Impressionen aus Mannheim, Karlsruhe und Mainz |
Die Akademie des Tanzes in Mannheim bringt viel versprechenden Ballettnachwuchs hervor, den man im Badischen Staatstheater in Karlsruhe bewundern kann. Gute Tänzer sind auch beim ballettmainz kein Mangel, und bei den Festspielen Ludwigshafen war der wunderbare Cirque Eloize zu sehen. Eindrücke von einer dreitägigen Reise vom 5. bis 8. Dezember 2005 von Edith Wolf Perez. |
Eine Reise nach Deutschland bringt einen doch immer wieder ob der Tanzvielfalt ins Staunen. Mich verschlug es Anfang Dezember nach Mannheim. Ein zentraler Ausgangspunkt, denn Mainz, Stuttgart und Karlsruhe sind in je einer halben Stunde erreichbar. Und obwohl es zur Zeit meiner Reise keine Vorstellung am Stadttheater Mannheim gab, wo Kevin ODay seine zweite Spielzeit als Direktor bestreitet (mit gutem Erfolg, wie man hört) und leider auch keine in Stuttgart, haben Karlsruhe, Ludwigshafen und Mainz einen interessanten Einblick in ein vielfältiges Kulturangebot eröffnet. In Mannheim selbst gibt es ja bekanntlich die sehr erfolgreiche, von Birgit Keil geleitete Tanzakademie, deren SchülerInnen bei internationalen Wettbewerben immer wieder auf sich aufmerksam machen. Eine international besetzte Elevenschar wird hier auf das professionelle Tänzerleben mit Disziplin und Motivation vorbereitet. Zum Lehrerstab gehören unter anderem der ehemalige Solist des Stuttgarter Balletts, Vladimir Klos, die ehemalige Erste Solistin der Wiener Staatsoper Swetlana Kusnezowa. Stellvertreteterin der Chefin ist die ausgezeichnete Pädagogin Rosemary Helliwell. Motivation bieten aber nicht zuletzt die vielfältigen Bühnenauftritte, die die SchülerInnen im Badischen Staatstheater Karlsruhe bekommen, an dem Birgit Keil auch das Ballettensemble leitet. Dort hatte ich Gelegenheit am 7. Dezember eine Aufführung von Coppélia in der Inszenierung von Sir Peter Wright zu sehen. Es muss sich dabei um eine der überzeugendsten Versionen handeln, denn diese Coppélia ist witzig, kurzweilig und unterhaltsam und kommt ohne kindisches Getue aus. Freilich, die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts des Badischen Staatstheaters Karlsruhe sind auch von einer außergewöhnlich unbekümmerten und spielerischen Leichtigkeit. Sabrina Velloso ist eine schelmische, kokette und schlagfertige Swanilda, Flavio Salamanka steht ihr als Franz um nichts nach und Matthias Deckert zieht als schrulliger Dr. Coppélius alle Register der Ballett-Comedy. Zwei Akte lang pures Tanzvergnügen (inklusive der unumgänglichen Pantomime), dem dritten Akt mit seinen allegorischen Tänzen, auf die in den meisten Fassungen zu Recht verzichtet wird, konnte auch Sir Peter Wright keinen dramaturgischen Sinn geben. In Baden jedenfalls sind Tänzer und Tänzerinnen am Werk, die Hoffnung für das Genre Ballett geben technisch picobello und mit starker Persönlichkeit. Vorschusslorbeeren eilten auch meinem Besuch bei ballettmainz voraus. Ich sah dort am 5. Dezember das Programm XIX, einen dreiteiligen Abend, der mit einer über einstündigen Choreografie des Ballettchefs eingeleitet wurde. Tänze verhedderte sich in einer verschlungenen Musikdramaturgie von Carl Phillip Emanuel Bach über Haydn, Beeethoven, Schumann bis zu Wolfgang Rihm, Fahnensymbole verwiesen auf Europa, auf die EU, aber auch die Textfragmente wirkten in Bezug auf eine Aussage des Stücks nicht erhellend. Sehr musikalisch und emotional, auf durchaus stille Art und Weise, geriet das Mittelstück des Gastchoreografen Eric Oberdorff zur Musik von Arvo Pärt. Im letzten Teil des Abends zu einem Streichquartett von Witold Lutoslwski gab sich Schläpfer ganz neoklassisch. Trotz choreografischer Schwächen kann das Mainzer Ensemble auf ein sehr schönes Tänzersensemble bauen. Wie vielerorts ist der Ballettchef offensichtlich ein sehr guter Ballettmeister
Auf meinem Kurztripp ging sich am 6. Dezember auch noch ein Abstecher zu den Festspielen Ludwigshafen aus, wo ich das Gastspiel der bezaubernden Produktion Rain des Cirque Eloize aus Québec sehen konnte. Ein Traum aus Zirkus und Theater, abenteuerlicher Akrobatik und poetischer Clownerie, der in eine nostalgische Märchenwelt aus Kindheitserinnerungen, die zwischen Zeiten und Welten oszillieren, entführt; ein neuerlicher Geniestreich des kanadischen Ensembles in der Regie von Daniele Finzi Pasca, der schon für die vorangegangene Produktion der Gruppe, Nomades verantwortlich zeichnete.
|
Edith M. Wolf Perez |
Submit am 10.01.2006
All rights reserved © http://www.tanz.at
|