Harry-Potter-Choreograf und Islands Performance-Star

Von der ästhetisierten Sprache eines Wayne McGregor bis zum Tanztheater des Hans Hof Ensembles bieten die Tanztage 2005 im Posthof Linz alle aktuellen Spielarten des zeitgenössischen Tanzes, mit sieben Produktionen und vier Österreich-Premieren.

Von der ästhetisierten Sprache eines Wayne McGregor bis zum Tanztheater des Hans Hof Ensembles bieten die Tanztage 2005 im Posthof Linz alle aktuellen Spielarten des zeitgenössischen Tanzes, mit sieben Produktionen und vier Österreich-Premieren.

Im Zentrum des Programms steht eine Ausnahmekünstlerin der Performance Szene: Erna Ómarsdóttir. Die charismatische Isländerin, die besonders durch ihre Zusammenarbeit mit Jan Fabre bekannt wurde, präsentiert sich als Solistin und Choreografin.

Als Choreografin eröffnet sie das heurige Linzer Festival am 3. März mit „We are all Marlene Dietrich FOR“ in der der Mythos Marlene Ausgangspunkt für die Frage nach der Beziehung zwischen Soldaten und Künstlern ist. Regie führte der Theater-Allrounder Emil Hrvatin (unter anderem ist er Direktor der slowenischen Verlags- und Produktionsfirma Maska). Interpretiert wird die Performance „for soldiers in peace keeping missions, for everyone who cares, and for everyone who doesn’t care” von der Iceland Dance Company mit isländischen, slowenischen, belgischen und französischen Tänzern.

Als Soloperformerin tritt Erna Ómarsdóttir am 8. April in Erscheinung. „ IBM 1401, a user's manual“ basiert auf einer Anekdote des ersten Rechners, der in Island eingesetzt wurde: der IBM 1401. Er war wohl der sympathischste Computer aller Zeiten, denn der musikalische Rechner eroberte nach seinem Start im Jahr 1964 rasch die Herzen der Techniker. Mit dem richtigen Programm und einem Mittelwellenradio gelang es ihnen, die Störfrequenzen des Prozessors in Töne umzuwandeln. So ratterte der Zeilendrucker Märsche, und die Recheneinheit dudelte Weihnachtslieder. Als IBM 1401 schließlich einem weniger musikalischen Nachfolgemodell weichen musste, brach bei den Programmierern Trauerstimmung aus – der IBM 1401 wurde würdig zu Grabe getragen.
Erna Ómarsdóttir findet, dass wir uns über die Abhängigkeit des Menschen von der Maschine nicht so schrecklich sorgen müssen, denn um mit den Maschinen gedeihlich zu koexistieren, müssen wir nur die Gebrauchsanweisungen studieren. Die elektrisierende Tanzperformance zur Komposition Jóhann Jóhannssons mit Fragmenten von Originalmusik des IBM 1401 pendelt zwischen Körper und Maschine und menschlicher und künstlerischer Intelligenz.

Doch die Tanztage 2005 haben darüber hinaus nicht nur weiteres Hochkarätiges, sondern auch sehr Gegensätzliches zu bieten: Ein weiteres Highlight steht am 2. April mit dem britischen Erfolgschoreografen Wayne McGregor und seiner Random Dance Company, Residenzensemble im Sadler’s Wells Theater in London, auf dem Programm. Sein neuestes Projekt: er ist Choreograf beim Harry-Potter-Film 4. McGregor verbindet seine präzise, athletische, energiegeladene, ästhetische und technisch ausgefeilte Tanzsprache gerne mit computergenerierten Animationen, Videoinstallationen oder Fashion Design. In „Nemesis, Part 1“ sind die In-Designer Stonerwood & Bryce beteiligt, gefolgt vom Solo „Xenathra“ und „Polar Sequences“.

"...eine faszinierende Mischung aus Tanz und Theater, eine Körpersprache glasklarer Gesten und wundersamer Impulse... die Tanzenden kreieren eine wundersame Atmosphäre von Langsamkeit und schwebender Zeitlosigkeit... nicht umsonst gehört die Zürcher Compagnie zu den wichtigsten und eigenwilligsten der Schweizer Szene", schreibt die Luzerner Zeitung über die Compagnie Drift, die in „Heidenspaß und Höllenangst“ eine allegorische Zeitreise ins Mittelalter unternimmt, wo sich vielarmige Wesen, wüste Männertiere, keusche Mädchen und niederträchtige Kerle herumtreiben. (14. April)

Für ihr surreales zeitgenössisches Stück "Morgen Gestorben" (27. April) ließ sich die Choreografin Andrea Boll vom literarischem Meisterwerk "Der Meister und Margarita" des russischen Autors Michail Bulgakov (1891-1940) inspirieren. Gemeinsam mit den anderen sechs AkteurInnen des niederländischen Hans Hof Ensembles nutzt die Künstlerin Motive aus dem Roman für eine dichte, tanztheatrale Bearbeitung. "Die Eleganz der Bewegungen ist berückend: ob die fünf Tänzer akrobatisch rollen, drehen oder springen, alles geschieht in rasantem, geschmeidigen Fluss, der den Zuschauer gebannt mit sich fortträgt... ein surreales Tanztheater mit unheimlicher Atmosphäre und viel absurder Komik." (Abendzeitung)

Nicht zu vergessen die österreichischen Produktionen „Patch“ von Kabinett ad Co., eine Performance über Patchwork-Identität von Paul Wenninger / Tanz, Fritz Rainer / Komposition und Florian Schmeiser / Video, und „Follow the Flow“ von Pilottanzt, die vom Posthof mitprduziert und Anfang Februar im Wiener Tanzquartier uraufgeführt wurde.

Edith M. Wolf Perez

Submit am 23.02.2005

 

Online am Dienstag 23.02.2005

Lezte Online Aktualizierung am Mittwoch 23.02.2005 17:00

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