Deutscher Jubiläums-Tanzpreis 2008

John Neumeier heißt der Preisträger 2008

Im Jahr 2008 jährt sich die Vergabe des Deutschen Tanzpreises zum 25. Mal. Im Jubiläumsjahr ehrt der Deutsche Tanzpreis eine besondere Persönlichkeit für ein außergewöhnliches Lebenswerk: John Neumeier. Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik und der Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland würdigen den Tänzer, Choreographen, Hamburger Ballettintendanten, Direktor des Hamburg Ballett und Schulleiter.
2008 werden es 45 Jahre sein, die John Neumeier in Deutschland lebt, seit 35 Jahren arbeitet er mit dem Hamburg Ballett. Die von ihm gegründete Schule wird im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern können, mit 15 “Erste Schritte”-Aufführungen präsentierte sich diese Schule bislang einem Publikum.
Hinzu kommt mit Ablauf des Jahres 2007 die beachtliche Zahl von 175 Ballett-Werkstätten, die John Neumeier als Matinee-Vorstellungen etablierte.
Innerhalb der Tanzgeschichte Deutschlands nimmt John Neumeier zum jetzigen Zeitpunkt eine singuläre Position ein, denn niemand sonst hat so lange in einer Stadt mit derselben Compagnie gearbeitet. Einmalig ist auch die Vielfalt der Choreographien: Zum Musicalgenre gehören Werke wie “Shall we Dance?” und die “Bernstein-Dances”, daneben gibt es jene von William Shakespeare inspirierten Choreographien wie “Romeo und Julia” und “Ein Sommernachtstraum”. Tanz gewordene Mahler-Sinfonien durchziehen das Oeuvre Neumeiers ähnlich kontinuierlich wie die aus der Beschäftigung mit sakraler Musik entstandenen Werke “Messias” und “Die Matthäus-Passion”, letztere ein Höhepunkt des von John Neumeier geschaffenen, neuen Genres der Tanzkunst. “Parzival”, “Peer Gynt” und die “Artus-Sage” entstammen einem nordischen Themenkreis, dem sich der Choreograph in Abständen widmet. Darüber hinaus gibt es noch jene Gruppe von Werken, die nach literarischen Vorlagen entstand sind, dazu gehören beispielsweise “Die Kameliendame” und “Tod in Venedig”. Und schließlich sind unbedingt die Neufassungen seiner Handlungsballette zu erwähnen, die - allen voran “Illusionen - wie Schwanensee”, “Der Nussknacker” und “Romeo und Julia” - ihm gerade zu Beginn seiner Laufbahn große Erfolge bescherten.
Der heute 65-jährige John Neumeier machte Hamburg durch drei “Säulen” zur internationalen Ballettstadt: In erster Linie durch seine Choreographien (zu Premieren und Uraufführung reisen Kritiker aus aller Welt in die Hansestadt); durch das Ballettzentrum, in dem die Arbeit der professionellen Tänzer und der Schüler der Ballettschule des Hamburg Ballett gemeinsam unter einem Dach leben und arbeiten; und schließlich durch die weltweit einmalige Sammlung zur Ballett- und Tanzgeschichte, die mit ihren rund 27.000 Exponaten in wenigen Jahren in einem Museum untergebracht und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, den Erhalt wird die 2006 gegründete “Stiftung John Neumeier” langfristig sichern.
Vor genau 20 Jahren erhielt John Neumeier den Deutschen Tanzpreis, so besagt die Urkunde aus dem Jahr 1988, “in Anerkennung seiner Verdienste um den künstlerischen Tanz in Deutschland, den er als Tänzer und Pädagoge, insbesondere jedoch als Choreograph maßgeblich bereichert und beeinflusst hat …” Inzwischen zählt das Oeuvre John Neumeiers 137 Choreographien, seine Werke sind im Repertoire renommierter Compagnien u.a. in New York, Tokyo, Kopenhagen, Paris, Toronto, Moskau, St. Petersburg und Wien zu finden und erfahren somit weltweite Wertschätzung. Seine Schule bildet Tänzer aus, die in vielen Staaten Engagements finden. Darüber hinaus wirkt der Künstler John Neumeier als Juror bei Wettbewerben, als Filmemacher, Bühnenbildner, Kostümbildner, Lichtdesigner und Regisseur. Niemand sonst hat den Tanz in Deutschland über einen so langen Zeitraum, in einer solchen Vielfalt und auf derart unterschiedlichen Ebenen bereichert.
In Wien ist der Choreograf seit einigen Jahren mit den Theater an der Wien eng verbunden, wo am 13. Dezember sein „Weihnachtsoratorium“ uraufgeführt wird.
Der Deutsche Tanzpreis 2008 wird am 1. März 2008 im Aalto Theater Essen in einer feierlichen Gala überreicht. Es sind die großen Ballettcompagnien dieser Welt, die an diesem Abend mit Neumeier-Choreografien dem Meister ihre Ehre erweisen werden: Hamburg Ballett, Stuttgarter Ballett, Bayerisches Staatsballett, Royal Danisch Ballet, Ballett der Pariser Oper, Ballett der Mailänder Scala, Stanislawski Ballett Muskau sowie die National Ballet School of Canaca, Toronto in Kooperation mit der Ballettschule des Hamburg Ballett. Die Laudatio wird Marcia Haydée halten.

Redaktion

Submit am 06.12.2007

 

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