Expedition in neue Räume |
Joachim Schloemer hat seine erste Saison als Intendant des Festspielhauses St. Pölten in groben Zügen durchgeplant. Neben Tanz und Musik setzt er auf ein Programm für junges Publikum. |
Joachim Schloemer, ab kommender Saison (2009/2010) Intendant des Festspielhauses St. Pölten, hat die Grundzüge seiner Programmpläne vorgestellt und neben vielen schönen Worten (St. Pölten ist ein Spiegelbild der Gesellschaft in der wir leben, ein Raum grenzenloser Phantasie,
) auch Konkretes angekündigt. Etwa ein zweitägiges Eröffnungs- (und Einstands-)Fest zu Saisonbeginn (25., 26. September) mit Show und Party und einem Konzert des Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, dirigiert von Julia Jones. Das Tanzabonnement steht unter dem Motto Weltreise am Ort und wird mit einer Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui eröffnet. Apocrifu (8.10.) bringt nicht nur drei Tänzer auf die Bühne sondern auch das korsische Gesangsensemble A Filetta. Das Leben der Prinzessin Bari zeigt die Eun-Me Ahn Company aus Seoul am 7. November, gefolgt von Akram Khan mit seiner Company, die gemeinsam mit TänzerInnen des chinesischen National Balletts seine in Wien bereits gezeigte Arbeit Bahok ins Festspielhaus bringen wird. Gleich vier Stücke erarbeitet innerhalb von zwei Wochen ein Kollektiv (Vincent Crowley, Grayson Millwood, Gavin Webber), teilweise mit der Hilfe der St. Pöltner Bevölkerung (14. bis 22. Jänner 2010). Dieses Projekt ist nur eines von vielen, mit denen Schloemer neue Wege gehen will und vor allem junges Publikum anspricht. Expeditionen nennt er die Labor-Projekte, in denen Tangoworkshops ebenso enthalten sind wie die Errichtung einer verbotenen Stadt rund um das Festspielhaus durch das Raumlaborberlin. Im Cyberlab 2010, geplant für Anfang März 2010, wird ein Symposium über die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine im Mittelpunkt stehen, umrahmt von Lesungen, einer Electronic-Sports-Show und einer Publikumsdiskussion. Auf klassischen Tanz und Ballett verzichtet Schloemer in seiner Programmierung ganz, obwohl gerade die Gastspiele renommierter Balletttruppen in den vergangenen Jahren das Haus bis zum letzten Platz gefüllt haben. Er nützt seine Kontakte als Tänzer und Choreograf, um Neues oder weniger Bekanntes nach St. Pölten zu holen. Etwa den neuen Choreografenstern New Yorks, wie Schloemer Aszure Barton nennt, die mit ihrer Company Ende Februar gastieren wird und die englische Company Random Dance unter Wayne McGregor, die für ihre jüngsten Produktion Entity begeisterte Kritiken bekam. Abgeschlossen wird die neue Tanzsaison am 17. April mit dem Auftritt der französischen Compagnie Heddy Maalem. Zur Musik des Perkussionisten Fritz Hauser beschäftigt der in Algerien geborene ehemalige Boxer Maalem mit dem anderen und mit dem menschlichen Körper, als weiblich und männlich, Kennzeichen für das total andere. Seine Produktion nennt er poetisch Mais le diable marche à nos côtés / Aber der Teufel geht an unserer Seite. Neu werden auch manche Räume sein, die Schloemer für das junge Publikum schaffen will. Etwa das Café publik, gedacht für Diskussionen, Ausstellungen und als Plattform für die regionale Szene und die Box, die im ehemaligen Haydn-Saal für kleinere Produktionen aufgebaut wird
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Ditta Rudle |
Submit am 29.04.2009
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