Flamenco

Flamenco Glossar von Tanja Thimm zusammengestellt

Flamenco-Glossar
Cante
Der Gesang. Einer älteren Gliederung nach wird der “cante flamenco” – ähnlich dem Tanz – in “cante grande” und “cante chico” – großer und kleiner Gesang – eingeteilt. Diese Gliederung jedoch gilt inzwischen als überholt, da es meist von der Interpretation der “cantaores” abhängt, zu welcher Kategorie der Gesang zuzuordnen ist.
Cante jondo
Einer älteren Einteilung nach ein tiefer und inniger Gesang, zu dem auch das religiöse Liedgut gehört.
Compas
Eigentlich Takt, im Flamenco jedoch steht “compas” für den Rhythmus, der jeweils mit einem bestimmten Flamencostil verbunden ist. Er ist im Prinzip der Grundschlag der Musik.
Fandango
Der “fandango” im allgemeinen ist eine Gattung des Volksliedes, die in Andalusien weit verbreitet ist. Der “fandango de Huelva” zählt neben dem “fandango de Cordoba” zu den folkloristisch gebliebenen Tänzen, nicht zu verwechseln mit den “fandangos grandes” oder den “fandangos” aus Malaga, Granada und Levante, die zumeist als Schöpfung einzelner Künstler überliefert sind und in das Flamencorepertoire eingegliedert wurden.
Granaina
Ein Gesang, der zu der Gruppe der “fandangos” gehört. Ob er tatsächlich aus der Gegend um Granada (wie die „fandangos”) abstammt oder eine Erfindung von Antonio Chacon ist, ist umstritten.
Malagueña
Ein “fandango” aus Malaga, Strophengesang, der aus vier oder fünf achtsilbigen Versen besteht, mit Kreuzreimen, die sich sowohl auf Vokale oder Konsonanten reimen können und die sich im allgemeinen dadurch in sechs Verse verwandeln, weil der erste oder dritte wiederholt wird. Sie wird als Prototyp der “cantes de Levante” betrachtet und ist aus den traditionellen “fandangos de Malaga” hervorgegangen. Es existieren verschiedene Arten von “malagueñas”, bekannt sind vor allem die Interpretationen von und nach Enrique el Mellizo, Juan Breva und Antonio Chacon. Sie gilt als eine der Königsdisziplinen im “cante jondo”.
Martinete
Der “martinete” wurde vor allem in den Schmiedewerkstätten gesungen. Sein “compas” wurde durch den metallisch hämmernden Klang der auf die Ambosse einschlagenden Schmiedehämmer bestimmt. Seine Texte handeln von der schweren Arbeit in den Schmieden und sind weniger von religiöser Natur. Heute wird die “martinete” – anders als die anderen Subgattungen der “tona” – auch getanzt. Da sie aber keinen festen “compas” hat, wird sie zu diesem Zweck meist im Rhythmus der “siguiriya” gesungen.
Media granaina
Ein Gesang, der Antonio Chacon zugeschrieben wird. Dabei handelt es sich um eine Variante der “granaina”.
Petenera
Die “petenera” ist ein Gesang, der einem Aberglaube nach Unglück bringen soll und deshalb nur selten gesungen wird. Die Geschichte der “petenera” erinnert ein wenig an die der Loreley. Ein schönes Mädchen namens Petenera, so sagt die Legende, soll von ihrem Liebhaber ermordet worden sein. Seitdem geht ihr Geist umher, um sich an den Männern zu rächen. Angeblich ist dieser “cante” jüdischen Ursprungs, denn manch einer der Texte (“letra”) spricht von einer schönen Jüdin, die in die Synagoge geht.
Saeta
Volkstümliche Gesänge, die in ganz Spanien verbreitet sind. Sie sollen Frömmigkeit und Bußbereitschaft fördern und werden während einer “via crucis” (einem Kreuzweg) oder den Prozessionen der “semana santa” (Karwoche) praktiziert. Das Wörterbuch der Academia espanola gab in seiner vierten Ausgabe aus dem Jahre 1803 folgende Definition der “saeta” an: “Jede der kleinen Strophen beinhaltet moralische und anklagende Aussagen, wie sie gewöhnlich den Missionaren zueigen sind und die auch in stillen Gebeten enthalten sind.” Es ist ein Gesang mit Strophen aus vier oder fünf achtsilbigen Versen. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt
es auch “saetas” mit flamenco-ähnlichem Charakter, meist als “siguiriyas” oder “martinetes”. Er wird anlässlich der Prozessionen der Karwoche vorgetragen und wendet sich an die vorbeigetragenen Prozessionsfiguren. Der Gesang wird generell ohne Begleitung vorgetragen, obgleich er bei den diskografischen Aufnahmen oft mit einem musikalischen Hintergrund von religiösen Märschen untermalt wird, der hauptsächlich aus Trommel- und Trompetenbegleitung besteht, wobei auch einige Aufnahmen mit Gitarrenbegleitung produziert wurden. Dem Anlass gemäß ist das zentrale Thema der Gesänge die Passion und der Tod von Jesus Christus und alle
Umstände, die hiermit einhergehen. Die Erscheinungsform der “saeta” als “cante flamenco” geht wahrscheinlich auf eine Zeit zurück, die weit vor ihrer Verbreitung in den frühen Zwanzigerjahren liegt, allerdings ohne dass man auf glaubwürdige Quellen ihres Ursprungs
verweisen könnte.
Siguiriya
Ursprünglich wurde die “siguiriya”, ein stark von den “gitanos” beeinflusster Stil, nicht getanzt. Erst Mitte der Zwanzingerjahre des 20. Jahrhunderts wurde sie für den “baile flamenco” entdeckt. Etwa 25 Jahre später wurden bei diesem Tanz erstmalig die Kastagnetten eingesetzt,
die weniger mit dem Flamenco, als mit der andalusischen Folklore zu tun haben. Heute ist die “siguiriya” nicht mehr von den Bühnen wegzudenken und zählt zum Grundrepertoire des Flamencotanzes.
Solea por bulerias
Die “solea” gehört zu den wichtigsten der Flamencotänze. Sie gilt als typischer Frauentanz und wird zumeist mit der “bata de cola”, einem langen Schleppenkleid, getanzt. Es heißt, sie wäre im 19. Jahrhundert das erste Mal von Rosario Monje getanzt worden. Die “solea” erreichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, bevor sie in den Dreißigerjahren für lange Zeit von den Bühnen verschwand und beinahe ganz in Vergessenheit geriet. “Por buleria”s bedeutet, dass die “solea” zum Ende hin in die heitere “buleria” übergeht.
Tangos
Flamencostil umstrittener Herkunft. Hier eine der Varianten: Der “tango” folgt, für den Flamenco eher ungewöhnlich, nicht einem Zwölfer-, sondern einem Viererrhythmus, ebenso wie der vom “tango” abstammende “tiento”, die aus Lateinamerika stammende “rumba” und die “colombiana”. Der “tango flamenco”, der nichts (mehr) gemein hat mit den argentinischen “tangos”, gehört zu den “cantes festivos”, den festlichen Gesängen. Zusammen mit der “siguiriya”, der “solea” und der “tona” bildet der “tango” die vier Grundfesten des Flamenco.
Tientos
Der “tiento” hat sich aus dem “tango” entwickelt, ist jedoch langsamer und getragener. Er erfordert – wie viele der getragenen “cantes” – sowohl von dem “cantaor” (Sänger) als auch von dem “bailaor” (Tänzer) wesentlich mehr Ausdrucksvermögen.
Tona
Die “tona” ist die älteste Form der Flamencogesänge. Sie wird ohne Begleitung (“a palo seco”) gesungen und nicht vertanzt. Sie ist ein sehr ernster und tiefer Gesang, beinahe wie ein archaisches Gebet.
Verdiales
Die “verdiales” sind Varianten des “fandangos” aus Malaga. Dennoch gehören sie nicht zu den Fandangoarten, deren Entstehung einzelnen Künstlern zugeschrieben wird. Juan Breva jedoch kreierte einen “cante”, der heute als Bindeglied zwischen den volkstümlichen “verdiales” und den “malaguenas” – ebenfalls einer Fandangovariante
- des Flamencos gilt.

Zusammenstellung des Glossars: Tanja Thimm
http://www.flamenco-germany.de
http://www.anda.de

Tanja Thimm

Submit am 31.10.2003

 

Online am Dienstag 31.10.2003

Lezte Online Aktualizierung am Donnerstag 04.12.2003 14:38

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