Entgrenzung / Sehnsucht |
Beim Osterfestival Tirol 09 treten Künstler drei Wochen lang in einen musikalischen und tänzerischen Dialog über die Grenzen unseres Lebens und die Sehnsucht des Menschen sie fallen zu lassen |
Das Osterfestival Tirol ist eines jener seltenen Festivals, das mit einem exquisiten Programm Reflexion herausfordern und so der schrillen Eventkultur entgegenwirken will. Auch in seiner 21. Ausgabe bietet es unter dem Motto Entgrenzung / Sehnsucht eine Plattform für den Dialog zwischen Ost und West mit den Mitteln der Musik und des Tanzes. Mit einer koreanischen Teezeremonie wird es am 28. März in Hall in Tirol eröffnet. Die asiatische Tugend sich 'Zeit zu nehmen' findet sich in durch Jahrhunderte geprägte in Riten und Traditionen. In der Teezeremonie, deren erste Überlieferung 661 Jahre zurückreicht, stehen Musik und die Zubereitung des Tees dabei in enger Verbindung. Der ursprünglich buddhistische Ritus entwickelte sich im Laufe der Zeit auch in weltliche Zeremonien zu verschiedenen Anlässen. Bis heute gibt es noch um die 15 Riten, eine der bekanntesten ist die 'Tageszeremonie', welcher beim Osterfestival ein Ensemble von zwei Teemeistern, zwei Tänzern und fünf Musikern widmet. Tarek Halaby, amerikanischer Palästinenser mit Wohnsitz in Brüssel ist mit einer Fotoausstellung und der Performance Finally I Am No One am 29. März zu sehen. In diesem Solo will Tarek Halaby aufzeigen, wie die Palästinenser in den belagerten Gebieten Israels leben, in einem Land voller Grenzen. Er tanzt hinter einer Mauer. Das Publikum sieht ihn einzig durch die Projizierung auf diese Fläche, ein Symbol äußerster Trennung. Überwachungskameras nehmen die Bilder in 'real-time' auf und geben sie an uns durch Projektion weiter. Am 2.April kommt ein Königliches Puppenspiel mit Musik und Tanz am Hof der Könige von Burma nach Tirol. Das burmesische Marionetten-Theater hat als Teil der religiösen Weltschau eine sehr alte Geschichte, erste Beschreibungen finden sich bereits im 11. Jahrhundert. Das Puppentheater war - als kosmisches Spiel - in Burma so wichtig, dass es während der Kone Bong Ära (1820-1885) sogar ein eigenes Ministerium gab, das sich ausschließlich mit den Belangen der Puppentheaterzunft beschäftigte: Stückeschreiber, Sänger, Tänzer, Musikanten, Puppenspieler und Kunstschneider - sie alle unterstanden einem festen Regelwerk. Am Ostersonntag und Ostermontag beschließt die brasilianische Grupo daRua mit H3 das Festival. Das Tanz-Ensemble um Bruno Beltrão ist aus einem Sozialprojekt entstanden und sieht seine Aufgabe bis heute in der Unterstützung junger Menschen, die in den Elendsvierteln der Metropolen leben. Die Möglichkeiten physischen Kontakts und des Raums werden von den Tänzern in rasanten Bewegungen ausgelotet. Jenseits eingefahrener HipHop-Stereotypen eröffnen Bruno Beltrão und sein Ensemble mit ihren Choreographien ein ganz eigenes Genre.
Mehr Informationen über das Musik- und Tanzprogramm sowie über Workshops unter www.osterfestival.at
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Edith Wolf Perez |
Submit am 27.03.2009
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