Nicht nur ein neuer Name

Das Wiener Konservatorium auf dem Weg von der Musikschule zur Universität

Das neue Logo des Wiener Konservatoriums ist nur das äußere Zeichen einer tief gehenden Umstrukturierung der einstigen „Musikschule der Stadt Wien“. Mit der Ausgliederung aus der Magistratsverwaltung der Stadt und der Umwandlung in eine GmbH („Konservatorium Wien“) ist der erste Schritt auf dem Weg zur Privatuniversität getan. Das Akkreditierungsverfahren bei den zuständigen internationalen Institutionen ist nahezu abgeschlossen. Der künstlerisch-pädagogische Leiter Ranko Markovic rechnet, dass es schon ab dem Sommersemester möglich sein wird am Konservatorium ein Universitätsstudium zu beginnen und nach (mindestens) 8 Semestern mit einem Diplom als Bachelor of Art oder Master of Art (BA / MA) belohnt zu werden.
Für Markovic und sein Team ist die Ausgliederung aus den „Musiklehranstalten Wien“ (Musikschulen und Kindersingschule) kein „Abschieben sondern eine wesentliche Verbesserung“. Die neue Konservatoriums Gesellschaft , ein Unternehmen der Stadt Wien, hat eine Art Fünfjahresplan erstellt, sowohl für die innere Umstrukturierung als auch für die Finanzierung. Durch das Finanzierungsübereinkommen mit der Stadt Wien ist der Betrieb ausreichend abgesichert.
Erste sichtbare Zeichen der inneren Erneuerung des Konservatoriums Wien ist die Neubesetzung dreier wichtiger Abteilungen, deren bisherige LeiterInnen (Lucia Meschwitz, Robert Opratko und Elfriede Ott) emeritiert sind. Für die Abteilung Schauspiel konnte Tim Kramer gewonnen werden, der das Max-Reinhard-Seminar in Wien absolviert hat, bei Lee Strasberg, John Neumeier und John Cranko war und auch in Österreich als Regisseur gearbeitet hat. Erhard Pauer, als Schauspieler und Regisseur bestens bekannt, hat die Abteilung „Musikalisches Unterhaltungstheater“ übernommen und denkt über einen neuen Namen seines Instituts nach, „sonst kommen die falschen Buben. Ich will ein Schlimme-Buben- und –Mädel-Ensemble, ausdrucksstarke Typen.“ Der künstlerische Direktor der Vereinigten Bühnen Wien, Michael Pinkerton, leitet seit Anfang September die Abteilung „Gesang und Oper“. Im kommenden Jahr wird auch die Abteilung Ballett eine neue Leiterin (oder einen Leiter) brauchen. Dann nämlich geht der jetzige Vorstand, Karl Musil, in Pension. Für den modernen Tanz ist nach wie vor Nikolaus Selimov vom TanzTheater Homunculus zuständig.
Mit der Erhebung des Konservatoriums zur Universität soll auch auf die Forschung mehr Wert gelegt und die Durchlässigkeit und Vernetzung der einzelnen Abteilungen voran getrieben werden. Der spartenübergreifende Unterricht und eine ebensolche Forschung ist erklärtes Ziel des „neuen“ Konservatoriums. Wichtig ist Direktor Markovic auch die Öffnung nach außen. LehrerInnen und SchülerInnen sollen nicht im eigenen Saft kochen, sondern durch Aufführungen außerhalb des Instituts und in Zusammenarbeit mit anderen künstlerischen Institutionen und Veranstaltern Lehre und Praxis noch näher aneinander rücken.
So ist einer der nächsten Programmpunkte die Teilnahme des Konservatoriums Wien an dem von der Finnischen Botschaft veranstalteten Symposion über den „finnischen Opernboom“ am 10. und 11. November. In Ergänzung zu den Vorträgen und Diskussionen wird im Jugendstiltheater am Steinhof in Kooperation mit der Musikwerkstatt Wien „Das Sonnenhaus“, eine 1991 in Helsinki uraufgeführte zweiaktige Oper von Einojuhani Rautavaara (geboren 1928), aufgeführt. Vom 9. bis 11. November bietet das Konservatorium überdies ein Kompositionsworkshop mit dem finnischen Komponisten Kalevi Aho an.

Das Sonnenhaus
Eine Oper über die Zeit und das Erinnern
Tragedia Buff ain 2 Akten
Musik und Libretto: Einojuhani Rautavaara
4./7./8./10. und 12. November, Jugendstiltheater, Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien Webseiten: www.jugendstiltheater.co.at und www.konservatorium-wien.ac.at

Foto: v.l.n.r.: Die drei neuen Abteilungsvorstände Michael Pinkerton / Erhard Pauer / Tim Kramer; © Claudia Prieler / Marianne Greber / Sabine Hauswirth

Ditta Rudle

Submit am 18.10.2004

 

Online am Dienstag 18.10.2004

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