Eine engagierte, eine starke Frau

Christiane Dertnig ist am 18. September gestorben

Sie war, seit ich sie kannte, unterwegs. Meist mit dem Rad. Das war auch schon bei unserer ersten Begegnung so, im tunesischen Hammamet, 1979. Dort und später auch an anderen Orten war die geborene Tirolerin Christiane Dertnig tätig, rührig, engagiert. Den Tanz, später Feldenkrais immer im Gepäck mit dabei.
Drei Jahre später wird ein Riesenrad die Tür zur Theatersammlung in Wien herein gefahren. Eine kleine blonde Frau schiebt es selbstbewusst herein. Und wir lernten uns ein zweites Mal kennen. Christiane Dertnig möchte den Tänzer und Choreografen Bob Curtis in Wien bekannt machen. Ich hatte eben begonnen, für den Kurier zu schreiben. Ich war beeindruckt von der Willensstärke dieser Frau und - in der Folge von Bob Curtis. Mit beiden Persönlichkeiten sollte ich anhaltend zu tun haben.
Mit Bewunderung erlebte ich mit, wie Christiana, wie sie sich nun nannte, nach Jahren in Rom wieder in Wien sesshaft wurde. Wie es ihr mit vereinter Hilfe gelang, Bob Curtis in Wien ansässig zu machen. Dem großen stillen Mann mit jahrzehntelanger Erfahrung in vielen Formen des Tanzes zu entsprechender, würdiger Unterrichtstätigkeit zu verhelfen.
Sie selbst aber widmete sich mit viel Mut der Lehre des Moshe Feldenkrais, machte in Hawai die Ausbildung zur Feldenkrais-Lehrerin. Bei Karl Regensburgers ImPuls Tanz-Festival zählte sie einige Jahre lang zum fixen Dozenten-Stab. Nach einer ImPuls-Premiere im Burgtheater stießen wir auf ihren 60iger an. Christiane hatte sich eine neue Karriere gebaut, als weiteren, ruhigeren Baustein in einem sehr intensiven Leben, das unter anderem von ihrer frühen Zeit in Wien als Chefin des legendären Künstler-Lokals Vanilla geprägt war. Mit Lorenz Gallmetzer widmete sie dieser Zeit ein umfangreiches Buch. Zu einem weiteren Lebens-Buch, das ihre Handschrift trägt, wurde zuletzt ihre Hommage an Bob Curtis, den „Hohepriester des Afro Contemporary Dance (erschienen im Folio-Verlag 2005).
Am 18. September ist Christiane Dertnig an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.
Uns hat der Tanz verbunden, der Wille, für den Tanz tätig zu sein und die gegenseitige Sympathie.



Andrea Amort

Submit am 23.09.2008

 

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