Gute Bekannte auf dem Tanzboden

Im Theater an der Wien findet neben Oper und Konzert auch der Tanz einen kleinen Platz

Im Gegensatz zu Staatsoperndirektor Ioan Holender, der jüngst im hauseigenen Magazin pro:log zugeben musste, dass die Einnahmen zurück gingen und die Auslastung in der nächsten Zeit nicht mehr so hoch sein wird, „wie wir es bislang gewohnt waren“, dürfen die Chefs des Theaters an der Wien (Intendant Roland Geyer und Geschäftsführer Thomas Drozda) Frohbotschaften verkünden: Verdreifachung der Abonnements, Auslastung über 90 Prozent gestiegen. Neuerdings gibt es einen Dernièrenabo und auch ein Abonnement für die Deuxième, die zweite Vorstellung, soll aufgelegt werden. Die Premierenabonnements sind restlos ausverkauft.
Auch in der kommenden Saison wird im Theater an der Wien ein wenig Tanz geboten: Die erfolgreiche Choreografie von John Neumeier von Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ wird für drei Abende im Dezember 2009 wieder aufgenommen und Anne Teresa De Keersmaeker wird einen von Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ inspirierten Soloabend geben. Davor aber wird in dieser Saison noch Jochen Ulrichs Ballett „Fidelio“ zur Musik von Ludwig van Beethoven_in der Transkription von Alexander Zemlinsky für Klavier zu vier Händen aufgeführt.
Ulrichs in Linz erfolgreich aufgeführte Choreografie lehnt sich zwar stark an das Opernlibretto an, dennoch wird die Geschichte nicht nur eins zu eins wiedererzählt. Leonore/Fidelio tanzt gleich sechsfach und der eingekerkerte Florestan ist auch nicht allein in seinem Verlies. Als Mitspieler zeigt sich auch das Klavier auf der schneebedeckten Bühne, bearbeitet vom musikalischen Leiter der Aufführung Dennis Russel Davies und der Pianistin Maki Namekawa. In Wien ist die Produktion am 9. und 10. Juni zu sehen.
Anne Teresa De Keersmaeker hat den letzten Teil von Mahlers rätselhafter Komposition gewählt, um sich mit der Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Dem „Abschied“ gewidmet sind die chinesischen Gedichte, die Mahler im letzten Teil des „Liedes von der Erde“ vertont hat. De Keersmaeker hat die von Arnold Schoenberg als Fragment hinterlassene Transkription der Orchesterpartitur gewählt, eine Kammermusikversion, die von Rainer Riehn in den späten 1980ern vollendet worden ist. Die britische Mezzosopranistin Sara Fulgoni wird singen. Die Brüsseler Choreografin und Tänzerin hat für diese Produktion (Theater an der Wien gemeinsam mit den Opernhäusern von Brüssel und Lille und dem Sadler's Wells Dance House in London) mit dem französischen Performer Jérôme Bel zusammen gearbeitet und allmählich ist aus einem Tanzabend für Ensemble ein Solo geworden. Keersmaeker wird aber nicht nur als Körper auf der Bühne sein, sondern auch als Stimme. In drei Variationen, ganz wie es De Keersmaeker gefällt, wird der Abschied musikalisch und tänzerisch wiederholt. In der Schoenberg-Fassung für kleines Ensemble, mit Musik aus der Konserve in einer historischen Aufnahme und, im Mittelteil, mit einer Rezitation der Tänzerin selbst. „3Adieux“ wird am 28. und 29. Mrz 2010 im Theater an der Wien gezeigt, nur wenige Tage nach der Brüsseler Uraufführung.
Das großes Interesse versprechende Opernprogramm reicht von Barock (Monteverdi oder Gluck) über das 19. Jahrhundert (etwa Webers „Freischütz“ etwa in der Inszenierung von Filmregisseur Stefan Ruzowitzky) bis zu Zeitgenössischem (beispielsweise die Uraufführung der Komposition von Johannes Kalitzke „Die Besessenen“ nach Witold Gombrowiczs gleichnamigem Roman) und lockt renommierte Dirigenten wie Bertrand de Billy, Donald Runnicles, René Jacobs oder Nikolaus Harnoncourt ans Pult. Ebenso kulinarisch ist das Konzertprogramm, in dem das Haydn-Jahr am Silvesterabend mit einer Aufführung der „Schöpfung“ feierlich beendet wird. Unter Adam Fischer spielt das Freiburger Barockorchester, Michael Schade wird die Tenorpartien übernehmen.

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Ditta Rudle

Submit am 27.03.2009

 

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