The aDvANCE Project
First Job Auditions
Australian Dance Theatre Held
Maria Pages
Nijinski Gala
Zum dritten Mal versammelte sich die internationale Tanzwelt von 14.
bis 18. Dezember beim Monaco Dance Forum. Anziehungspunkte waren dabei sowohl
die First Job Auditions, die Tanz-und-Technologie-Workshops und Installationen,
die Showcases und Aufführungen, Konferenzen und die Gala zur Verleihung
der Nijinsky Awards, eine Art Oscar der Tanzwelt. In den weitläufigen Räumlichkeiten des Grimaldi-Forums versucht das Monaco Dance Forum seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2000 den Spagat zwischen traditionellen und avantgardistischen Formen des Tanzes, zwischen der Ästhetik der Bühnenkunst und der Computertechnologie. Durch ein derart breit angelegtes Spektrum bleibt der Gesamteindruck zwangsläufig verwässert, was keineswegs bedeutet, dass sich in den spezifischen Veranstaltungen nicht substanzielle Wissensgründe auftaten.
The aDvANCE Project
Einen prominenten Platz im Programm des Monaco Dance Forum nahm die Konferenz
unter dem Titel aDvANCE Project ein, die von der Organization for the Transition
of Professional Dancers (IOTPD) veranstaltet wurde. Über 100 Teilnehmer diskutierten drei Tage lang über Möglichkeiten, den Karrierwechsel für Bühnentänzer zu erleichtern ein immanentes Problem des kurzen Tänzerberufs. Seit 1993 setzt sich die IOTPD auf internationaler Ebene mit dieser Problematik auseinander und propagiert die erfolgreiche Arbeit der vier Serviceorganisationen für die Umschulung von Tänzern in den Niederlanden, Großbritannien, Kanada und in den USA.
Im Mittelpunkt des Treffens in Monaco stand die Forschungsarbeit von William Baumol, Joan Jeffri und David Throsby: Making Changes: Facilitating The Transition Of Dancers To Post-Performing Careers (Veränderungen machen: Den Übergang von Tänzern nach der Bühnenkarriere erleichtern - 2004). Erstmals gibt es damit eine statistische Grundlage über die sozio-ökonomischen Charakteristika von Tanz in elf Ländern (Australien, Kanada, England, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Japan, Mexiko, Niederlande, Schweiz und USA). Statistische Daten sind für die Durchsetzbarkeit von sozialen Einrichtungen für Tänzer unabdingbar. Diese Methodologie bietet nun eine Modell für die Datensammlung in anderen Ländern, die im Rahmen der Studie nicht erfasst wurden.
Die Erhebungen der nationalen Tanzindustrien umfasst Daten zu Ausbildung, Förderungen der öffentlichen Hand und von privaten Quellen, zur Anzahl von beschäftigten und arbeitslosen Tänzern, von Tanzcompagnien und Institutionen, die mit Tanz zu tun haben, zu Größe und Charakteristik des Publikums sowie zu institutionellen Strukturen und Methoden für die Unterstützung von Tänzern (Sozialhilfe, Pension etc.)
Bei den Tanzformen war das Untersuchungsspektrum breit angelegt, von klassischem Tanz (Ballett), über Modern/Zeitgenössisch, Volkstanz, Musical und kommerziellen Tanz bis hin zur Kategorie andere, in die etwa Tanz für Film und Fernsehen, Modeschauen etc. fallen. Bei der Definition professionell, die in jedem Land unterschiedlich gehandhabt wird und bei Künstlern nicht unbedingt an den Verdienst durch diesen Beruf gekoppelt ist, haben die Autoren eine pragmatische Lösung gefunden und eine Mischung aus Faktoren herangezogen wie Ausbildung, Ernsthaftigkeit bei der Ausübung der künstlerischen Karriere, Standard, Einkommen und Zeitaufwand für die künstlerische Arbeit.
Zur Frage des Karrierewechsels gab es in den USA, in der Schweiz und in Australien darüberhinaus extensive Erhebungen, die teils widersprüchliche Ergebnisse brachte: Tänzer haben im Schnitt eine höhere Schulbildung als der Bevölkerungsdurchschnitt. Die Erwartungshaltung von aktiven Tänzern über die Länge ihrer Bühnenkarriere stimmt nicht mit der Realität überein. Aktive Tänzer gaben an, dass sie bis über 40 tanzen wollen, ehemalige Tänzer gaben aber bereits im Alter von Anfang bis Mitte dreißig auf. 93 bis 98 Prozent der Tänzer in den drei Ländern gaben an, sich der Probleme beim Karrierewechsel bewusst zu sein, aber viele ehemaligen Tänzer fühlten sich darauf schlecht vorbereitet. Die Mehrheit der aktiven Tänzer wollen weiterhin im Tanzbereich tätig sein. Tatsächlich werden viele der ehemaligen Tänzer Tanzlehrer, ein Beruf, in dem aber nur 4 Prozent von ihnen zufrieden sind. Von den ehemaligen Tänzer, die sich an die Umschulungszentren für Tänzer gewand haben, bleiben nur 10 bis 15 Prozent im Tanzbereich. Die überwältigende Mehrheit optiert also in andere Berufsbereiche. Obwohl spezifische Umschulungsprogramme von Tänzern begrüßt werden (in allen drei Ländern gibt es eigene Programme und Institutionen), hat die Mehrheit der ehemaligen Tänzer den Umstieg auf eine andere Karriere geschafft, ohne diese Institutionen in Anspruch zu nehmen.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Einstellung in Ballettcompagnien geändert, die nun vielfach Möglichkeiten bereitstellen, dass Tänzer sich bereits während ihrer Bühnenkarriere umschulen können. In der Studie sind alle Institutionen aufgelistet, die aktive Unterstützung beim Karrierewechsel bieten, darunter Compagnien wie Alvin Ailey American Dance Theater, das American Ballet Theatre, das Royal Ballet London. Die Autoren haben die Hilfsmaßnahmen beim Karrierewechsel von Tänzern evaluiert und eine Reihe von Empfehlungen für Umsetzung, Finanzierung, Ausbildung und Beratung formuliert.
Daran anschließend entwarf Mindy N. Levine einen Aktionsplan für den reibungsloseren Karrierewechsel von Tänzern in sechs Schritten für Ausbildungsstätten, Compagnien und Gewerkschaften, für spezielle Umschulungszentren, für Förderer, staatliche und politische Einrichtungen. (Beyond Performance. Building A Better Future For Dancers And The Art Of Dance Über die Performance hinaus. Eine bessere Zukunft für Tänzer und die Kunst des Tanzes bauen)
Levine sprach vom Roten Schuhe-Syndrom. Wir leben glücklicherweise nicht in der Welt von Die Roten Schuhe, aber wir leben auch nicht nicht in der Welt von Die Roten Schuhe, sagte sie. Zwar sprechen immer mehr Compagnien das Problem des Karrierewechsels schon während der aktiven Tänzerlaufbahn an, doch nun müssten sich auch die Ausbildungsstätten der Problematik öffnen und ihre Einstellung zum Tänzerberuf adaptieren. Eine weitere vordringliche Aufgabe bestehe darin, die Sozialprogramme, die in den einzelnen Ländern vorhanden sind, an die Notwendigkeiten der Tänzer anzupassen, sagte Levine.
Die beiden Publikationen (erhältlich über www.iotpd.org) gaben reichlich Stoff für Diskussionen. Dabei bestätigte sich, dass die Voraussetzungen in den einzelnen Ländern so unterschiedlich sind, dass das Problem des Karrierewechsel in jedem Land unterschiedlich angegangen werden muss.
So hat Jean Christophe Maillot, Leiter der Ballets de Monte Carlo eine eigene informelle Regelung gefunden: Tänzer, die aufhören wollen, werden nicht mehr für neue Rollen eingeteilt. Während der Probenzeit für neue Stücke haben sie so Zeit, sich in anderen Berufsfeldern umzusehen. Bisher konnten 17 Tänzer erfolgreich umschulen.
Immer wieder wurde betont, dass Tänzer für den heutigen Arbeitsmarkt bestens gerüstet seien und der Kompetenztransfer von Disziplin, Kreativität, Flexibilität und Ausdauer in anderen Berufen sehr nützlich sei. Dennoch ist eine akademische Qualifikation während der Tanzausbildung eine wichtige Voraussetzung für die weitere berufliche Laufbahn. Wie sich in Fallstudien immer wieder zeigt, ist sie aber auch essentiell für den künstlerischen Prozess. Obwohl zeitgenössische Tänzer tendenziell besser ausgebildet sind als ihre Kollegen vom klassischen Ballett, erschwert ihr Status als freie eine formale Umschulungshilfe.
Viele Themen wurden in den dreitägigen Diskussionen angerissen und es ist dem Pragmatismus des Gründers der IOTPD, Philippe Braunschweig zu verdanken, dass die dreitägige Konferenz mit einem konkreten Ergebnis, einer Resolution, abschloss.
siehe: The aDvANCE Project Deklaration of Monaco
Apropos: Im Jänner ist zu diesem Thema ein Buch herausgekommen, das belegt wie vielseitig die berufliche Neuorientierung von professionellen Tänzern ist: Maja Langsdorff Ballett und dann? Lebensbilder von Tänzern, die nicht mehr tanzen mit Fallstudien zu 26 Einzelschicksalen von ehemaligen Tänzern in Deutschland und in der Schweiz (siehe
Bücher).
First Job Auditions
An zwei Tagen fanden die First Job Auditions statt, bei denen über 120 Tänzer und Tänzerinnen nach einer Vorauswahl zugelassen wurden. Direktoren verschiedener Compagnien evaluierten die Eleven, 20 von ihnen erhielten eine Stipendium, um eine Compagnie zu besuchen und mitzuarbeiten. Bemerkenswert: Zehn davon kamen von Ausbildungsstätten aus Spanien, aus dem Real Conservatorio Profesional de Danza Madrid und vom Maria dAvila Studio aus Zaragosa.
Unter den TeilnehmerInnen herrschte jedoch teilweise Enttäuschung vor. Zu wenige Direktoren von großen Compagnien waren vor Ort, das Hauptgewicht wurde auf zeitgenössischen Tanz gelegt, monierten sie. Doch die angehenden BalletttänzerInnen haben weit größere Ambitionen.
Etwa Avetik Karapetyan, ein Schüler der Heinz-Bosl Ballett Akademie München. Er hat nach der Audition in Monaco eine Einladung zum Royal Swedish Ballet in der Tasche. Sein Traum ist es jedoch, in München oder Berlin zu tanzen. Die Direktoren der großen Ballettcompagnien seien an langen Auditions nicht interessiert, meint die Direktorin der Heinz-Bosl Ballett Akademie Konstanze Vernon. Außerdem haben sie es nicht notwendig extra nach Monaco zu kommen, denn wenn sie einen Vortanztermin ausschreiben, kommen doch ohnehin alle angereist.
Dass heuer nicht so viele Direktoren kamen, wie man erhofft hatte, geben auch Karl Burnett und Christine Anthony zu, die die Auswahl der Auditions-Teilnehmer getroffen hatten. Es wäre die falsche Zeit, so kurz vor Weihnachten, wo die Ballettcompagnien doch meist mit ihrem Nußknacker beschäftigt sind.
Zwei Aufführungen vom Feinsten
Die spektakulären Tanzfotos von Lois Greenfield geben Anlass zu Spekulationen: Sind hier nicht doch Studiotricks oder Fotomontagen im Spiel? (Photoshop-Bearbeitungen waren auszuschließen, denn die Bilder von Lois Greenfield sind bereits aus einer Zeit bekannt, in der die Software noch nicht einmal erfunden war). In Held (Gehalten) mit dem Australian Dance Theatre kann man der Meisterin der Tanzfotografie nun bei der Arbeit zuschauen. Sie ist mit ihrer Kamera live auf der Bühne und Sekunden später erscheinen die Fotos auf Displays. Nix mit Schwindeln. Diese Frau trifft (fast) immer den entscheidenden Momente zwischen Höhenflug und freiem Fall. Im Laufe des Stücks spielt sie auch mit einem Makroobjektiv und hält Körperdetails fest, an anderer Stelle entstehen in Mehrfachüberblendungen fotografische Bewegungsabläufe. Die Choreografie von Garry Stewart und den Tänzern des Australian Dance Theatre passt perfekt zu Greenfields Ästhetik. Der Tanz ist akrobatisch, vehement, risikofreudig und wagemutig. Die Tänzer fliegen durch die Luft, um von der Kamera eingefangen zu werden. Der Bewegunsstil erinnert an Edouard Locks Lalala Human Steps der späten 80er Jahre, und der erweist sich auch heute noch als unvermindert sexy.
Castagnetten, Batones, Fächer, ausgezeichneter Flamencotanz und großartige Musiker mit dieser Mischung kreiiert María Pagés einen heutigen Flamenco, der sich an den Wurzeln der Tablaos orientiert. María Pagés begann ihre Karriere in der Compagnie von Antonio Gades und gründete 1990 ihre eigene Compagnie, mit der sie weltweit auf Tournee war. 1995 trat sie in der Riverdance Show auf, mit Carlos Saura arbeitet in den Filmen Carmen, El Amor Brujo und Flamenco. Ihre vielfältige Bühnen- und Filmerfahrungen prägten ihre Ästhetik nachhaltig. In Canciones antes de una Guerra experimentiert sie mit Elementen aus dem modernen und Jazztanz, mit Musik von Luis Amstrong und John Lennon und mit einer eigenwilligen Bühnenaufteilung für Musiker und Tänzer.Flamenco Republic nennt Pagés ihre Mischung gefühlsbetonter Flamencogesänge über die Freude, das Leben, die Sehnsucht und die Traurigkeit, die mit Ironie, Humor, viel Temperament und Eleganz über die Rampe kommen. In dieser Choreografie greift sie auf die eingangs erwähnten traditionellen Flamencotechniken zurück, die man heute nur noch selten auf der Bühne sieht.
Die Oscars des Tanzes
Das Abschlussevent, die Gala Nijinsky am 18. Dezember, präsentiert sich in Glanz und Glamour: Karl Lagerfeld, Modeschöpfer und Fotograf eine Ausstellung seiner Portraits von Tanzpersönlichkeiten gab es im Foyer des Grimaldi-Forums zu bewundern - eröffnete, die Schauspielerin Charlotte Rampling führte durch das Programm und die Preise wurden unter anderem von Prinz Albert und Prinzessin Caroline von Hannover überreicht. Und doch bleibt am Ende des Tages von den à la Hollywood präsentierten Nijinsky Awards ein fahler Nachgeschmack. Zwei Empfänger der heurigen Nijinsky-Awards waren nicht bei der Gala anwesend und schickten Vertreter, um den Preis entgegenzunehmen: Nicolas Le Riche vom Ballett der Pariser Oper (Bester männlicher Tänzer) und William Forsythe (Beste Choreografie für Decreation). Waren Sie wirklich verhindert oder ist (ihnen) diese Auszeichnung nicht so wichtig? Dankbar nahmen hingegen Alina Cojocaru vom Royal Ballet (Besten Tänzerin) und Shen Wei, künstlerischer Leiter der Shen Wei Dance Arts (Bester Nachwuchschoreograf) ihre Preise entgegen. Natürlich wurde auch bei diesem Anlass des 100. Geburtstags von George Balanchine gedacht, mit einem Video mit einem bisher unveröffentlichten Interview. Suzanne Farrell, Muse und Ehefrau von George Balanchine, hielt eine Gedenkrede, die sich durch Würde und Emotionalität auszeichnete. Doch welcher Schelm hat die Veranstalter wohl geritten, als sie ausgerechnet nach der Balanchine-Ehrung Richard Move en travestie als Martha Graham auf die Bühne holten? Dieser einzige Live Act während der Award-Zeremonie war einfach geschmacklos und und verfehlte seinen Witz - den er in Night Clubs angeblich hat - völlig. Den Abschluß bildete ein Ausschnitt aus der neuen Produktion von Les Ballets de Monte Carlo. (Die Premiere fand einige Tage später, am 26. Dezember 2004, statt.) In Memoriam von Sidi Larbi Cherkaoui ist seine erste Arbeit für ein klassisches Ensemble und er nützt dessen Kunstfertigkeiten mit großem Respekt und Einfühlungsvermögen. Zur live Musik der korsischen polyphonen Männergesangsgruppe A Filetta schafft der 28jährige Choreograf berührende und eindringliche Bilder über das Erinnern, die thematisch von einem Video im Bühnenhintergrund unterstützt werden. Ein interessanter Einblick in diese neue Etappe eines der begabtesten Tanzschöpfer unserer Tage. Und auch eine Bestätigung für den Wert des Nijinsky Awards, der 2002 an Cherkaoui als Besten Nachwuchschoreografen ging. Er hat ihm die Türen in die Welt des Balletts weit geöffnet.
Edith M. Wolf Perez
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The aDvANCE Project Deklaration of Monaco
18. Dezember 2004
In jeder Kultur und zu jeder Zeit haben die Menschen getanzt um zu feiern, zu trauern, zur Unterhaltung, um aufzuklären, zur Bestätigung von Geist und Körper und um Momente transzendentaler Schönheit und Verwandlung zu schaffen. Temporal und flüchtig kommuniziert der Tanz wesentliche Mitteilungen, die über Sprachen und kulturelle Grenzen hinweg mitschwingen. Über Worte hinausreichend verkörpert der Tanz eindringliche Botschaften über zentrale Dramen des menschlichen Lebens seien sie spirituell, intellektuell, ästhetisch oder politisch
Karrierewechsel ist unvermeidlich und daher ein integraler Aspekt im Leben des Tänzers.
Aus: Mindy N. Levine, Beyond Performance: Building A Better Future For Dancers And The Art Of Dance (2004)
In den letzten zehn Jahren hat das Bewusstsein über die vielfältigen Dimensionen von Karrierewechsel international zugenommen. Zum Wachstum und zur Entwicklung der vier formal anerkannten Programme zum Berufswechsel, die zwischen 1973 und 1986 in Großbritannien, Kanada, in den USA und in den Niederlanden organisiert wurden, entstanden in einer Reihe von Ländern Initiativen, in denen Verbesserungen der Umstände von Tänzern und Themen zum Karrierewechsel angesprochen wurden.
Große Herausforderungen bleiben bestehen. Das aDvANCE Project wurde ins Leben gerufen, um internationale Forschungsstudien und begleitende Dokumente, die sich für den Karrierewechsel einsetzen, in Auftrag zu geben. Im Zuge dieses Prozesses kamen folgende Beobachtungen zutage: Wir kennen keinen anderen Beruf, der solch extensives Training verlangt und als kulturellen Beitrag eine solche Wertschätzung erfährt und so schlecht bezahlt ist
Langfristig erfordert die Vitalität der Tanzausübung selbst die Aufmerksamkeit des Wohlfahrtsstaates und von denen, die damit befasst sind
Die Unzulänglichkeit von Unterstützung beim Wechsel stellt nicht nur eine bedeutende Herausforderung für den individuellen Tänzer dar, sondern führt zu sozialen Kosten in der Form von verschwendetem Humankapital.
Aus: William Baumol, Joan Jeffri und David Throsby, Making Changes: Facilitating The Transition Of Dancers To Post-Performing Careers (2004).
Teilnehmer aus 15 Ländern sind vom 16. bis 18. Dezember 2004 in Monaco zusammengekommen, um oben erwähnte Dokumente zu reflektieren und darüber zu diskutieren. Die Teilnehmer nahmen die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Studien an und haben sich auf folgende Punkte geeinigt: Assistenz beim Karrierewechsel ist ein Schlüsselindikator für die Wertschätzung der Tanzkunst und von professionellen Tänzern in bestimmten Gesellschaften. Tänzer, Tanzschulen und Ausbildner, Tanzcompagnien und deren Stab, Gewerkschaften, andere Tanzorganisationen, Regierungen und ihre Institutionen, Finanziers und Förderer, Publikum und die gesamte Gesellschaft tragen Verantwortung bei den Herausforderungen des Karrierewechsels. Der professionelle Tänzer verfügt über hochentwickelte transferierbare Fähigkeiten, die für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft im Allgemeinen großen Wert haben.
Daher kamen die Teilnehmer zu folgenden Lösungen: Zusammenarbeit, um Methoden für Dienstleistungen zum Karrierewechsel zu entwickeln, die von Tänzern gefordert werden und für die jeweiligen Umstände in der Gemeinschaft und für alle professionellen Tänzer geeignet sind, und einander auf internationaler Ebene bei diesen Bemühungen zu unterstützen. Informationen zu sammeln etwa Beispiele von best practice, spezielle Modellprogramme, Forschung und andere Mittel und über die International Organization for the Transition of Professional Dancers und ihre Homepage www.iotpd.org zugänglich zu machen. Lösungen beim Karrierewechsel durch existierende Beziehungen und neue Partner innerhalb und außerhalb der Tanzgemeinschaft zu propagieren. Empfehlungen auszusprechen: Für die Anerkennung, dass Tänzer einen gleichwertigen Status wie andere Berufsgruppen genießen, einschließlich Entschädigungen und andere Arbeitsbedingungen und -voraussetzungen Für die Anerkennung, dass Tänzer karrierespezifische Interessen haben, die zielgerichtete Lösungen erfordern. Für die notwendige finanzielle Unterstützung und Anerkennung, dass die Investition in die Umschulung von Tänzern ein ethischer Impertiv und Teil der Kosten für die Förderung des Tanzes ist und den Tänzern und der Gesellschaft langfristig Vorteile bringt. Sich 2006 im Rahmen des 20. Geburtstags des holländischen Umschulungsprogramms wieder zu treffen.
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