Tanzen heißt leben

Das Festival „Österreich tanzt“ wird heuer von Liz King kuratiert. Vom 20. bis 23. Juni soll das Festspielhaus St. Pölten vibrieren.

„Tanz, das ist doch kein Produkt, das man verkaufen muss, Tanz ist Leben,“ sagt Liz King mit Überzeugung, die aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht. King ist heuer die Kuratorin des Festivals „Österreich tanzt“, das alljährlich im Festspielhaus St. Pölten stattfindet. King, die nach vielen Stationen in ihrem Leben für den Tanz im Burgenland sesshaft geworden ist und dort mit der von ihr gegründeten Company D.ID/danceidentitiy und der Arbeit mit Schüler/innen bereits beachtliche Erfolge erzielt hat, will im heurigen „Österreich tanzt“-Festival, es ist das 8. überhaupt, nicht nur den konsumierenden Blick auf die heimische Tanzszene lenken, sondern die Körper des Publikums zum Tanzen bringen. Tanz also, für das und mit dem Publikum. So liegen ihr die Workshops, die von Schulen im Rahmen des Vermittlungsprogramms „Schools4Schoools“ und die Eigenproduktion des Festivals, ein Film mit Jugendlichen von Max Biskup so wie die Aufführung der tanzfabrik-wien unter Mario Mattiazo mit gehörlosen TänzerInnen mindestens ebenso am Herzen wie die hochklassigen Abendvorstellungen.
Schon vor vielen Monaten hat Liz King von ihren Vorstellungen über das Festival gesprochen und gemeint, „das ganze Festspielhaus soll vibrieren.“ Beim Blättern durch das Programmheft wächst die Sicherheit, dass dieser Traum in Erfüllung geht, so reichhaltig und abwechslungsreich, animierend und überzeugend ist dieses ganz andere Festivalprogramm. Am einfachsten scheint mir, die vielfältigen Vibrationen in chronologischer Reihenfolge aufzuzählen.
Die Eröffnung des Festivals findet also am Mittwoch, 20. Juni, mit zwei Uraufführungen statt: Leonie Wahl zeigt einen Ausschnitt aus der gemeinsam mit Elio Gervasi erarbeiteten Choreografie „Exit 2-4-1“. Bernd Roger Bienert hat sich von einem Gedicht Elfriede Gerstls inspirieren lassen, das auch in den Pas de deux (Esther Koller, Kun-Chen Shi) eingearbeitet ist. Der Donnerstagnachmittag gehört der tanzenden Jugend. Volksschüler/innen aus dem 5. Wiener Bezirk beschäftigen sich in ihrem Tanzstück mit den Farben; die Hauptschüler/innen der zweisprachigen Schule in Großwarasdorf zeigen „Miks“, eine Mischung verschiedener Tanzrichtung und auch kultureller Vorstellungen von Tanz und Musik; das Tanztheater Springschuh (Isabel M. Nowak) hat das Kinderstück „Eisvogel“ erarbeitet und als rasanter Höhepunkt kommen die Bgld. Break Boyz, Schüler und Lehrlinge aus dem Raum Oberwart, ins Festspielhaus, um ihr Können zu zeigen. Zum Ausklang von „Schools4Schools“ dürfen alle Kinder in der Disco tanzen. Am Freitagnachmittag wird in einem Symposium über die Praxis geplaudert. Die ReferentInnen berichten über ihre Erfahrungen in der Tanz-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Am Freitagabend geht wieder der Vorhang hoch: D.ID/danceidentity zeigt das Tanzstück NY:X; x.IDA (die Tanzcompagnie aus Linz) bringt in einer Choreografie von Liz King „6 Dances for Newton“. Beiden Stücken ist gemeinsam, dass junge TänzerIinnen aus verschiedenen Nationen auftreten und auch ihre eigenen Ideen in die Choreografien einfließen ließen. Zwei renommierten Tänzerinnen gehört der Samstagabend. Stephanie Cumming zerlegt in der Choreografie von Chris Haring den menschlichen Körper in seine Einzelteile, bis das was an Körper präsentiert wird, eher einem Alien gleicht. Keine Angst jedoch - Haring / Cumming haben Humor und gestatten, dass gelacht wird. Anna Tenta lacht weniger, und träumt mehr. In ihrem mit Liz King entwickelten Solo taucht sie ins Unbewusste und besucht das „One Star Hotel. The lost address of anyone's dreams“. Ein schöner Titel, der sich selbst erklärt.
Am Samstagnachmittag zeigt Max Biskup die „Buchstabensuppe“, einen mit jugendlichen Darstellerinnen an fünf Drehtagen im Juni erarbeiteten „21. Jahrhundert-Noir-Musicalfilm“. Susanne Chambalu hat mit den musik- und tanzbegeisterten jungen Frauen trainiert. Danach gilt es zu lernen, dass Musik und Rhythmus nicht nur ein akustisches Ereignis sind, sondern auch ein kommunikatives Erlebnis. Auch nicht Hörende können tanzen, weil sie Klangwellen und Vibrationen über die Haut wahrnehmen und erfahren können. In „Membran“ zeigen Gehörlose welches Ausdruckspotenzial ihnen, trotz des fehlenden Sinnes, zur Verfügung steht. Dazu passt ein Workshop am Donnerstag, in dem können Kinder ab 12 erleben können, wie es ist, zu tanzen ohne auf herkömmliche Weise zu hören. Die Workshops für Kids und Teens beginnen übrigens bereits am Montag, 18. Juni. Hip Hop wird da ebenso angeboten wie klassisches Balletttraining oder kreativer Tanz für Kinder ab 4. Für Erwachsene sind auch die beiden Nachmittage am Mittwoch und Freitag offen, an denen Rosemary und Allan Castle zwei Stunden lang zum Square Dance einladen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, die einfachen Schritte werden vom Caller (eigens angereist der renommierte Caller Michael Braithwaite )angesagt.
Zum Abschluss sprudelt Gastgeberin Liz King noch einen Aufmunterungssatz heraus: „Alles ist Tanz und Tanz ist nicht schwer. Wir haben doch nur zwei Füße!“

Österreich tanzt 2007, 20. bis 23. Juni 2007, www.festspielhaus.at/programm/oesterreich-tanzt
Workshops ab 18. Juni, www.tanz4you.net

Ditta Rudle

Submit am 12.06.2007

 

All rights reserved © http://www.tanz.at

Zum Seitenanfang