Mit Spitzen- und auch ohne Schuh' |
Das Festspielhaus St. Pölten bewährt sich auch in der kommenden Saison als exzellente Adresse für Tanz und Ballett. |
Mit einer Gesamtauslastung von rund 90 Prozent - eine Steigerung von sechs Prozent ¬ gegenüber der Saison 2007/2008 - kann das Team des Festspielhauses St. Pölten, allen voran Michael Birkmeyer als künstlerischer Leiter und Thomas Gludovatz als Geschäftsführer, frohgemut in die nächste Saison blicken. Birgt doch diese wieder einige Höhepunkte in einem sowohl künstlerisch hochwertigen wie publikumsfreundlichen Programm. Auch in der Spielzeit 2008/09 kann das Festspielhaus St. Pölten seine herausragende Stellung als Tanzhaus behaupten. Neun Österreich-Premieren und die Wiederbegegnung mit der großartigen Compañía Nacional de Danza unter Nacho Duato (19. April 2009) zeigen die bunte Vielfalt der heutigen internationalen Tanzszene. Eröffnet wird mit einer spartenübergreifenden Produktion, die Opern- und Tanzfans gleich erfreuen muss: Joachim Schlömer inszeniert für das Lucerne Festival Die Entführung aus dem Serail als Tanz-Musik-Theater. Schlömer beschäftigt in seiner Inszenierung nicht nur fünf SängerInnen und einen Schauspieler sondern lässt die bekannten Rollen des Singspiels von Wolfgang Amadeus Mozart, ergänzt durch neue Klänge von Johannes Harneit, auch durch TänzerInnen darstellen. Die Premiere dieses in Koproduktion mit dem Festspielhaus St. Pölten entstandenen Werkes ist am 14. September in Luzern, nur kurz danach, am 3. Oktober wird auch in St. Pölten entführt. Die musikalische Begleitung gibt das Freiburger Barockorchester unter Attilio Cremonesi. Nach Mexiko entführt Philippe Decouflé mit seiner Compagnie DCA, wenn er die Sombreros tanzen lässt. Wie wenig Decouflés Kreation mit touristenseligem Mariacchigeklimper zu tun hat, zeigt die Musikauswahl: Werke von Brian Eno, Sébastian Libolt und zum guten Schluss Sergio Leone. Decouflé, der sich selbst als Choreoregisseur von fantastischen Traumreisen bezeichnet, verspricht einen Ausflug in ein imaginäres Reich von Licht und Schatten mit einem alle Sinne berührenden Kinoeffekt. (17., 18. Oktober) Von Mexiko geht die Reise direkt nach Spanien, woher der avantgardistische Flamencotänzer Israel Galván mit seinen Musikern kommt. In seinem Stück Arena, von Goyas Album Tauromachia inspiriert, setzt er sich mit dem Stierkampf und der Zeremonie des Tötens bei den Fiestas auseinander. Ein durchaus ungewöhnliches Unterfangen für einen preisgekrönten leidenschaftlichen Spanier. (15. November) Wenn das Christkind naht, muss es auf der Bühne klassisch werden. Der Nussknacker (Musik Peter Tschaikowski) reist diesmal aus Prag an: Ballett und Orchester des Prager Nationaltheaters zeigen eine familienfreundliche Spitzenversion dieses beliebten Balletts des ungarischen Choreografen Youri Vámos. Vamos hat nicht nur die Urgeschichte von E. T. A. Hoffmann gelesen sondern auch das Weihnachtslied von Charles Dickens über den geizigen Ebenezer Scrooge und erzählt vom Zauber des Weihnachtsfestes, das die Herzen der Menschen weich macht und den Himmel öffnet. So will auch Scrooge seine bösen Taten wieder gut machen und am Ende darf Clara mit ihrem Nussknacker-Prinzen einen wunderbaren Pas de deux tanzen. Bemerkenswert an dieser Inszenierung ist nicht nur das biedermeierliche Bühnenbild sondern auch die üppigen Kostüme von Michael Scott. (13., 14. Dezember) Auch im Frühjahr werden KlassikliebhaberInnen verwöhnt: Dornröschen kommt im Tütü aus der Ukraine samt dem Corps de Ballet und dem Orchester der Ukrainischen Staatsoper Taras Schewtschenko Kiew. Die Choreografie von Walerij Kowtun basiert auf dem klassischen Entwurf von Marius Petipa. Ballett in Vollendung jubelte die Süddeutsche Zeitung nach dem letzten Gastspiel des Ensembles. (20., 21. März 2009) Das Cedar Lake Contemporary Ballet residiert in New York und widmet sich vor allem den Arbeiten aufstrebender amerikanischer und in Amerika weniger bekannter internationaler Choreografen. Intendant Birkmeyer ist es gelungen die junge Truppe zu ihrem ersten Auftritt nach Österreich zu holen, wo sie unter anderem mit Ten Duets on a Theme of Rescue von Crystal Pite, die ihre zehn Duette zum Thema Rettung mit der Filmmusik zu Solaris unterlegt, überzeugen will. Außerdem zeigen die kraftvollen auf Körperpräsenz setzenden TänzerInnen Werke des italienischen Tänzer-Choreografen Jacopo Godani, der von William Forsythe und seinem Ballett Frankfurt geprägt worden ist. (24. Jänner 2009) Obwohl der Israeli Emanuel Gat seine Compagnie erst 2004 gegründet hat, ist er längst von Paris bis New York ein viel gefragter Gast. Neben einer neuen Deutung von Igor Strawinskys Tanzklassiker Le sacre du printemps zeigt Gat im Pas de Deux mit Roy Assaf seine Interpretation von drei Liedern aus Franz Schuberts Zyklus Winterreise, die ja auch schon John Neumeier und Liz King (Tanztheater Wien) inspiriert hat. Winter Voyage ist von sanfter Melancholie überhaucht und sinniert über den Abschied, was die Kraft und Energie der beiden Tänzer keineswegs mindert. (14. Februar) True Stories erzählt im April das Bangarra Dance Theatre aus Sydney. Die Tanzcompagnie beruft sich auf die 40.000 Jahre alte Tradition der Aborigines und reflektiert gleichzeitig das heutige Leben der indigenen Bevölkerung Australiens Mit der Verbindung von Alt und Jung hat die Truppe eine einzigartige Tanzsprache (eine echte australische Tanzsprache, sagt der künstlerische Leiter Stephen Page) geschaffen, die weltweit bewundert wird. (17. April 2009) Der Schlusspunkt des reichhaltigen Tanzprogramms 08/09 im Festspielhaus St. Pölten feiert den Triumph des Tanzes. Das Leipziger Ballett (bereits in dieser Saison heftig beklatscht) zeigt zwei Choreografien von Uwe Scholz. Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich spielt Wolfgang Amadeus Mozarts Jeunehomme-Klavierkonzert und Ludwig van Beethovens 7. Symphonie. Die Musik der Wiener Klassik wird durch neoklassischen Spitzentanz sichtbar gemacht. (6. Juni 2009).
http://www.festspielhaus.at/
|
Ditta Rudle |
Submit am 07.05.2008
All rights reserved © http://www.tanz.at
|