Ballettpressekonferenz: Das Ballett künftig als Arbeitsgemeinschaft

Passend zum Welttanztag am 29.4. wurde bei der Saison-Pressekonferenz des designierten Direktors Gyula Harangozó des Balletts der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper inklusive dem neuen sonnengleichen Logo das neue Konzept und der Spielplan vorgestellt.

Das von den beiden anwesenden Direktoren Holender und Berger forcierte Konzept wird von Gyula Harangozó umgesetzt, unterstützt von Mag. Simone Wohinz als kaufmännische Leiterin mit Holding-Erfahrung. Über die diesbezüglichen Praxiskenntisse verfügt der gebürtige Ungar mit österreichischem Pass durch seine zehn Jahre als Ballettdirektor des Ungarischen Nationalballetts, das sowohl die Budapester Staatsoper als auch das Erkel-Theater betanzt (und das manchmal sogar gleichzeitig). Seine Wiener Jahre als Erster Solotänzer kommen Gyula Harangozó jetzt ebenso zugute, da er somit über die internen Hausstrukturen Bescheid weiß.
Neu ist also, dass die Ballettcompagnie als Arbeitsgemeinschaft von Staatoper und Volksoper durch einen Kooperationsvertrag geregelt ist, in dem die finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet ist. Dass bei den Vorstellungs-Terminen weiterhin die Oper Vorrang haben wird, steht dazu in keinem Widerspruch, denn Engagements von SängerInnen müssen wesentlich langfristiger geplant werden, sagte Staatsoperndirektor Holender. 101 TänzerInnen werden in beiden Häusern tanzen. Vorgesehen sind 50 bis 60 Aufführungen in der Staatsoper und 30 bis 40 in der Volksoper.

Vier Premieren und sieben Abendfüller
Mit vier Premieren und einem umfangreichen klassischen Repertoire geht Harangozó für seine erste Spielzeit in Wien auf Nummer sicher: Neben den beliebten Klassikern „Dornröschen“, „Giselle“, „Nussknacker“ und „Schwanensee“ wird noch „Wie es Euch gefällt“ an der Staatsoper getanzt, in der Volksoper steht Alice@Wunderland auf dem Programm.
Die 1.Saisonpremiere findet am 19.11. in der Volksoper statt, wo der Ex-Stuttgarter Tänzer und nunmehrige Choreograph Ivan CAVALLARI seine „Tschaikowski Impressionen“ als Uraufführung zeigen wird. „Coppélia“ in der Choreographie von Gyula Harangozó sen. aus dem Jahr 1953 wird von Gyula Harangozó jun. selbst inszeniert und erstmals mit neuem Bühnenbild am 29.1. in der Staatsoper getanzt. Dem Mozartjahr wird mit der Premiere „Nicht nur Mozart“ am 16.3. in der Volksoper Rechung getragen. Neben den bekannt-witzigen Piecen „Petite Mort“ und „Sechs Tänze“ von Jiri Kylian gibt es unterhaltsamen „Mocca“ von Myriam Naisy zu Paolo Contes Musik sowie mit „Tabula Rasa“ des jungen ungarischen Choreographen András Lukács (auch als Halbsolist an die Compagnie engagiert) eine Uraufführung (Musik: Arvo Pärt). Das „klassische“ Premieren-Highlight ist „Onegin“ (Choreographie: John Cranko). Dieses Stück (in Wien noch nicht, in Budapest längst aufgeführt) ist ab 8.4. in der Staatsoper zu sehen. Mit einer Gala am 26.6. wird ein vielversprechendes Ballettjahr abgeschlossen, das mit dem „Diaghilew-Abend“ eingeleitet wird. Ein vielgestaltiges Repertoire ist das Ziel, um möglichst für jeden Publikumsgeschmack etwas zu bieten.

Personalrochaden
Als Ballettmeister ist Sandor NEMETHY vorgesehen, derzeit noch beim Staatsballett Berlin unter Malakhov beschäftigt. Der Titel „Erster Solist“/“Erste Solistin“ wurde abgeschafft, was schon im Vorfeld der Pressekonferenz für mediale Aufregung sorgte. Harangozó verteidigte die Frühpensionierungen und Entlassungen gleichmütig mit seinem Recht, mit Leuten seiner Wahl arbeiten zu wollen. Neu im Ensemble sind u.a. die SolistInnen Maria Iakovieva, Aliya Tanikpaeva, Irina Tsymbal und Balázs Delbó. Unter den geplanten GastsolistInnen finden sich außer den ehemaligen Ersten SolistInnen Margaret Illmann, Simona Noja und Gregor Hatala Namen wie Polina Semioniova (wird die Coppelia-Premiere tanzen) und Alina Cojocaru sowie Sergei Filin, Johan Kobborg, Vladimir Malakhov, Cesar Morales, Giuseppe Picone, Leonid Saraanov, Tamás Solymosi und Igor Zelensky.

Ira Werbowsky

Submit am 03.05.2005

 

Online am Dienstag 03.05.2005

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