Graz will ein Tanzhaus |
Tanznetz Graz, eine Vereinigung von Internationaler Bühnenwerkstatt Graz, Steirischer Kulturinitiative, Off-Szene Graz und Eveline Koberg, veranstaltet von 21. November bis 3. Dezember Tanzevents unter dem Titel Site in Sight eine Lobbyveranstaltung für die Realisierung eines Tanzhauses |
Das Haus ist eine Etage. Die allerdings ist so groß, dass dort mehrere Studios eingerichtet werden könnten und so ein Tanzzentrum in der steirischen Landeshauptstadt bilden könnten. Noch fehlen die Gelder zur Adaptierung der Räume und auch für die Betreibung, doch die Proponenten sind guten Mutes, dass sie durch ihre Aktion ihr Anliegen nachhaltig im öffentlichen Bewusstsein verankern können. Schließlich hörte man bei der 2. Grazer Kulturdialog-Veranstaltung des Kulturamts (16. November) vom zuständigen Stadtrat Christian Buchmann, dass die Reserven der Kulturhauptstadt 2003 der Szene in Form von Infrastruktur-Investitionen zufließen sollten. Site in Sight eröffnete am 21. November mit einer Galavorstellung, an der unter anderem Tänzer der Wiener Bundes- und Landestheater teilnehmen. Tanz im Film im Kunsthaus, eine weitere Vorstellung von Extremotions love hurts von Tanz, Graz (>>>zum Stück siehe Kritiken). Präsentationen der Grazer off-Szene, von Tango Grazioso, Butoh von Yukimo Yoshioka und Eva Brunner sowie Workshops im Tanzhaus und ein Clubbing im Dom im Berg versprechen ein dichtes Tanzerlebnis bei dieser Lobbying-Aktion. Eine Protagonistin der Grazer Tanzszene, Mona May zeigte in der vergangenen Woche ihr neues mehrteiliges Programm mit vier Tänzerinnen und einem Tänzer, die es unter der Leitung der engagierten Tänzerin, Choreografin und Pädagogin in fünfjähriger Aufbauarbeit zu einem respektablen tanztechnischen Level gebracht haben und zu Ausdrucksstärke mitbringen. Aufführungsort war das Kristallwerk, ein flexibler Raum in einer ehemaligen Seifenfabrik für die freie Theater- und Tanzszene. Höhepunkt des Abends am 16. November war das bedrohlich-bedrückenden Stück scure, das sich verbal und körperlich dem Thema Missbrauch nähert. Der Sound von Thomas Bergner, der auch für die anderen Stücke des Abends den Score lieferte, klingt wie eine hängen gebliebene Schallplatte und die choreografischen Elemente verdichten sich ebenfalls in der Wiederholung zu einer Stimmung wie aus einem Nouvelle-Vague-Film. Eine Straffung des etwa 40-minütigen Stückes hätte wohl die anfängliche Intensität bis zum Schluss bewahrt. Das Szenario der Gruppe Ge(h)zeiten erinnert an die Anfangsjahre in Wien vor etwa zwei Jahrzehnten, als auch einige Pioniere unter schwierigsten Bedingungen die heute so reiche Tanzszene begründeten. Graz hat also Einiges aufzuholen, ein Tanzhaus könnte bei diesem Prozess enorm helfen.
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Edith M. Wilf Perez |
Submit am 22.11.2004
Online am Dienstag 22.11.2004
Lezte Online Aktualizierung am
Dienstag 24.06.2003 12:33
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