Eine Geigerin steht Kopf und die Löwen tanzen im Paradies

Intendant Michael Birkmeyer gab einen Vorgeschmack auf die kommende Saison im Festspielhaus St. Pölten. Überaus appetitanregend, was er und sein Team auf dem Tanzboden anzubieten haben.

Allein die Namen, der ChoreografInnen, TänzerInnen und Compagnien, die in der Spielsaison 2007 / 08 im Festspielhaus St. Pölten gastieren werden, garantieren höchste künstlerische Qualität auf der Bühne, bei bester Unterhaltung im Saal. Die Choreografin Sasha Waltz etwa, die im Festspielhaus St. Pölten bereits mit ihrer Version der Purcell-Oper „Dido und Aeneas“ Begeisterungsstürme hervor gerufen hat, analysiert und zerlegt die Strukturen der Musik und setzt sie als choreografiertes Konzert wieder zusammen. Im Vivaldi-Dauerbrenner „Die Vier Jahreszeiten“ stellt der Tänzer Juan Kruz Diaz de Graio Esnaola die Geigerin Midori Seiler buchstäblich auf den Kopf. Gemeinsam mit der Berliner „Akademie für Alte Musik“ soll Musik sichtbar verkörpert werden. Nicht nur vier Jahreszeiten, auch die Elemente, ein Werk des weniger bekannten Barockkomponisten Jean-Féry Rebels hat sich Juan Kruz Diaz de Graio Esnaola aus der Compagnie „Sasha Waltz & Guests“ ausgesucht, um Musik auf der Tanzbühne sichtbar zu machen.
Auch das Aalto Ballett ist nicht zum ersten Mal in St. Pölten zu Gast, wenn es mit seinen Schwänen aus Essen anreist. Allerdings der übliche Tanz am„Schwanensee“ findet in der Choreographie von Stephan Thoss nicht statt. „Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee“ entfaltet sich ein ganz neuer Zauber. Nur die Musik bleibt die alte, wie immer von Peter I. Tschaikowsky.
Für Vater, Mutter, Kind sind die märchenhaften Tanzfantasien der Compagnie Montalvo-Hervieu. Die Marke des französischen Duos José Montalvo und Dominique Hervieu ist die perfekte Mischung aus Tieren und TänzerInnen - die einen entzücken in den nahtlos integrierten Videofilmen, die anderen begeistern live auf der Bühne . „Paradis“ heißt diesmal die poetische Stunde, in der keine ästhetischen Dogmen gelten und der Humor nicht zu kurz kommt. Ebenfalls für die ganze Familie ist die Peformance „Panama“, aus der belgischen Produktionsstätte Kopergietery. Andreas Denk und Johan de Smet haben ihren Janosch gelesen und sich auf eine Reise ins Land ihrer Träume gemacht. Mit Musik, Witz und überraschenden Ideen fordern sie Groß und Klein auf, mitzukommen.
Wie wunderbar es sich zu einem Oratorium tanzen läßt, zeigt das Leipziger Ballett mit Josef Haydns „Schöpfung“, einer Choreographie seines verstorbenen Chefs Uwe Scholz. Schließlich verschaffen Egon Madsen und Eric Gauthier, Tänzer des legendären Stuttgarter Ensembles, dem Publikum eine Begegnung mit „Don Quijote“ (Choreographie von Christan Spuck) und die Compañia Maria Pagés weckt mit „Flamenco Republic“ Sehnsucht nach einem fernen Land, in dem nur die Regeln des Tanzes gelten. Zuletzt, und dies nur aus Gründen der geordneten Chronologie, sei noch erwähnt, dass auch im nächsten Sommer das Festival „Österreich tanzt“ stattfinden wird. Heuer übrigens vom 20. bis 23. Juni; kuratiert von Liz King, heißt es bei Aufführungen, Workshops und Trainingskursen: Embody Dance - Tanz verkörpern.



Ditta Rudle

Submit am 04.05.2007

 

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