The Lady sings the Blues

Carole Alston als Billie Holiday in Joe Zawinul’s Birdland

Sie war eine der größten Blues-Sängerinnen: Billie Holiday, die heuer 90 Jahre alt geworden wäre. Doch die Power der „Lady Day“ hat nur für ein 44-jähriges Leben gereicht, in dem sie durch Himmel und Hölle ging. Ohne den Nimbus einer außergewöhnlichen Künstlerin, würde man wohl von einer gescheiterten Existenz sprechen.
Prostitution, Alkohol, Drogen, Zuhälter, unglückliche Lieben, gewalttätige Männer – der persönliche Abstieg schien unvermeidlich und wurde durch einer rassistischen Gesellschaft gefördert, aus der Farbige weitgehend ausgeschlossen waren. Mit dem Mut der Verzweiflung suchte sie ihren Weg – entschlossen bis zur Sturheit, denn: „Ain’t nobody’s business if I do...“
Unter diesem Motto verkörpert Carole Alston die Jazz-Legende in ihrem „Tribute to a Blue Lady“. In acht Monologen und 13 Songs rollt sie Billie Holidays Leben und Musik auf, sehr zurückhaltend, respektvoll und zugleich schonungslos. Die optische Ähnlichkeit mit ihrem Alter Ego ist verblüffend, das Charisma ist beiden in die Wiege gelegt. Die Stimme ist anders. Alston intoniert die Songs jedoch mit ihrem eigenen samtig-dunklen Timbre und versucht gar nicht, die „kleine“, brechende Stimme der Holiday zu imitieren. Die Band um Uli Datler liefert einen bluesige Begleitung.
All das ergibt eine stimmige und berührende Hommage, die dem Publikum die emotionalen Konflikte einer Frau, die bis heute voller Widersprüche erscheint, nahe bringt.
Die Show ist noch bis 9. April im Birdland zu sehen (www.birdland.at)

Edith M. Wolf Perez

Submit am 07.04.2005

 

Online am Dienstag 07.04.2005

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