Getanzte Literatur

Mit zwei neuen Produktionen krönt Gyula Harangozó seine letzte Saison als Ballettdirektor des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper.

William Shakespeare und Prosper Mérimée sind die Paten der beiden Neuproduktionen, die Ballettdirektor Gyula Harangozó als Abschiedsgeschenk bereit hält. Zwei Mal geht es um die Liebe, die im Fall der flatterhaften Carmen tödlich endet. Der milanesische Choreograf Davide Bombana hat seine „Carmen“ in elf Szenen 2006 für Toulouse geschaffen. Die hervorragenden Kritiken haben ihn wohl bewogen, den Einakter neu zu choreografieren und ein abendfüllendes Ballett zu schaffen. Der als „hochmusikalisch“ gelobte ehemalige Tänzer verwendet nicht nur die von Rodion Schtschedrin nach Bizet komponierte Carmen-Suite sondern lässt auch die Tambours du Bronx und Meredith Monk (vom Band natürlich) mitspielen. Das Volksopernorchester wird von Guido Mancusi dirigiert werden. Die Kostüme stammen von Dorin Gal, der sich nach einem 10-jährigen Engagement als Tänzer an der Bayerischen Staatsoper München der Bühnenausstattung und dem Kostümentwurf zugewandt hat. Mit Bombana verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit. Premiere ist am 21. November in der Volksoper. Es darf gewettet werden, dass die sechs Reprisen rasch ausverkauft sein werden.
Um die Liebe in der eher komischen Form geht es auch in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Der finnische Choreograf Jorma Elo (im Wiener Repertoire ist sein Stück „Glow -Stop“ und wird zur Saisoneröffnung wieder gezeigt) verlässt sich ganz auf Felix Mendelssohn Bartholdy und hat noch bis Anfang 2010 Zeit, sich im Zauberwald zwischen Elfen und Esel zurechtzufinden. Premiere der Uraufführung ist am 30. März 2010.
Eröffnet wird die Saison mit einer Gala, die dem Corps und den SolistInnen Gelegenheit geben soll, zu zeigen, was sie alles in den Beinen haben. Harangozó wiederum will beweisen, dass er dem zeitgenössischen Tanz gar nicht abgeneigt ist. So werden neben „Glow - Stop“, die im Repertoire schlummernden Stücke von William Forsythe („Slingerland Pas de Deux“) und Ji_í Kylián („Sechs Tänze“ und „Petit Mort“) wieder aufgenommen. Außerdem beschert die Saisoneröffnung am 15. September in der Staatsoper ein neues „Duo“ von Solotänzer András Lukács und die Uraufführung von „Ederlezi“ der französischen Choreografin Myriam Naisy, von der in Wien 2006 das Ballett „Mokka“ (Musik Paolo Conte) zu sehen war.
In der Staatsoper wird eröffnet, in der Volksoper wird geschlossen. Zum Abschied von Harangozó dirigiert Guillermo Garcia Calvo. Tanzen werden mit dem Ballett der Staatsoper und Volksoper auch Gäste. An deren Einladung und an der Programmzusammenstellung wird noch gearbeitet.
Mitten in der Saison gibt es auch noch ein kleines Fest: Am 26. Oktober wird Rudolf Nurejews für Wien geschaffene Choreografie von „Schwanensee“ zum 200. Mal in der Staatsoper getanzt. Im Repertoire der Staatsoper bleiben „Mayerling“, „Die Fledermaus“, „Der Nussknacker“ (nach einem erfolgreichen Zwischenspiel in der Volksoper), „Anna Karenina“ (nach der Aufführungsserie in der Volksoper für die Staatsoper von Choreograf Boris Eifman selbst adaptiert), „Coppélia“ und das unsterbliche Liebespaar „Romeo und Julia“ in John Crankos immer noch wunderbaren Choreografie. Die Volksoper behält „Max und Moritz“, darf, wenn nicht Weihnachten ist, auch den „Nussknacker“ wieder tanzen lassen und zeigt im Frühjahr 2010 neuerlich die „Tanzhommage an Queen“. Für die beiden neuen Produktionen „Carmen“ und „Sommernachtstraum“ wird wieder eine Einführungsmatinee im StadtTheater Walfischgasse mit Ira Werbowsky angeboten

www.dasballett.at

Ditta Rudle

Submit am 29.04.2009

 

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