natürlich einen angenehmen Abend unter freiem Himmel und bei ebensolchem Eintritt.
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